⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 28.08.2026
Der Risikoanstieg am Schweizer Immobilienmarkt ist im zweiten Quartal 2026 erstmals seit drei Jahren gebrochen. Doch eine umfassende Entwarnung wäre verfrüht, da der Arbeitsmarkt weiterhin Unsicherheiten birgt.
- RERI sinkt auf 3,5 Punkte
- Arbeitslosenquote steigt auf 3,1 Prozent
- Preisanstieg bei Wohneigentum verlangsamt sich
Der Risikoanstieg am Schweizer Immobilienmarkt ist im zweiten Quartal 2026 erstmals seit drei Jahren gebrochen. Der Real Estate Risk Index (RERI) fiel von 3,7 auf 3,5 Punkte und signalisiert damit ein mittleres Risiko. Diese Entwicklung wird von einer verbesserten Konjunkturstimmung und einem nachlassenden Preisauftrieb bei Wohneigentum begleitet. Dennoch bleibt die Situation auf dem Arbeitsmarkt angespannt, was eine umfassende Entwarnung verfrüht erscheinen lässt.
Was ist der Real Estate Risk Index (RERI)?

Der RERI ist ein wichtiger Indikator für die Risikolage am Immobilienmarkt. Er bewertet verschiedene Faktoren, die die Stabilität und Sicherheit von Investitionen in Immobilien beeinflussen. Ein Wert von 3,5 Punkten zeigt an, dass die Risiken im Vergleich zu den Vorjahren gesunken sind, jedoch immer noch auf einem mittleren Niveau liegen. Diese Veränderung könnte potenziell positive Auswirkungen auf die Marktteilnehmer haben, insbesondere auf Käufer und Investoren, die auf eine Stabilisierung hoffen.
Die Rolle des Arbeitsmarktes
Trotz der positiven Entwicklung des RERI gibt es einen entscheidenden Risikofaktor, der nicht ignoriert werden kann: der Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote stieg im zweiten Quartal 2026 auf 3,1 Prozent, was über dem Vorquartal von 3,0 Prozent und dem Vorjahreswert von 2,8 Prozent liegt. Diese Erhöhung könnte die Tragfähigkeit von Immobilienfinanzierungen belasten, da mehr Haushalte in finanziellen Schwierigkeiten stecken könnten. Unternehmen zeigen zwar eine optimistische Einschätzung ihrer Lage, doch die verzögerte Reaktion des Arbeitsmarktes auf die wirtschaftliche Erholung bleibt ein zentrales Spannungsfeld.
Preisentwicklung bei Wohneigentum
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung der Preise für Wohneigentum. Im zweiten Quartal 2026 lag der Preisauftrieb bei 3,8 Prozentpunkten über der allgemeinen Teuerung, was eine Verringerung im Vergleich zu den 4,2 Prozentpunkten im Vorquartal darstellt. Diese Verlangsamung des Preisanstiegs könnte darauf hindeuten, dass der Markt sich stabilisiert, jedoch bleibt die Frage, ob dies zu einer breiten Preiskorrektur führen wird. Das knappe Angebot und die hohe Zahlungsbereitschaft der Käufer könnten weiterhin die Preise stützen.
Einfluss der Zinsen auf den Immobilienmarkt
- RERI Q2 2026: 3,5 Punkte
- Arbeitslosenquote: 3,1 Prozent
- Preisauftrieb: 3,8 Prozent über Inflation
Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) verharrte im zweiten Quartal 2026 bei null Prozent. Dieses Nullzinsumfeld bleibt ein stabilisierender Faktor für die Nachfrage nach Wohneigentum. Allerdings zeigt sich eine wachsende Differenz zwischen den günstigsten und teuersten Angeboten für zehnjährige Festhypotheken, die auf rund 0,96 Prozentpunkte angewachsen ist. Ein sorgfältiger Vergleich der Anbieter kann für Käufer erhebliche finanzielle Einsparungen mit sich bringen, was in Beratungsgesprächen nicht unerwähnt bleiben sollte.
Die Auswirkungen der Zuwanderung
Ein Faktor, der in der Vergangenheit für eine stetige Nachfrage nach Wohneigentum sorgte, verliert an Bedeutung. Der rollierende Zwölfmonatssaldo der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung fiel von rund 83.400 Personen Ende 2024 auf 69.900 im Mai 2026, was einen Rückgang von 16,2 Prozent bedeutet. Diese Abnahme könnte die Nachfrage nach Immobilien dämpfen, insbesondere in weniger gefragten Regionen. Dennoch konzentriert sich ein Großteil des zukünftigen Bevölkerungswachstums auf nur elf Kantone, was die regionalen Unterschiede im Immobilienmarkt weiter verstärken könnte.
Ausblick auf die kommenden Quartale
Für die kommenden Quartale rechnet MoneyPark mit einer eher seitwärts gerichteten Bewegung des RERI, möglicherweise mit einer leichten weiteren Entspannung. Die verbesserte konjunkturelle Stimmung und der nachlassende reale Preisauftrieb sprechen dafür. Dennoch bleibt die erhöhte Arbeitslosigkeit ein bedeutendes Risiko, das die Marktentwicklung beeinflussen könnte. Die dynamischen Immobilienpreise und die großen Unterschiede zwischen Hypothekaranbietern werden ebenfalls eine Rolle spielen. Ob die schwächere Zuwanderung die Nachfrage tatsächlich bremst und die anziehende Bautätigkeit regional für mehr Angebot sorgt, bleibt abzuwarten.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Risikoanstieg am Schweizer Immobilienmarkt im zweiten Quartal 2026 gebrochen ist, was auf eine positive Entwicklung hindeutet. Dennoch ist eine umfassende Entwarnung verfrüht, da der Arbeitsmarkt und die regionalen Unterschiede weiterhin Unsicherheiten mit sich bringen. Käufer und Investoren sollten die Entwicklungen genau beobachten, um informierte Entscheidungen zu treffen.
Häufige Fragen
Was ist der Real Estate Risk Index (RERI)?
Wie hat sich die Arbeitslosenquote entwickelt?
Was bedeutet der Rückgang des RERI für Käufer?
Wie beeinflussen Zinsen den Immobilienmarkt?
Welche Rolle spielt die Zuwanderung für den Immobilienmarkt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Aktuelle Trends im Schweizer Immobilienmarkt · Foto: Bryan Dijkhuizen / Pexels


