⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 31.08.2026
Wählerinnen und Wähler mit Migrationshintergrund zeigen eine zunehmende Distanz zu den etablierten Parteien in Deutschland. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) belegt diesen Trend und beleuchtet die Gründe dafür.
- Wähler mit Migrationshintergrund fühlen sich von Parteien nicht ausreichend repräsentiert.
- Die SPD bleibt die beliebteste Partei unter Migranten, verliert jedoch an Zustimmung.
- Persönliche Sicherheitsbedenken beeinflussen das Wählerverhalten stark.
Wählerinnen und Wähler mit Migrationshintergrund zeigen eine zunehmende Distanz zu den etablierten Parteien in Deutschland. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) belegt diesen Trend und beleuchtet die Gründe dafür. Insbesondere Wahlberechtigte mit Wurzeln in der Türkei, Nahost, Nordafrika, Afghanistan oder Pakistan haben sich von den großen Parteien abgewandt. Dies hat weitreichende Implikationen für die politische Landschaft in Deutschland.
Wachsende Distanz zu etablierten Parteien

Die Untersuchung zeigt, dass der Anteil der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund, die eine bestimmte Partei für wählbar halten, im Winter 2024/2025 deutlich gesunken ist. So konnten sich nur noch etwa 50% der Befragten mit türkischen Wurzeln vorstellen, jemals die CDU oder CSU zu wählen, was einen Rückgang von 17% im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Auch die SPD, die traditionell eine hohe Zustimmung in dieser Gruppe genoss, fiel von 71% auf 60%. Diese Entwicklung ist alarmierend und wirft Fragen zur politischen Repräsentation auf.
Die Linke, die ebenfalls an Zustimmung verloren hat, zeigt, dass die Abkehr von den etablierten Parteien nicht auf eine einzelne politische Richtung beschränkt ist. Die Gründe für diese Abkehr sind vielfältig und reichen von einem Gefühl der Nicht-Repräsentation bis hin zu persönlichen Sicherheitsbedenken, die für viele Wähler mit Migrationshintergrund von großer Bedeutung sind.
Ursachen für die Abkehr von Parteien
Ein zentraler Grund für die Distanzierung von den Parteien ist das Gefühl, dass die eigenen Probleme nicht ausreichend wahrgenommen werden. Martin Gerlach, Bundesgeschäftsführer der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), hebt hervor, dass viele Migranten sich nicht ausreichend repräsentiert fühlen. Insbesondere die Zunahme von antimuslimischem Rassismus wird als ein bedeutendes Problem wahrgenommen, das auch für nicht-religiöse Muslime eine Belastung darstellt.
Zusätzlich zu diesen sozialen und politischen Faktoren spielen persönliche Sicherheitsbedenken eine entscheidende Rolle. Viele Menschen mit Migrationshintergrund berichten von Ängsten im öffentlichen Raum, was ihr Vertrauen in die politischen Institutionen weiter untergräbt. Diese Sorgen sind nicht nur emotionaler Natur, sondern haben auch direkte Auswirkungen auf das Wählerverhalten.
Die Rolle der AfD und anderer Parteien
- Wähler mit Migrationshintergrund zeigen geringeres Vertrauen in Parteien.
- SPD hat das größte Wählerpotenzial unter Migranten mit 60%.
- CDU/CSU und Linke verlieren ebenfalls an Zustimmung.
Interessanterweise zeigt die Studie, dass die AfD bei Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund weniger gut ankommt als bei Wählern ohne Migrationshintergrund. Eine Ausnahme bilden jedoch Menschen mit Wurzeln in Russland oder anderen ehemaligen Sowjetstaaten, die eine höhere Zustimmung zur AfD zeigen. Diese Entwicklung könnte auf die spezifischen politischen und sozialen Kontexte zurückzuführen sein, die diese Gruppen erleben.
Die AfD wird von vielen als rechtsextremistisch wahrgenommen, was sie für die Mehrheit der Wähler mit Migrationshintergrund unattraktiv macht. Dennoch gibt es eine wachsende Zahl von Russlanddeutschen, die sich mit den Positionen der AfD identifizieren, was die Komplexität der politischen Landschaft in Deutschland verdeutlicht.
Die SPD bleibt die beliebteste Partei
Trotz der abnehmenden Zustimmung bleibt die SPD die Partei mit dem größten Wählerpotenzial unter Migranten. Rund zwei Drittel der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte halten die Sozialdemokraten für wählbar. Dies zeigt, dass es trotz der Herausforderungen und der wachsenden Distanz zu den Parteien immer noch eine Basis für politische Unterstützung gibt.
Die SPD muss jedoch dringend an ihrer Wahrnehmung arbeiten und die Sorgen der Wähler mit Migrationshintergrund ernst nehmen, um ihre Position zu festigen. Die Herausforderung besteht darin, das Vertrauen zurückzugewinnen und die politischen Anliegen dieser Wählergruppe aktiv zu adressieren.
Auswirkungen auf die politische Landschaft
Die wachsende Distanz von Wählern mit Migrationshintergrund zu den etablierten Parteien könnte langfristige Auswirkungen auf die politische Landschaft in Deutschland haben. Wenn diese Wählergruppe sich weiterhin von den Parteien abwendet, könnte dies zu einer Fragmentierung des politischen Systems führen und den Aufstieg von neuen, möglicherweise extremistischen Parteien begünstigen.
Die politische Elite muss sich dieser Herausforderung bewusst sein und Strategien entwickeln, um das Vertrauen der Wähler mit Migrationshintergrund zurückzugewinnen. Dies könnte durch gezielte politische Maßnahmen, die die spezifischen Bedürfnisse und Sorgen dieser Gruppe ansprechen, geschehen.
Fazit

Die Ergebnisse der Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung zeigen, dass Wähler mit Migrationshintergrund zunehmend auf Distanz zu den etablierten Parteien gehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von einem Gefühl der Nicht-Repräsentation bis hin zu persönlichen Sicherheitsbedenken. Die SPD bleibt zwar die beliebteste Partei unter Migranten, muss jedoch dringend an ihrem Vertrauen arbeiten, um ihre Wählerbasis zu halten. Die politische Landschaft in Deutschland steht vor einer Herausforderung, die nicht ignoriert werden kann.
Häufige Fragen
Warum wenden sich Wähler mit Migrationshintergrund von Parteien ab?
Welche Partei hat das größte Wählerpotenzial unter Migranten?
Wie hat sich die Zustimmung zu den Parteien verändert?
Welche Rolle spielen persönliche Sicherheitsbedenken?
Wie sieht die politische Repräsentation für Migranten aus?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Wähler mit Migrationshintergrund bei der Wahl · Foto: Edmond Dantès / Pexels


