⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 04.09.2026
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Besonders betroffen sind die Automobilbranche und der Dienstleistungssektor, was weitreichende wirtschaftliche Folgen nach sich zieht.
- Anstieg der Großinsolvenzen um 10% im Vergleich zum Vorjahr
- Kumulierte Jahresumsätze insolventer Unternehmen steigen auf 4,5 Milliarden Euro
- Erwartungen für 2026 deuten auf anhaltend hohe Insolvenzzahlen hin
Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Laut einer Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade wurden in diesem Zeitraum insgesamt 33 Firmenpleiten registriert, was einem Anstieg von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Diese Entwicklung ist alarmierend und zeigt, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen für viele Unternehmen weiterhin erheblich sind.
Was sind Großinsolvenzen?

Großinsolvenzen beziehen sich auf Unternehmenspleiten, die einen Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro aufweisen. Diese Insolvenzen sind besonders bedeutsam, da sie nicht nur die betroffenen Unternehmen, sondern auch deren Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner in Mitleidenschaft ziehen können. Der Allianz Trade-Chef Milo Bogaerts betont, dass der Anpassungsdruck in vielen Branchen enorm bleibt und dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Unternehmen herausfordernd sind.
Aktuelle Zahlen und Trends
Im gesamten Jahr 2025 gab es in Deutschland 94 Großinsolvenzen, der höchste Wert seit Beginn der Auswertungen im Jahr 2015. Im Vergleich dazu lag die Zahl der Großpleiten im Jahr 2024 bei 87 und im Jahr 2023 bei 64. Diese steigende Tendenz ist besorgniserregend und deutet darauf hin, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich nicht verbessert haben. Die Prognosen für 2026 deuten darauf hin, dass die Zahl der Großinsolvenzen auf einem erhöhten Niveau bleiben wird.
Branchen im Fokus
Besonders betroffen von den Insolvenzen ist die Automobilbranche, die im ersten Halbjahr 2026 mit sieben Großinsolvenzen die höchste Zahl verzeichnete. Dies ist ein alarmierendes Signal für eine Branche, die bereits unter dem Druck von hohen Investitions- und Energiekosten leidet. Auch der Einzelhandel und der Maschinenbau sind betroffen, mit jeweils fünf und vier Großinsolvenzen. Diese Entwicklungen haben nicht nur Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft, da sie oft in komplexe Wertschöpfungsketten eingebunden sind.
Wirtschaftliche Auswirkungen
- 33 Großinsolvenzen im ersten Halbjahr 2026
- 94 Großinsolvenzen im Jahr 2025, der höchste Wert seit 2015
- 7 Großinsolvenzen in der Automobilbranche im ersten Halbjahr 2026
Die wirtschaftlichen Folgen der Insolvenzen sind erheblich. Der kumulierte Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen im ersten Halbjahr 2026 betrug 4,5 Milliarden Euro, was einem Anstieg von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Umsatz insolventer Großunternehmen um knapp sieben Prozent auf rund 137 Millionen Euro gesunken. Dies deutet darauf hin, dass zunehmend kleinere Unternehmen von Insolvenzen betroffen sind, was die wirtschaftliche Stabilität weiter gefährdet.
Ursachen für den Anstieg der Insolvenzen
Die Ursachen für den Anstieg der Insolvenzen sind vielfältig. Hohe Investitions- und Energiekosten sowie eine schwache Nachfrage in vielen Branchen tragen zu den finanziellen Schwierigkeiten der Unternehmen bei. Die geopolitischen Krisen, wie der Nahostkonflikt, haben die Situation zusätzlich verschärft, indem sie die Energiepreise in die Höhe treiben. Diese Faktoren führen dazu, dass viele Unternehmen ihre Kreditverpflichtungen nicht mehr erfüllen können, was zu einer erhöhten Zahl von Insolvenzen führt.
Globale Trends
Der Trend zu steigenden Insolvenzen ist nicht nur auf Deutschland beschränkt. Weltweit gab es im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 247 Großinsolvenzen, was einem Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders betroffen sind der Einzelhandel, der Dienstleistungssektor und das Baugewerbe. Westeuropa bleibt jedoch besonders betroffen und steht für mehr als 60 Prozent aller erfassten Fälle. Diese globalen Trends verdeutlichen, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen viele Länder betreffen und nicht nur auf nationale Gegebenheiten zurückzuführen sind.
Ausblick und Prognosen
Die Prognosen für die kommenden Monate sind wenig optimistisch. Experten erwarten, dass die Zahl der Großinsolvenzen auch im weiteren Verlauf des Jahres 2026 auf einem hohen Niveau bleiben wird. Insbesondere Unternehmen mit geringer Preissetzungsmacht und solche, die in Branchen mit hohen Investitionskosten tätig sind, bleiben anfällig für finanzielle Schieflagen. Die wirtschaftliche Unsicherheit wird voraussichtlich anhalten, was die Situation für viele Unternehmen weiter verschärfen könnte.
Fazit

Die steigende Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland ist ein besorgniserregender Trend, der weitreichende wirtschaftliche Folgen nach sich zieht. Besonders betroffen sind die Automobilbranche und der Dienstleistungssektor, während die Ursachen für die Insolvenzen in hohen Kosten und schwacher Nachfrage liegen. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Situation auch in den kommenden Monaten angespannt bleiben wird. Unternehmen und Investoren sollten die Entwicklungen genau beobachten, um rechtzeitig auf die Herausforderungen reagieren zu können.
Häufige Fragen
Was sind Großinsolvenzen?
Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden durch Insolvenzen?
Was sind die Ursachen für den Anstieg der Insolvenzen?
Wie wirkt sich die Inflation auf Insolvenzen aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Zunehmende Insolvenzen in der Wirtschaft · Foto: Vitaly Gariev / Pexels


