⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 07.09.2026
Aktuelle Urteile zeigen, dass Miet- und Pachtzinsen unter bestimmten Bedingungen nicht zur Erhöhung des Gewerbeertrags führen. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die steuerliche Behandlung von Unternehmen.
- Miet- und Pachtzinsen können nicht hinzugerechnet werden, wenn sie in Herstellungskosten eingehen.
- Das Thüringer Finanzgericht hat die Hinzurechnung von Miet- und Pachtzinsen in einem aktuellen Urteil abgelehnt.
- Die Entscheidung könnte für viele Unternehmen von Bedeutung sein, insbesondere in der Landwirtschaft.
In der aktuellen Diskussion um die steuerliche Behandlung von Miet- und Pachtzinsen hat ein Urteil des Thüringer Finanzgerichts für Aufsehen gesorgt. Am 5. Februar 2026 entschied das Gericht, dass Miet- und Pachtzinsen nicht zur Erhöhung des Gewerbeertrags hinzugerechnet werden, wenn sie in die Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern eingehen. Diese Entscheidung könnte weitreichende Auswirkungen auf die steuerliche Belastung von Unternehmen haben, insbesondere in der Landwirtschaft.
Was besagt das Urteil des Thüringer Finanzgerichts?

Das Thüringer Finanzgericht stellte klar, dass eine Gewinnabsetzung im Sinne des § 8 GewStG nicht vorliegt, wenn Miet- und Pachtzinsen in die Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlage- oder Umlaufvermögens eingehen. Dies bedeutet, dass der entsprechende Aufwand neutralisiert wird. Die Klägerin, eine landwirtschaftliche Genossenschaft, hatte in ihren Erklärungen über die Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags die Miet- und Pachtzinsen dem Gewinn anteilig hinzugefügt. Das Finanzamt übernahm diese Werte, doch die Genossenschaft legte Einspruch ein und argumentierte, dass die Hinzurechnungen auf 0 EUR herabgesetzt werden sollten.
Das Gericht folgte der Argumentation der Klägerin und entschied, dass die Miet- und Pachtzinsen nicht hinzugerechnet werden dürfen, wenn sie in die Herstellungskosten eingehen. Dies gilt auch für Wirtschaftsgüter, die vor dem Bilanzstichtag aus dem Betriebsvermögen ausgeschieden sind. Die Entscheidung basiert auf der Annahme, dass ein sich normkonform verhaltender Steuerpflichtiger die gesetzlichen Bilanzierungsverpflichtungen befolgt hätte.
Die Bedeutung für Unternehmen
Die Entscheidung des Thüringer Finanzgerichts hat insbesondere für landwirtschaftliche Betriebe und Genossenschaften große Bedeutung. Diese Unternehmen sind oft auf Pacht- und Mietverträge angewiesen, um ihre Produktionsmittel zu sichern. Wenn diese Kosten in die Herstellungskosten einfließen, können sie die steuerliche Belastung erheblich reduzieren. Dies könnte insbesondere in Zeiten von Inflation und steigenden Betriebskosten von Vorteil sein.
Die Möglichkeit, Miet- und Pachtzinsen nicht hinzuzurechnen, könnte auch für Unternehmen in anderen Branchen von Interesse sein, die ähnliche Kostenstrukturen aufweisen. Die Klarstellung durch das Gericht könnte dazu führen, dass Unternehmen ihre Buchhaltungspraktiken überdenken und gegebenenfalls anpassen, um von dieser Regelung zu profitieren.
Hintergrund zur Gewerbesteuer
- Urteil des Thüringer Finanzgerichts vom 5. Februar 2026
- Miet- und Pachtzinsen können nicht hinzugerechnet werden, wenn sie in Herstellungskosten eingehen
- Die Klägerin war eine landwirtschaftliche Genossenschaft
Die Gewerbesteuer ist eine wichtige Einnahmequelle für die Kommunen in Deutschland und wird auf den Gewinn von Unternehmen erhoben. Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags werden bestimmte Aufwendungen hinzugerechnet, darunter auch Miet- und Pachtzinsen. Diese Hinzurechnung kann die Steuerlast erheblich erhöhen, weshalb die aktuelle Entscheidung des Thüringer Finanzgerichts von großer Relevanz ist.
Gemäß § 8 GewStG sind Miet- und Pachtzinsen nur hinzuzurechnen, wenn sie bei der Ermittlung des Gewinns abgesetzt worden sind. Das Gericht stellte fest, dass dies nicht der Fall ist, wenn die entsprechenden Kosten in die Herstellungskosten eingehen. Diese Regelung könnte dazu führen, dass Unternehmen ihre steuerliche Strategie überdenken und gezielt auf die Aktivierung von Herstellungskosten achten.
Praktische Hinweise für Unternehmen
Fazit

Die Entscheidung des Thüringer Finanzgerichts zeigt, dass Miet- und Pachtzinsen unter bestimmten Bedingungen nicht zur Erhöhung des Gewerbeertrags führen. Dies könnte für viele Unternehmen, insbesondere in der Landwirtschaft, von erheblichem Vorteil sein. Die Klarstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen ermöglicht es Unternehmen, ihre steuerliche Belastung zu optimieren und gegebenenfalls ihre Buchhaltungspraktiken anzupassen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten und steigender Kosten ist es für Unternehmen entscheidend, alle verfügbaren Optionen zur Steueroptimierung zu nutzen.
Häufige Fragen
Wann werden Miet- und Pachtzinsen nicht hinzugerechnet?
Was besagt das Urteil des Thüringer Finanzgerichts?
Welche Unternehmen sind von dieser Regelung betroffen?
Wie wirkt sich dies auf die Steuerlast aus?
Gibt es Ausnahmen von dieser Regel?
Quellen: Google News
Symbolbild: Miet- und Pachtzinsen in der Landwirtschaft · Foto: Mirko Fabian / Pexels


