⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.07.2026
In Zeiten von Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit ist die Wahl des richtigen ETFs entscheidend für den Vermögensaufbau. Finanzexpertin Margarethe Honisch erläutert, worauf Anleger achten sollten.
- Breite Streuung ist entscheidend für die ETF-Qualität.
- Niedrige Kosten erhöhen die Rendite langfristig.
- Ein ausreichendes Fondsvolumen schützt vor Schließungen.
In der heutigen Zeit, in der Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten die Finanzmärkte prägen, ist die Wahl des richtigen ETFs für den langfristigen Vermögensaufbau von entscheidender Bedeutung. Finanzexpertin Margarethe Honisch, Gründerin von Fortunalista, gibt wertvolle Einblicke, wie Anleger erkennen können, ob ihr ETF gut ist. Sie nennt fünf zentrale Kriterien, die bei der Bewertung eines ETFs helfen.
Was sind die Kriterien für einen guten ETF?

Das erste und wichtigste Kriterium ist die Breite der Streuung. Ein guter ETF sollte einen breit gestreuten Index abbilden, wie beispielsweise den MSCI World oder den MSCI All Country World Index. Diese Indizes umfassen eine Vielzahl von Unternehmen aus verschiedenen Ländern und Branchen, was das Risiko durch Diversifikation verringert. Honisch warnt vor ETFs, die sich nur auf eine Branche konzentrieren, da diese ein höheres Risiko bergen.
Das zweite Kriterium sind die Kosten, die durch die Total Expense Ratio (TER) dargestellt werden. Eine niedrige TER ist entscheidend, da hohe Kosten die Rendite über die Jahre erheblich schmälern können. Honisch empfiehlt, dass die TER für einen Standard-Weltmarkt-ETF unter 0,5 Prozent liegen sollte, um als akzeptabel zu gelten. Ein Unterschied von nur 0,3 Prozent kann über einen Zeitraum von 30 Jahren mehrere tausend Euro ausmachen.
Die Bedeutung des Fondsvolumens
Das dritte Kriterium betrifft das Fondsvolumen. ETFs mit einem geringen verwalteten Vermögen sind anfälliger für Schließungen oder Fusionen mit anderen Fonds. Honisch rät, dass ein ETF mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen haben sollte, besser jedoch 500 Millionen Euro oder mehr. Große ETFs von renommierten Anbietern wie iShares oder Vanguard verwalten oft mehrere Milliarden Euro und bieten somit eine höhere Sicherheit für Anleger.
Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Art der Replikation. Es gibt zwei Methoden, wie ein ETF seinen Index nachbildet: die physische und die synthetische Replikation. Bei der physischen Replikation kauft der ETF die tatsächlichen Aktien des Index, was für Transparenz sorgt. Synthetische Replikation hingegen nutzt Finanzderivate, um den Index nachzubilden. Für Einsteiger empfiehlt Honisch die physische Replikation, da sie einfacher zu verstehen ist.
Tracking Difference als Qualitätsmerkmal
Das fünfte Kriterium ist die Tracking Difference, die angibt, wie genau der ETF seinen Index nachbildet. Eine geringe Tracking Difference ist ein Zeichen für gutes Fondsmanagement. Anleger sollten darauf achten, dass die Abweichung zwischen der ETF-Rendite und der Index-Rendite minimal ist. Diese Informationen sind auf Vergleichsportalen wie justETF oder extraETF zu finden und sollten regelmäßig überprüft werden.
Ein häufiges Missverständnis ist, dass die Rendite der letzten zwölf Monate ein Qualitätsmerkmal für einen ETF ist. Honisch warnt davor, sich von kurzfristigen Erfolgen leiten zu lassen. Oftmals sind ETFs, die in der Vergangenheit gut abgeschnitten haben, teuer bewertet und anfällig für Korrekturen. Anleger sollten sich nicht von der Performance eines anderen ETFs verleiten lassen, sondern sich auf die oben genannten Kriterien konzentrieren.
Was tun, wenn der ETF nicht den Kriterien entspricht?
Wenn Anleger feststellen, dass ihr ETF zu teuer, zu klein oder zu konzentriert ist, sollten sie einen Wechsel in Betracht ziehen. Ein Depotwechsel ist in der Regel kostenfrei, jedoch sollten die steuerlichen Konsequenzen beim Verkauf von ETFs beachtet werden. Wer lange gehalten hat und hohe Gewinne erzielt hat, sollte sich über die steuerlichen Auswirkungen im Klaren sein, bevor er einen Wechsel vornimmt.
Honisch betont, dass ein ETF-Wechsel aufgrund kleiner Unterschiede in der TER oft nicht sinnvoll ist. Anleger sollten die Gesamtkosten und die potenziellen Steuern abwägen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Der Fokus sollte auf einem langfristigen Sparplan liegen, der konsequent bespart wird, ohne Panik oder impulsive Entscheidungen.
Fazit

Die Wahl eines guten ETFs ist entscheidend für den langfristigen Vermögensaufbau, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Anleger sollten sich auf die fünf Kriterien konzentrieren: breite Streuung, niedrige Kosten, ausreichendes Fondsvolumen, physische Replikation und eine geringe Tracking Difference. Indem sie diese Faktoren berücksichtigen, können sie sicherstellen, dass ihr ETF gut aufgestellt ist und sie auf dem Weg zu finanzieller Sicherheit unterstützt.
Häufige Fragen
Was sind die wichtigsten Kriterien für einen guten ETF?
Wie wichtig ist die Total Expense Ratio (TER)?
Was bedeutet physische Replikation bei ETFs?
Wie kann ich die Tracking Difference eines ETFs überprüfen?
Was sollte ich tun, wenn mein ETF nicht gut abschneidet?
Quellen: Google News
Symbolbild: Finanzexpertin analysiert ETF-Qualität · Foto: Lukas Blazek / Pexels


