⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 14.09.2026
Im Wirecard-Prozess wird die von Markus Braun vertretene Opferthese von den Richtern als unbegründet zurückgewiesen. Ein Urteil rückt näher.
- Richter erklären Brauns Opferthese für Spekulation.
- Braun und Mitangeklagte droht Einzug von Millionenbeträgen.
- Prozess könnte bald zu einem Urteil führen.
Im Münchner Wirecard-Prozess, der sich um den jahrelangen Milliardenbetrug in der Chefetage des 2020 kollabierten DAX-Konzerns dreht, rückt eine hohe Haftstrafe für den ehemaligen Vorstandschef Markus Braun immer näher. Nach über dreieinhalb Jahren Prozessdauer haben die Richter die von Braun vertretene Opferthese als „Spekulation“ abgelehnt. Der Vorsitzende Richter Markus Födisch stellte fest: „Zu all dem hat sich trotz umfangreicher Ermittlungen nichts ergeben.“ Diese Aussage könnte weitreichende Folgen für Braun und seine Mitangeklagten haben, die im Falle einer Verurteilung den Einzug von Millionensummen fürchten müssen.
Was geschah im Wirecard-Prozess?

Der Wirecard-Prozess hat seit seiner Eröffnung im Dezember 2022 für großes Aufsehen gesorgt. Die Anklage wirft Braun und seinen Komplizen vor, über Jahre hinweg frei erfundene Milliardenumsätze in den Wirecard-Bilanzen verbucht zu haben. Diese Geschäfte wurden hauptsächlich über drei sogenannte „Drittpartner“ in Dubai, Singapur und den Philippinen abgewickelt, die angeblich Kreditkartenzahlungen in asiatischen Ländern verarbeiten sollten. Laut den Richtern gibt es jedoch „keinerlei Anhaltspunkte“ für die Existenz dieser Drittpartnergeschäfte, was die Glaubwürdigkeit von Brauns Verteidigung erheblich untergräbt.
Die Rolle von Markus Braun im Betrug
Markus Braun, der seit Juli 2020 in Untersuchungshaft sitzt, hat wiederholt seine Unschuld beteuert. Er behauptet, dass die Drittpartnergeschäfte tatsächlich existiert hätten und die hohen Gewinne von den wahren Tätern um den abgetauchten Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek ohne sein Wissen abgezweigt worden seien. Diese Darstellung wurde jedoch von den Richtern als nicht schlüssig erachtet. Födisch erklärte, dass es auch für die Veruntreuung keine Hinweise gebe und sprach von einer „fehlenden Schlüssigkeit der These an sich“.
Finanzielle Konsequenzen für Braun und Mitangeklagte
- Prozessdauer: über 3,5 Jahre
- Richter: Markus Födisch
- Tatlohn von Braun: 39 Millionen Euro
- Anklage: Milliardenbetrug
- Braun in Untersuchungshaft seit Juli 2020
Im Zuge des Verfahrens haben die Richter auch darauf hingewiesen, dass im Falle einer Verurteilung der „Tatlohn“ eingezogen werden könnte. Für Markus Braun bedeutet dies, dass er mit dem Verlust von knapp 39 Millionen Euro rechnen muss, die bei seiner persönlichen Beteiligungsgesellschaft verbucht waren. Auch der Kronzeuge Oliver Bellenhaus, der die Anklage in wesentlichen Punkten bestätigt hat, könnte gut sechs Millionen Euro verlieren. Der dritte Angeklagte, ein ehemaliger Chefbuchhalter, sieht sich der Einziehung von über 600.000 Euro gegenüber.
Die Auswirkungen auf den DAX und die Anleger
Der Wirecard-Skandal hat nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch den DAX und die Anleger stark getroffen. Die Wirecard-Aktien, die einst als vielversprechend galten, haben nach dem Skandal erheblich an Wert verloren. Viele Anleger, die in die Aktien investiert hatten, sehen sich nun mit massiven Verlusten konfrontiert. Die Unsicherheit über die Zukunft des Unternehmens und die laufenden rechtlichen Auseinandersetzungen haben das Vertrauen in den DAX und die Stabilität des deutschen Finanzmarktes erschüttert.
Der aktuelle Stand des Prozesses
Der Prozess steuert nun auf die Schlussphase zu. Die Richter haben angekündigt, dass sie in der vierten Oktoberwoche die Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hören wollen. Dies könnte bedeuten, dass ein Urteil in naher Zukunft gefällt wird. Die Staatsanwaltschaft hält Braun für den Haupttäter und sieht ihn als zentralen Akteur in dem Betrug, der den DAX-Konzern in den Abgrund gerissen hat. Ein Freispruch für Braun erscheint unwahrscheinlich, es sei denn, es kommt zu unerwarteten Wendungen im Verfahren.
Fazit

Der Wirecard-Prozess ist ein Paradebeispiel für die Herausforderungen, die im Finanzsektor auftreten können, wenn es um Betrug und Missmanagement geht. Die Ablehnung von Brauns Opferthese durch die Richter könnte weitreichende Konsequenzen für ihn und seine Mitangeklagten haben. Die Entwicklungen im Prozess werden weiterhin genau beobachtet, da sie nicht nur die Zukunft von Braun, sondern auch die Stabilität des DAX und das Vertrauen der Anleger in den deutschen Finanzmarkt betreffen.
Häufige Fragen
Was ist der Wirecard-Prozess?
Welche Vorwürfe werden gegen Markus Braun erhoben?
Wie lange dauert der Prozess bereits?
Was könnte die Konsequenz für Braun sein?
Wie steht es um die Wirecard-Aktien?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Richter im Wirecard-Prozess · Foto: KATRIN BOLOVTSOVA / Pexels


