⏱ 3 Min. Lesezeit · Stand: 05.07.2026
Die Berliner Genossenschaften sehen sich angesichts steigender Mietpreise und Baukosten einem erheblichen Druck ausgesetzt. Ein aktuelles Positionspapier fordert dringend politische Unterstützung.
- Genossenschaften verwalten 11% des Berliner Mietmarktes.
- Die Mietpreise in Berlin sind in den letzten zehn Jahren um 75% gestiegen.
- Die Zahl der neu gebauten Genossenschaftswohnungen ist stark rückläufig.
Die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist angespannt, insbesondere für Genossenschaften, die eine wichtige Rolle im Wohnungsbau spielen. Laut einem aktuellen Positionspapier, das an die Berliner Landespolitik übergeben wurde, sehen sich die Genossenschaften mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Diese umfassen steigende Mietpreise, hohe Baukosten und eine zunehmende Flächenknappheit. Die Genossenschaften fordern daher dringend politische Unterstützung, um ihre Bedeutung für den Wohnungsmarkt zu sichern.
Was sind Genossenschaften?

Genossenschaften sind gemeinschaftliche Wohnformen, die ihren Mitgliedern Wohnraum zu erschwinglichen Preisen anbieten. In Berlin gibt es über 190.000 Genossenschaftswohnungen, die etwa 11% des gesamten Mietmarktes ausmachen. Diese Wohnformen sind besonders in den Ostbezirken der Stadt stark vertreten, wo mehr als jede vierte Mietwohnung einer Genossenschaft gehört. Im Gegensatz zu den stark steigenden Mietpreisen auf dem freien Markt bieten Genossenschaften mit einer durchschnittlichen Bestandsmiete von 6,29 Euro pro Quadratmeter eine deutlich günstigere Alternative.
Steigende Mietpreise und ihre Auswirkungen
Die Mietpreise in Berlin sind in den letzten zehn Jahren um rund 75% gestiegen. Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes haben sich die Angebotsmieten in der Hauptstadt auf durchschnittlich 15,80 Euro pro Quadratmeter nettokalt erhöht. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) berichtet sogar von durchschnittlichen Angebotsmieten in Höhe von 18,76 Euro pro Quadratmeter im vergangenen Jahr. Diese Entwicklungen haben zu einem akuten Wohnungsnotstand geführt, der die Nachfrage nach Genossenschaftswohnungen weiter anheizt.
Rückgang der Neubauten
Ein zentrales Problem für die Genossenschaften ist der Rückgang der Neubauten. Im Jahr 2025 wurden lediglich 178 neue Genossenschaftswohnungen fertiggestellt, was den niedrigsten Stand seit 15 Jahren darstellt. Dies entspricht einem Rückgang von 60% im Vergleich zum Vorjahr und einem dramatischen Rückgang von fast 80% seit dem Höchststand von 840 Fertigstellungen im Jahr 2018. Diese Entwicklung ist alarmierend, da die Genossenschaften dringend neue Wohnungen benötigen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten.
Herausforderungen durch Baukosten und Zinsen
- Anzahl der Genossenschaftswohnungen: über 190.000
- Durchschnittliche Bestandsmiete: 6,29 Euro pro Quadratmeter
- Angebotsmieten in Berlin: 18,76 Euro pro Quadratmeter
- Fertiggestellte Genossenschaftswohnungen 2025: 178
- Rückgang der Neubauten seit 2018: fast 80%
Die gestiegenen Baukosten und hohen Zinsen stellen eine weitere Herausforderung für die Genossenschaften dar. Viele Genossenschaften können aufgrund der hohen Finanzierungskosten keine neuen Projekte realisieren. Dies führt dazu, dass viele bereits bestehende Genossenschaften keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen können, da der Leerstand in diesem Segment mit rund 0,9% deutlich unter dem Niveau der übrigen BBU-Mitgliedsunternehmen liegt.
Politische Forderungen der Genossenschaften
Um ihre Situation zu verbessern, haben die Genossenschaften ein Positionspapier an die Berliner Landespolitik übergeben. Darin fordern sie unter anderem die Möglichkeit, Landesflächen über Mietkaufmodelle zu erwerben. Dies würde es den Genossenschaften ermöglichen, Flächen zu sichern, ohne dass diese weiterverkauft werden können. Zudem benötigen sie mehr Fördermittel, um Bestandswohnungen aufzukaufen und ihre Neubautätigkeit wieder anzukurbeln.
Die Rolle der Politik
Die Politik zeigt sich verständnisvoll gegenüber den Sorgen der Genossenschaften. Regierender Bürgermeister Kai Wegner betonte auf einer Projekttour, dass die Genossenschaften eine Chance für Berlin darstellen, die Stadt noch lebenswerter zu machen. Er versprach, sich insbesondere die Genehmigungsverfahren anzuschauen, um den Bau neuer Wohnungen zu erleichtern. Diese Unterstützung könnte entscheidend sein, um die Herausforderungen, vor denen die Genossenschaften stehen, zu bewältigen.
Fazit

Die Berliner Genossenschaften stehen unter erheblichem Druck durch steigende Mietpreise, hohe Baukosten und eine abnehmende Neubautätigkeit. Um ihre Rolle im Wohnungsmarkt zu sichern, sind sie auf politische Unterstützung angewiesen. Die Forderungen nach mehr Fördermitteln und der Möglichkeit, Landesflächen zu erwerben, sind entscheidend, um die Situation zu verbessern und den Wohnungsnotstand in Berlin zu bekämpfen.
Häufige Fragen
Was sind Genossenschaften?
Wie hoch sind die Mieten in Genossenschaften?
Warum sind Genossenschaften unter Druck?
Wie viele neue Genossenschaften werden gegründet?
Was fordert die Politik zur Unterstützung der Genossenschaften?
Quellen: Google News
Symbolbild: Aktuelle Herausforderungen im Berliner Wohnungsmarkt · Foto: Anton Ivanov / Pexels


