⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 07.07.2026
In Deutschland sind Selbstnutzer von Immobilien stark benachteiligt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sie im Vergleich zu Vermietern erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.
- Selbstnutzer verlieren bis zu 87.000 Euro gegenüber Vermietern.
- Vermieter profitieren von steuerlichen Abschreibungen und Abzügen.
- Die Wohneigentumsquote in Deutschland ist mit 44% die niedrigste in der EU.
In Deutschland sind Selbstnutzer von Immobilien erheblich benachteiligt, wenn es um steuerliche Regelungen geht. Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass Käufer, die eine Wohnung in einer Metropole für 300.000 Euro erwerben und selbst bewohnen, im Vergleich zu Vermietern innerhalb von 15 Jahren bis zu 87.000 Euro verlieren können. Diese Diskrepanz wirft Fragen auf, insbesondere im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen Lage, in der Inflation und steigende Zinsen die finanzielle Situation vieler Haushalte belasten.
Was sind die steuerlichen Nachteile für Selbstnutzer?

Die steuerlichen Nachteile für Selbstnutzer ergeben sich aus der Tatsache, dass sie keine Möglichkeit haben, ihre Immobilie steuerlich abzuschreiben. Vermieter hingegen können von verschiedenen steuerlichen Vorteilen profitieren, wie der Abschreibung der Immobilie sowie der Geltendmachung von Kosten für Kreditzinsen und Instandhaltungen. Diese Regelungen führen dazu, dass Vermieter im Durchschnitt eine Rendite von fast 9% erzielen, während Selbstnutzer lediglich auf eine Rendite von etwa 6% kommen.
Außerhalb der Metropolen liegt der Steuernachteil für Selbstnutzer laut IW-Daten bei 40.000 bis 50.000 Euro. Diese Unterschiede in der steuerlichen Behandlung sind nicht nur ein individuelles Problem, sondern haben auch weitreichende Auswirkungen auf die Wohneigentumsquote in Deutschland, die mit nur 44% die niedrigste in der Europäischen Union ist.
Wie beeinflussen die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen den Immobilienmarkt?
Die derzeitige wirtschaftliche Lage, geprägt von Inflation und steigenden Zinsen, hat auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt in Deutschland. Viele potenzielle Käufer sehen sich mit höheren Finanzierungskosten konfrontiert, was den Erwerb von Wohneigentum zusätzlich erschwert. In diesem Kontext wird die steuerliche Benachteiligung von Selbstnutzern noch deutlicher, da sie nicht von den gleichen steuerlichen Vorteilen profitieren können wie Vermieter.
Die steigenden Zinsen führen dazu, dass viele Menschen zögern, in Immobilien zu investieren. Dies könnte langfristig zu einem Rückgang der Nachfrage nach Wohnraum führen, was wiederum die Immobilienpreise beeinflussen könnte. In einem solchen Marktumfeld ist es umso wichtiger, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um den Erwerb von Wohneigentum zu fördern und die steuerlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.
Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern da?
- Steuernachteil für Selbstnutzer: bis zu 87.000 Euro in 15 Jahren
- Rendite für Vermieter: fast 9%, für Selbstnutzer: 6%
- Wohneigentumsquote in Deutschland: nur 44%, EU-Durchschnitt: 70%
Die Studie vergleicht die Bundesrepublik mit sechs europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Frankreich und Österreich. In allen Vergleichsländern begünstigt das Steuerrecht die Selbstnutzung – etwa durch niedrigere Kaufnebenkosten für Eigennutzer oder eine höhere Besteuerung der Vermietung. Dies zeigt sich an der Wohneigentumsquote. In keinem anderen Land der Europäischen Union lebten so wenige Menschen in den eigenen vier Wänden wie in Deutschland. 2022 lag die Quote in Deutschland demnach bei nur 44 Prozent – im EU-Schnitt sind es rund 70 Prozent.
„Wohneigentum ist Vermögensaufbau und Altersvorsorge in einem – mit einem Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer könnte der Staat das fördern“, sagte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. „Viele Menschen träumen vom Eigenheim – doch anders als in vielen anderen europäischen Ländern legt der deutsche Staat ihnen dabei Steine in den Weg.“
Welche Maßnahmen könnten Selbstnutzer unterstützen?
Um die Situation für Selbstnutzer zu verbessern, schlagen Experten wie Michael Voigtländer vom IW vor, steuerliche Erleichterungen einzuführen. Eine Möglichkeit wäre die Einführung eines Freibetrags bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer. Solche Maßnahmen könnten dazu beitragen, den Erwerb von Wohneigentum zu fördern und die finanzielle Belastung für viele Haushalte zu verringern.
Die steuerlichen Nachteile für Selbstnutzer in Deutschland sind ein ernstzunehmendes Problem, das nicht nur individuelle Haushalte betrifft, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft hat. Mit einem Verlust von bis zu 87.000 Euro im Vergleich zu Vermietern innerhalb von 15 Jahren ist es dringend erforderlich, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um die Situation für Selbstnutzer zu verbessern.
Fazit

Die steuerlichen Nachteile für Selbstnutzer in Deutschland sind ein bedeutendes Hindernis für viele, die von einem Eigenheim träumen. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen ist es wichtiger denn je, dass der Staat Selbstnutzer unterstützt und Anreize für den Erwerb von Wohneigentum schafft. Eine Reform der steuerlichen Regelungen könnte dazu beitragen, die Wohneigentumsquote zu erhöhen und die finanzielle Belastung für viele Haushalte zu verringern.
Häufige Fragen
Was sind die steuerlichen Nachteile für Selbstnutzer in Deutschland?
Wie hoch ist der Steuernachteil für Selbstnutzer?
Wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern da?
Welche Maßnahmen könnten Selbstnutzer unterstützen?
Wie beeinflussen steigende Zinsen den Immobilienmarkt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steuerliche Nachteile für Selbstnutzer in Deutschland · Foto: Safwan C K / Pexels


