⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 23.06.2026
Der europäische Markt für Rechenzentren erlebt ein bemerkenswertes Wachstum, das nicht nur die Technologiebranche, sondern auch die Immobilienmärkte und die wirtschaftliche Landschaft beeinflusst.
- Wachstum des Rechenzentrumsangebots in Europa um 18,9%
- Frankfurt verzeichnet das stärkste Wachstum mit 23%
- Wien wird zunehmend als Rechenzentrumsstandort attraktiv
Der europäische Markt für Rechenzentren erlebt ein bemerkenswertes Wachstum, das nicht nur die Technologiebranche, sondern auch die Immobilienmärkte und die wirtschaftliche Landschaft beeinflusst. Laut einer aktuellen Studie des Immobiliendienstleisters CBRE stieg das Angebot in den vier größten europäischen Märkten – London, Frankfurt, Paris und Amsterdam – im ersten Quartal 2026 um 18,9% im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die steigende Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz (KI) und Cloud-Diensten vorangetrieben.
Was ist das Wachstum des Rechenzentrumsangebots?

Das Wachstum des Rechenzentrumsangebots bezieht sich auf die zunehmende Anzahl und Kapazität von Rechenzentren, die in Europa errichtet werden. Diese Einrichtungen sind entscheidend für die Speicherung und Verarbeitung von Daten, insbesondere im Kontext der Digitalisierung und der wachsenden Nutzung von Cloud-Diensten. Die Nachfrage nach Rechenzentren wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter die Notwendigkeit, große Datenmengen zu verarbeiten, die Entwicklung von KI-Anwendungen und die Expansion von Hyperscalern, die große Mengen an Rechenleistung benötigen.
Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Frankfurt mit 23% das stärkste Angebotswachstum unter den Kernmärkten, gefolgt von London mit 21%. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die etablierten Märkte weiterhin eine zentrale Rolle im europäischen Rechenzentrumssektor spielen, während gleichzeitig neue Märkte an Bedeutung gewinnen.
Einfluss auf die Mietpreise und Leerstandsquoten
Die steigende Nachfrage nach Rechenzentren hat direkte Auswirkungen auf die Mietpreise in den betroffenen Märkten. In Frankfurt, wo die Leerstandsquote mit 5% die niedrigste unter den Kernmärkten aufweist, steigen die Mietpreise aufgrund des anhaltenden Nachfrageüberhangs weiter an. Auch in London ist ein Anstieg der Leerstandsquote auf 8,6% zu verzeichnen, was auf neu geschaffene Kapazitäten zurückzuführen ist, die jedoch schnell vom Markt absorbiert werden.
Die Nettoabsorption, also die neu vermietete minus der freigewordenen Kapazität, stieg in den europäischen Kernmärkten um 90% gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 572 Megawatt. Diese Zahlen zeigen, dass trotz umfangreicher Neubauaktivitäten das Angebot weiterhin knapp bleibt, was die Mietpreise weiter in die Höhe treibt.
Wien als aufstrebender Standort
- Angebotswachstum: 18,9% im ersten Quartal 2026
- Frankfurt: 23% stärkstes Wachstum unter den Kernmärkten
- Wien: Installierte Leistung von 53 MW, Verdopplung seit 2016
Wien gewinnt zunehmend an Bedeutung im europäischen Wettbewerb um Rechenzentren. Die installierte Rechenzentrumsleistung in der österreichischen Hauptstadt liegt derzeit bei rund 53 Megawatt und hat sich seit 2016 mehr als verdoppelt. Analysten erwarten, dass diese Zahl bis Ende 2026 auf etwa 65 Megawatt ansteigt. Internationale Technologiekonzerne investieren verstärkt in Österreich, was die Attraktivität des Standorts unterstreicht.
Microsoft eröffnete 2025 drei neue Rechenzentren im Großraum Wien, während Google derzeit ein Rechenzentrum in Kronstorf errichtet. Diese Entwicklungen zeigen, dass Wien nicht nur als Standort für Rechenzentren an Bedeutung gewinnt, sondern auch als wichtiger Akteur im Bereich der digitalen Infrastruktur.
Verlagerung in Sekundärmärkte
Ein bemerkenswerter Trend ist die zunehmende Verlagerung der Marktaktivitäten in Sekundärmärkte. Dies geschieht aus mehreren Gründen, darunter die Verfügbarkeit von Grundstücken und Stromkapazitäten. In Städten wie Frankfurt und Paris zeigt sich dieser Trend, da sich die Entwicklung zunehmend auf umliegende Regionen ausdehnt, in denen die Voraussetzungen für den Bau von Rechenzentren günstiger sind.
Ein Beispiel für einen aufstrebenden Markt ist Lissabon, wo die Kapazität von Rechenzentren bis 2030 von derzeit rund 50 Megawatt auf bis zu 500 Megawatt steigen könnte. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass neue Märkte zunehmend in den Fokus rücken, um die zukünftige Nachfrage zu decken.
Langfristige Perspektiven und wirtschaftliche Auswirkungen
Langfristig wird erwartet, dass der Rechenzentrumsmarkt in Europa weiter wächst, insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung und den Bedarf an KI-gestützten Anwendungen. Die EU plant Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro in neue KI-Rechenzentren, um die Abhängigkeit von US-Technologien zu verringern und die eigenen Kapazitäten auszubauen.
Dieser Trend hat auch Auswirkungen auf die Immobilienmärkte. Die Nachfrage nach geeigneten Flächen für Rechenzentren könnte die Preise in städtischen Gebieten beeinflussen und zu einem Anstieg der Investitionen in Immobilien führen. Investoren sollten die Entwicklungen in diesem Sektor genau beobachten, da sie sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen.
Fazit

Das rasche Wachstum des europäischen Rechenzentrumsangebots ist ein bedeutender Trend, der weitreichende Auswirkungen auf die Technologiebranche, den Immobilienmarkt und die wirtschaftliche Landschaft hat. Die steigende Nachfrage nach Rechenkapazitäten, insbesondere im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten, treibt die Entwicklung voran. Während etablierte Märkte wie Frankfurt und London weiterhin dominieren, gewinnen auch neue Standorte wie Wien und Lissabon an Bedeutung. Investoren und Unternehmen sollten diese Entwicklungen im Auge behalten, um von den Chancen, die sich aus diesem Wachstum ergeben, zu profitieren.
Häufige Fragen
Was treibt das Wachstum des Rechenzentrumsangebots in Europa an?
Wie wirkt sich das Wachstum auf die Mietpreise aus?
Welche Rolle spielt Wien im europäischen Rechenzentrumsmarkt?
Wie beeinflusst der Trend die Immobilienmärkte?
Was sind die langfristigen Perspektiven für den Rechenzentrumsmarkt in Europa?
Quellen: Google News
Symbolbild: Wachstum des Rechenzentrumsangebots in Europa · Foto: panumas nikhomkhai / Pexels


