⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 07.07.2026
Die Autozulieferer in Thüringen sehen sich aufgrund steigender Energiepreise und sinkender Umsätze in einer kritischen Lage. Die Branche sucht nach neuen Perspektiven.
- Hohe Energiepreise belasten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
- Nur 27 % der Autozulieferer planen Investitionen.
- Interesse an Diversifizierung in andere Branchen wächst.
Die Autozulieferer in Thüringen stehen vor einer ernsten Herausforderung. Hohe Energiepreise und sinkende Umsätze setzen der Branche stark zu. Aktuelle Umfragen zeigen, dass nur noch 27 % der Unternehmen in der Lage sind, Investitionen zu planen, während 72 % von ihnen Umsatzrückgänge verzeichnen. Diese Situation hat nicht nur Auswirkungen auf die Unternehmen selbst, sondern auch auf die gesamte wirtschaftliche Stabilität der Region.
Die Auswirkungen der Energiepreise auf die Wettbewerbsfähigkeit

Die Energiepreise in Thüringen liegen derzeit bei etwa 25 Cent pro Kilowattstunde. Im Vergleich dazu zahlen Unternehmen in Asien nur sechs bis sieben Cent. Dieser Preisunterschied frisst die Margen der Thüringer Unternehmen auf und macht sie im internationalen Wettbewerb weniger wettbewerbsfähig. Torsten Herrmann, der Geschäftsführer eines Autozulieferers, bringt es auf den Punkt: „Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Diese Aussage verdeutlicht die Dringlichkeit der Situation, in der sich die Unternehmen befinden.
Zusätzlich zu den hohen Energiepreisen müssen die Unternehmen auch mit steigenden Löhnen umgehen. Ab Januar 2026 wird der Mindestlohn auf 13,90 Euro angehoben, was für viele Unternehmen zu zusätzlichen Kosten von bis zu 400.000 Euro jährlich führen kann. Diese finanziellen Belastungen stellen eine erhebliche Herausforderung dar, insbesondere in einer Zeit, in der die Aufträge aus der Automobilindustrie zurückgehen.
Umsatzrückgänge und Investitionsschwäche
Die aktuelle Lage ist alarmierend: Rund 72 % der Autozulieferer in Thüringen berichten von Umsatzrückgängen. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Zeichen für die Schwierigkeiten der Branche, sondern auch ein Indikator für die Unsicherheit, die viele Unternehmen in Bezug auf die zukünftige Marktentwicklung empfinden. Die Unsicherheit wird durch geopolitische Spannungen und eine schwächelnde Nachfrage nach Fahrzeugen weiter verstärkt.
Die Umfrage des Verbands automotive thüringen zeigt, dass die Investitionsbereitschaft auf einem historischen Tiefpunkt angelangt ist. Nur noch 27 % der Unternehmen planen mittelfristig Investitionen, während im Jahr 2021 noch 76 % der Unternehmen neue Projekte in Aussicht hatten. Diese drastische Veränderung verdeutlicht den Vertrauensverlust in die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit des Standorts Thüringen.
Diversifizierung als Chance
- Energiepreise in Thüringen: 25 Cent pro kWh
- Mindestlohn steigt auf 13,90 Euro ab Januar 2026
- 72 % der Unternehmen verzeichnen Umsatzrückgänge
Angesichts der schwierigen Lage suchen viele Unternehmen nach neuen Geschäftsfeldern. Rund 79 % der befragten Autozulieferer planen, sich außerhalb der Automobilindustrie zu diversifizieren. Besonders stark ist das Interesse an der Rüstungsindustrie und der Medizintechnik, da diese Sektoren ähnliche Kompetenzen in der Präzisionsfertigung erfordern. Mathias Hasecke, Vorstandsvorsitzender von automotive thüringen, betont, dass die Rüstungsindustrie zwar helfen kann, aber nicht die Automobilindustrie ersetzen wird.
Die Diversifizierung könnte eine Möglichkeit sein, die Abhängigkeit von der Automobilindustrie zu verringern und neue Einnahmequellen zu erschließen. Dennoch bleibt abzuwarten, ob diese Strategien ausreichen, um die Herausforderungen der Branche zu bewältigen.
Politische Forderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen
Die Thüringer Unternehmen fordern von der Politik klare Signale und Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Insbesondere wird eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau gefordert. Die drei Thüringer Industrie– und Handelskammern haben einen Appell an die Bundes- und Landesregierung gerichtet, den Reformstau abzubauen und die Bürokratie zu verringern. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu sichern und die Unternehmen zu entlasten.
Die Unternehmen sehen sich nicht nur mit hohen Energiepreisen konfrontiert, sondern auch mit einer unzureichend digitalisierten Verwaltung und langwierigen Genehmigungsverfahren. Diese bürokratischen Hürden erschweren es den Unternehmen, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
Fazit: Ein kritischer Moment für die Thüringer Autozulieferer

Die Situation der Autozulieferer in Thüringen ist angespannt. Hohe Energiepreise, steigende Löhne und sinkende Umsätze stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Suche nach neuen Geschäftsfeldern und die Forderung nach politischen Maßnahmen sind entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Branche in der Lage ist, sich erfolgreich zu transformieren und die Herausforderungen zu meistern.
Häufige Fragen
Wie hoch sind die Energiepreise in Thüringen?
Wie wirkt sich der Mindestlohn auf die Autozulieferer aus?
Wie viele Unternehmen in Thüringen verzeichnen Umsatzrückgänge?
Welche Branchen interessieren die Autozulieferer für Diversifizierung?
Was fordern die Thüringer Unternehmen von der Politik?
Quellen: Google News
Symbolbild: Energiepreise belasten Thüringer Autozulieferer · Foto: Sami TÜRK / Pexels


