⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 13.08.2026
Im zweiten Quartal 2026 flossen 96 von 100 Euro, die in offene Publikumsfonds in Deutschland investiert wurden, in ETFs. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Fondslandschaft und die Anlagestrategien der Investoren.
- ETFs dominieren den Markt mit 96% der Zuflüsse
- Immobilienfonds verzeichnen massive Abflüsse
- ETF-Vermögen stieg um 38% im Vergleich zum Vorjahr
Im zweiten Quartal 2026 hat sich ein bemerkenswerter Trend auf dem deutschen Fondsmarkt abgezeichnet: Von 100 Euro, die in offene Publikumsfonds flossen, gingen beeindruckende 96 Euro in ETFs. Dies zeigt nicht nur die wachsende Beliebtheit von börsengehandelten Fonds, sondern auch die Herausforderungen, vor denen traditionelle Fonds stehen. Die aktuellen Zahlen stammen aus der neuesten Investmentstatistik des Fondsverbands BVI, die zum 30. Juni veröffentlicht wurde.
Was ist der aktuelle Stand der Fondsströme?

Die Daten des BVI zeigen, dass in den letzten drei Monaten lediglich 758 Millionen Euro in alle anderen Publikumsfonds ohne Börsenhülle flossen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal, in dem noch 7,4 Milliarden Euro in diese Fonds investiert wurden, ist dies ein dramatischer Rückgang. Diese Entwicklung verdeutlicht die wachsende Vorliebe der Anleger für ETFs, die als kosteneffiziente und flexible Anlageprodukte gelten.
Die Dominanz der ETFs ist nicht nur ein kurzfristiger Trend. Im ersten Halbjahr 2025 lag ihr Anteil an den Zuflüssen bereits bei 60 Prozent, im ersten Halbjahr 2026 stieg dieser Anteil auf 76 Prozent und erreichte im zweiten Quartal sogar 96 Prozent. Dies zeigt, dass sich die Anleger zunehmend für die Vorteile von ETFs entscheiden, während traditionelle Fonds an Attraktivität verlieren.
Die Entwicklung des ETF-Vermögens
Das Vermögen der ETFs ist im Vergleich zum Vorjahr erheblich gestiegen. Es wuchs von 424 Milliarden Euro auf 585 Milliarden Euro, was einem Plus von 38 Prozent entspricht. Im Gegensatz dazu legten alle Publikumsfonds zusammen nur um 20 Prozent zu. Dies verdeutlicht, dass ETFs nicht nur in der Beliebtheit, sondern auch in der Vermögensverwaltung eine führende Rolle übernehmen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass fast die Hälfte des Zuwachses im Fondsvermögen auf ETFs zurückzuführen ist. Von den 347 Milliarden Euro, die insgesamt in den Fondsmarkt flossen, entfallen 161 Milliarden Euro auf ETFs. Dies zeigt, dass ETFs nicht nur eine Nische bedienen, sondern zunehmend den Mainstream der Anlagestrategien prägen.
Die Herausforderungen für traditionelle Fonds
- 96 Euro von 100 Euro flossen in ETFs
- 758 Millionen Euro blieben für andere Fonds
- ETF-Vermögen stieg auf 585 Milliarden Euro
Die Abflüsse aus offenen Immobilien-Publikumsfonds sind besonders alarmierend. Im ersten Halbjahr 2026 zogen Anleger netto 3,3 Milliarden Euro ab, was auf eine anhaltende Abwärtstendenz hinweist. Diese Fonds verzeichneten im ersten und zweiten Quartal Abflüsse von 1,8 Milliarden Euro bzw. 1,5 Milliarden Euro. Das gesamte Vermögen dieser Fonds sank von 132 Milliarden Euro Mitte 2023 auf 108 Milliarden Euro, was einem Minus von 18 Prozent in drei Jahren entspricht.
Die Abflüsse aus Immobilienfonds stehen im krassen Gegensatz zu den Zuflüssen in Immobilien-Spezialfonds, die im ersten Halbjahr netto 1,5 Milliarden Euro verzeichneten. Dies zeigt, dass Anleger möglicherweise nach alternativen Anlagemöglichkeiten suchen, während sie sich von traditionellen Immobilienfonds abwenden.
Die Rolle der Kosten in der Anlageentscheidung
Ein entscheidender Faktor für die wachsende Beliebtheit von ETFs sind die deutlich niedrigeren Kosten im Vergleich zu traditionellen Fonds. Aktien-ETFs kosten im Durchschnitt rund 0,3 Prozent jährlich, während klassische Aktienfonds etwa 1,6 Prozent kosten. Dieser Unterschied von 1,3 Prozentpunkten kann über die Jahre hinweg zu erheblichen Renditedifferenzen führen. Beispielsweise könnte ein monatlicher Sparplan von 100 Euro über 30 Jahre bei einer angenommenen Wertentwicklung von 6 Prozent vor Kosten zu einer Renditedifferenz von rund 19.000 Euro führen.
Die niedrigeren Kosten von ETFs ermöglichen es Anlegern, nicht nur laufende Gebühren zu sparen, sondern auch Ausgabeaufschläge und Transaktionskosten zu vermeiden, die bei einer späteren Umschichtung entstehen können. Dies macht ETFs zu einer attraktiven Wahl für langfristige Investoren.
Die Zukunft der Fondsbranche
Die aktuellen Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Fondsbranche vor einem grundlegenden Wandel steht. Die Dominanz der ETFs könnte die Art und Weise, wie Anleger ihr Geld anlegen, nachhaltig verändern. Immer mehr traditionelle Fondsanbieter reagieren auf diesen Trend, indem sie eigene ETFs auflegen, um im Wettbewerb bestehen zu können.
Die Einführung neuer Produkte und die Anpassung an die Bedürfnisse der Anleger sind entscheidend, um im sich wandelnden Markt erfolgreich zu sein. Die Fondsbranche muss sich anpassen, um die Herausforderungen der ETF-Dominanz zu meistern und gleichzeitig den Anlegern attraktive Produkte anzubieten.
Fazit

Die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 zeigen deutlich, dass ETFs die Zukunft der Fondsbranche prägen. Mit 96 von 100 Euro, die in ETFs flossen, und einem signifikanten Anstieg des ETF-Vermögens ist es klar, dass Anleger zunehmend auf kosteneffiziente und flexible Anlageprodukte setzen. Die Herausforderungen für traditionelle Fonds sind erheblich, und die Branche muss sich anpassen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Die Entwicklung der Finanzmärkte wird weiterhin von der Dominanz der ETFs beeinflusst werden.
Häufige Fragen
Was sind ETFs?
Warum investieren Anleger bevorzugt in ETFs?
Wie haben sich die Immobilienfonds entwickelt?
Was bedeutet die Dominanz der ETFs für andere Fonds?
Wie sieht die Zukunft der Fondsbranche aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: ETFs dominieren den Fondsmarkt 2026 · Foto: Pixabay / Pexels


