⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.08.2026
Aktuelle Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) zeigen, dass die Übernahme eines Wohnungsrechts beim Immobilienkauf die Grunderwerbsteuer erheblich erhöhen kann. Käufer sollten sich auf höhere Kosten einstellen.
- BFH-Urteil bestätigt Einbeziehung von Wohnungsrechten in die Grunderwerbsteuer.
- Kapitalisierter Wert des Wohnungsrechts kann die Steuerlast deutlich erhöhen.
- Käufer sollten sich über die finanziellen Auswirkungen im Klaren sein.
Die aktuellen Urteile des Bundesfinanzhofs (BFH) haben für Aufsehen gesorgt, insbesondere in der Immobilienbranche und bei Käufern von Grundstücken. Die Entscheidungen, die am 22. Oktober 2025 veröffentlicht wurden, verdeutlichen, dass die Übernahme eines Wohnungsrechts beim Kauf einer Immobilie die Grunderwerbsteuer erheblich erhöhen kann. Dies betrifft insbesondere Käufer, die sich auf den Erwerb von Immobilien mit bestehenden Wohnungsrechten vorbereiten.
Was ist ein Wohnungsrecht?

Ein Wohnungsrecht ist ein persönliches Recht, das einer bestimmten Person die Nutzung einer Wohnung oder eines Hauses ermöglicht. Es handelt sich dabei in der Regel um ein nicht übertragbares und nicht vererbliches Recht, das oft nur bis zum Tod des Berechtigten besteht. Diese Art von Recht unterscheidet sich grundlegend von einem veräußerten und vererblichen Dauerwohnrecht, das im Wohnungseigentumsgesetz (WEG) geregelt ist.
Im Kontext der Grunderwerbsteuer ist es wichtig zu verstehen, dass ein Wohnungsrecht, auch wenn es nicht im Grundbuch eingetragen ist, dennoch eine rechtliche Verpflichtung darstellt, die beim Kauf eines Grundstücks berücksichtigt werden muss. Der BFH hat klargestellt, dass der kapitalisierte Wert eines solchen Wohnungsrechts in die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer einfließt.
Die Auswirkungen des BFH-Urteils auf die Grunderwerbsteuer
Das Urteil des BFH (Aktenzeichen II R 32/22) hat weitreichende Konsequenzen für Käufer von Immobilien. Es besagt, dass die Übernahme eines persönlichen Wohnungsrechts durch den Käufer als Gegenleistung im Sinne des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) zu werten ist. Dies gilt unabhängig davon, ob das Wohnungsrecht zum Zeitpunkt des Erwerbs im Grundbuch eingetragen war oder nicht.
Die Entscheidung des BFH bedeutet, dass Käufer, die ein Grundstück erwerben und dabei ein bestehendes Wohnungsrecht übernehmen, mit einer höheren Grunderwerbsteuer rechnen müssen. Der Wert des Wohnungsrechts wird kapitalisiert und zu dem Kaufpreis addiert, was die steuerliche Belastung erheblich erhöhen kann.
Finanzielle Auswirkungen für Käufer
- Urteil des BFH: II R 32/22 vom 22.10.2025
- Erhöhung der Grunderwerbsteuer durch Wohnungsrecht
- Kapitalisierter Wert des Wohnungsrechts fließt in die Steuer ein
Die finanziellen Auswirkungen eines Wohnungsrechts können erheblich sein. Beispielsweise kann der kapitalisierte Wert eines Wohnungsrechts, das auf einem Grundstück lastet, die Grunderwerbsteuer um mehrere tausend Euro erhöhen. In Bundesländern mit einem Spitzensteuersatz von 6,5 % kann dies zu einer zusätzlichen Steuerlast von bis zu 13.000 Euro führen, abhängig vom Wert der Immobilie und der Dauer des Wohnungsrechts.
Käufer sollten sich daher im Vorfeld genau über die bestehenden Rechte und Belastungen eines Grundstücks informieren. Eine unzureichende Berücksichtigung dieser Aspekte kann zu unerwarteten finanziellen Belastungen führen, die die Rentabilität einer Immobilieninvestition erheblich beeinträchtigen können.
Die Berechnung des kapitalisierten Wertes
Der kapitalisierte Wert eines Wohnungsrechts wird durch die Multiplikation des jährlichen Nutzungswerts mit einem Vervielfältiger ermittelt. Dieser Vervielfältiger basiert auf den Sterbetafeln des Statistischen Bundesamts und variiert je nach Alter des Berechtigten. Beispielsweise kann der Vervielfältiger für eine 65-jährige Person bei etwa 11 bis 12 liegen.
Wenn der jährliche Nutzungswert eines Wohnungsrechts beispielsweise 18.000 Euro beträgt, kann der kapitalisierte Wert auf etwa 200.000 Euro steigen. Dies verdeutlicht, wie stark ein Wohnungsrecht die Grunderwerbsteuer beeinflussen kann und warum Käufer sich dieser Thematik bewusst sein sollten.
Relevanz für Investoren und die Immobilienwirtschaft
Für Investoren und die Immobilienwirtschaft hat das Urteil des BFH eine hohe Relevanz. Die Einbeziehung von Wohnungsrechten in die Grunderwerbsteuer-Bemessungsgrundlage könnte die Attraktivität von Immobilienkäufen mit bestehenden Wohnungsrechten mindern. Investoren müssen nun sorgfältiger abwägen, ob der Erwerb einer Immobilie mit solchen Rechten wirtschaftlich sinnvoll ist.
Die Entwicklungen in der Grunderwerbsteuer könnten auch Auswirkungen auf die allgemeine Marktentwicklung im Immobiliensektor haben. Höhere Steuerlasten könnten potenzielle Käufer abschrecken und somit die Nachfrage nach Immobilien beeinflussen. Dies könnte wiederum Auswirkungen auf die Preisentwicklung im Immobilienmarkt haben.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuellen Urteile des BFH zur Grunderwerbsteuer und den Auswirkungen von Wohnungsrechten für Käufer von Immobilien von großer Bedeutung sind. Die Übernahme eines Wohnungsrechts kann die steuerliche Belastung erheblich erhöhen, was potenzielle Käufer vor neue Herausforderungen stellt. Es ist ratsam, sich vor dem Kauf einer Immobilie umfassend über bestehende Rechte und Belastungen zu informieren, um unerwartete finanzielle Belastungen zu vermeiden.
Häufige Fragen
Was ist ein Wohnungsrecht?
Wie beeinflusst ein Wohnungsrecht die Grunderwerbsteuer?
Was besagt das Urteil des BFH vom 22.10.2025?
Welche finanziellen Auswirkungen hat ein Wohnungsrecht auf Käufer?
Wie wird der kapitalisierte Wert eines Wohnungsrechts berechnet?
Quellen: Google News
Symbolbild: Grunderwerbsteuer und Wohnungsrecht im Fokus · Foto: Jakub Zerdzicki / Pexels


