⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 09.06.2026
Das Ehegattensplitting steht erneut im Fokus der politischen Debatte. Während Ökonomen eine Reform fordern, zeigt sich die Union unnachgiebig. Wer gewinnt und wer verliert in dieser Auseinandersetzung?
- Die Union hält am Ehegattensplitting fest.
- Ökonomen schlagen eine Begrenzung des Splittingvorteils vor.
- Familien mit Kindern könnten von einer Reform profitieren.
Das Ehegattensplitting, ein zentrales Element der deutschen Steuerpolitik, steht erneut auf dem Prüfstand. In den letzten Wochen haben führende Ökonomen und frühere Verfassungsrichterinnen einen Reformvorschlag unterbreitet, der die steuerlichen Vorteile des Splittings begrenzen soll. Diese Initiative hat jedoch auf politischer Ebene auf Widerstand gestoßen, insbesondere von Seiten der Union. Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wer gewinnt und wer verliert in dieser Debatte?
Was ist das Ehegattensplitting?

Das Ehegattensplitting ist ein Verfahren im Einkommensteuerrecht, das die steuerliche Belastung von Ehepaaren mindert. Es funktioniert so, dass die Einkommen beider Ehepartner addiert, durch zwei geteilt und dann versteuert werden. Diese Regelung gilt für verheiratete Paare sowie für eingetragene Lebenspartnerschaften. Kritiker argumentieren, dass das Splitting vor allem Paare mit großen Einkommensunterschieden begünstigt und wenig Anreize für den geringer verdienenden Partner schafft, mehr zu arbeiten.
Aktuelle Reformvorschläge und deren Hintergründe
Eine Gruppe von 23 Ökonomen und ehemaligen Verfassungsrichtern hat in einem offenen Brief an die Bundesregierung eine Reform des Ehegattensplittings gefordert. Ihr Vorschlag sieht vor, den steuerlichen Vorteil für den besserverdienenden Partner auf maximal 13.805 Euro zu begrenzen. Diese Maßnahme würde insbesondere Paare mit großen Einkommensunterschieden stärker belasten, während Familien mit Kindern von einer Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags profitieren könnten.
Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD hat bereits signalisiert, dass er für eine Reform offen ist. Er bezeichnete das Ehegattensplitting als „Steuersystem aus dem letzten Jahrhundert“ und sieht die Notwendigkeit, die Erwerbsanreize für Frauen zu erhöhen. Die Ökonomen argumentieren, dass eine Reform dazu beitragen könnte, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu steigern, da die bisherigen steuerlichen Anreizstrukturen oft im Weg stehen.
Die Position der Union
Die Union hingegen hat eine klare Haltung zum Ehegattensplitting. Der finanzpolitische Sprecher Fritz Güntzler betont, dass die Union am bestehenden System festhalten will. Er sieht das Ehegattensplitting als Ausdruck des verfassungsrechtlichen Schutzes von Ehe und Familie. Güntzler argumentiert, dass die vorgeschlagene Reform eine versteckte Steuererhöhung darstellt, die keine Arbeitsanreize für Zweitverdiener schaffen würde. Er sieht die eigentlichen Probleme nicht in der Steuerpolitik, sondern in der mangelnden Verfügbarkeit von Betreuungsangeboten für Kinder.
Wer profitiert von einer Reform?
- Die Union lehnt eine Reform des Ehegattensplittings ab.
- Ökonomen fordern eine Begrenzung des Splittingvorteils auf 13.805 Euro.
- Familien mit Kindern könnten durch eine Reform finanziell entlastet werden.
Die Reformvorschläge der Ökonomen zielen darauf ab, Familien mit Kindern gezielt zu fördern. Berechnungen zufolge könnten Familien mit Kindern im Schnitt um 585 Euro pro Jahr entlastet werden, während kinderlose Paare mit ungleichen Einkommen im Schnitt 316 Euro mehr Steuern zahlen müssten. Diese Umverteilung könnte dazu führen, dass die finanziellen Anreize für den geringer verdienenden Partner, oft die Frau, steigen, was zu einer höheren Erwerbsbeteiligung führen könnte.
Die Debatte um Arbeitsanreize
Ein zentrales Argument der Reformbefürworter ist die Schaffung von Arbeitsanreizen. Viele Frauen, die aufgrund des Ehegattensplittings in Teilzeit arbeiten oder gar nicht erwerbstätig sind, könnten durch eine Reform motiviert werden, ihre Arbeitszeit zu erhöhen. Die Ökonomen argumentieren, dass die derzeitige Regelung dazu führt, dass es sich für den geringer verdienenden Partner oft nicht lohnt, mehr zu arbeiten, da die Steuerersparnis durch das Splitting den Anreiz mindert.
Politische Herausforderungen und Ausblick
Die politische Landschaft ist in dieser Frage gespalten. Während die SPD und die Ökonomen eine Reform des Ehegattensplittings befürworten, bleibt die Union unnachgiebig. Die Koalition steht vor der Herausforderung, bis zur parlamentarischen Sommerpause zu einer Einigung zu kommen. Die Debatte über das Ehegattensplitting könnte sich als ein zentraler Streitpunkt in der schwarz-roten Koalition erweisen, insbesondere angesichts der bereits bestehenden Konfliktlinien in anderen Bereichen wie der Renten- und Arbeitsmarktpolitik.
Fazit

Das Ehegattensplitting bleibt ein umstrittenes Thema in der deutschen Steuerpolitik. Während Ökonomen und die SPD eine Reform fordern, hält die Union am bestehenden System fest. Die Frage, wer von einer Reform profitieren würde, bleibt offen, da die politischen Positionen stark divergieren. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu klären, ob und in welcher Form eine Reform des Ehegattensplittings tatsächlich umgesetzt wird.
Häufige Fragen
Was ist das Ehegattensplitting?
Warum wird das Ehegattensplitting kritisiert?
Was schlagen die Ökonomen zur Reform vor?
Wie reagiert die Union auf die Reformvorschläge?
Welche finanziellen Auswirkungen hätte eine Reform für Familien?
Quellen: Google News
Symbolbild: Ehegattensplitting: Wer profitiert? · Foto: Mikhail Nilov / Pexels


