⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 06.07.2026
Ab 2027 wird das Altersvorsorgedepot eingeführt, das die Riester-Rente ablösen soll. Doch ist dieses neue Modell tatsächlich eine Verbesserung oder nur eine weitere Falle für Sparer?
- Das Altersvorsorgedepot bietet eine staatliche Förderung für ETF-Sparpläne.
- Die Kosten sind mit maximal 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt.
- Kritiker warnen vor möglichen Kostenfallen und unklaren Bedingungen.
Ab dem 1. Januar 2027 wird das Altersvorsorgedepot eingeführt, das die Riester-Rente ablösen soll. Diese Reform der privaten Altersvorsorge verspricht eine staatliche Förderung für das Sparen am Kapitalmarkt, insbesondere durch die Investition in ETFs. Doch während die neuen Angebote verlockend erscheinen, gibt es auch berechtigte Zweifel und Kritik an den Bedingungen und möglichen Kostenfallen.
Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein neu gestaltetes Modell für die private Altersvorsorge, das durch die Bundesregierung beschlossen wurde. Es ermöglicht Sparer:innen, staatlich geförderte Beiträge in ETFs zu investieren, was eine breitere Diversifikation und potenziell höhere Renditen verspricht. Die Förderung erfolgt durch Zulagen, die an die Höhe der eigenen Einzahlungen gekoppelt sind. Für die ersten 360 Euro Einzahlung pro Jahr gibt es 50 Cent pro Euro, was eine maximale Förderung von 180 Euro ergibt. Für weitere Einzahlungen bis zu 1.440 Euro gibt es 25 Cent pro Euro, was die Gesamtförderung auf bis zu 540 Euro jährlich anhebt.
Die Vorteile des Altersvorsorgedepots
Ein wesentlicher Vorteil des Altersvorsorgedepots ist die Möglichkeit, bis zu 100 Prozent in Aktien-ETFs zu investieren. Historisch gesehen haben Aktienmärkte über lange Zeiträume hinweg positive Renditen erzielt, was das Risiko der Kapitalmarktschwankungen ausgleicht. Zudem sind die Kosten für das Altersvorsorgedepot auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt, was im Vergleich zu den typischen Kosten der Riester-Rente von 2 bis 3 Prozent eine erhebliche Ersparnis darstellt.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Flexibilität in der Auszahlungsphase. Im Gegensatz zur Riester-Rente, die eine lebenslange Rente vorschreibt, können Sparer beim Altersvorsorgedepot zwischen verschiedenen Auszahlungsplänen wählen, die eine höhere monatliche Rente ermöglichen können.
Kritik und mögliche Kostenfallen
- Startdatum: 1. Januar 2027
- Maximale Förderung: 540 Euro jährlich
- Kostenobergrenze: 1,0 Prozent pro Jahr
Trotz der Vorteile gibt es auch kritische Stimmen, die vor möglichen Kostenfallen warnen. Der Kostendeckel von 1,0 Prozent könnte zwar attraktiv erscheinen, jedoch ist er immer noch höher als die tatsächlichen Kosten eines günstigen ETFs, die oft bei 0,1 bis 0,2 Prozent liegen. Über einen Zeitraum von 40 Jahren kann der Unterschied zwischen 0,2 und 1 Prozent Kosten mehrere zehntausend Euro ausmachen, was die Rendite erheblich schmälern kann.
Zusätzlich wird befürchtet, dass viele Sparer, die sich nicht aktiv um die Auswahl ihrer ETFs kümmern, in teurere Standardprodukte gedrängt werden, die zwar bequem sind, aber hohe Kosten verursachen können. Daher ist es ratsam, die Vertragsbedingungen genau zu prüfen und sich nicht von vermeintlich einfachen Lösungen blenden zu lassen.
Der Vergleich zur Riester-Rente
Die Riester-Rente hat in den letzten Jahren einen schlechten Ruf erlangt, da viele Verträge aufgrund hoher Kosten und geringer Renditen gekündigt wurden. Das Altersvorsorgedepot soll diese Schwächen adressieren, indem es die verpflichtende Beitragsgarantie abschafft und die Kosten senkt. Während die Riester-Rente oft mit komplizierten Mindesteigenbeiträgen und einer geringen Aktienquote von meist unter 30 Prozent verbunden war, erlaubt das neue Modell eine vollständige Investition in Aktien-ETFs.
Die Reform zielt darauf ab, die private Altersvorsorge für mehr Menschen zugänglich zu machen, insbesondere für Selbstständige, die bisher von der Riester-Rente ausgeschlossen waren. Diese Neuerungen könnten dazu beitragen, das Vertrauen in die private Altersvorsorge wiederherzustellen.
Was sollten Sparer jetzt tun?
Für Sparer, die an einem Altersvorsorgedepot interessiert sind, ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren und die verschiedenen Angebote zu vergleichen. Es wird erwartet, dass zum Start des neuen Modells am 1. Januar 2027 viele Menschen gleichzeitig ein Depot eröffnen möchten, was zu überlasteten Systemen und langen Wartezeiten führen könnte. Daher ist es ratsam, bereits jetzt ein kostenloses Depot bei einem Anbieter zu eröffnen, um die Identitätsprüfung vorab zu erledigen.
Außerdem sollten Sparer ihre bestehenden Riester-Verträge nicht vorschnell aufgeben. In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, die alten Verträge bis kurz vor Rentenbeginn zu behalten, um die vollen Zulagen zu sichern. Ein Vergleich der neuen Angebote mit den bestehenden Verträgen ist unerlässlich, um die beste Entscheidung zu treffen.
Fazit

Das Altersvorsorgedepot, das ab 2027 in Kraft tritt, bietet eine vielversprechende Alternative zur Riester-Rente, insbesondere durch niedrigere Kosten und eine höhere Flexibilität. Dennoch sollten Sparer die Bedingungen und möglichen Kostenfallen genau prüfen, um sicherzustellen, dass sie die bestmögliche Entscheidung für ihre Altersvorsorge treffen. Die Reform könnte eine Chance sein, die private Altersvorsorge in Deutschland zu revitalisieren, doch bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Produkte in der Praxis bewähren werden.
Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Welche Kosten sind mit dem Altersvorsorgedepot verbunden?
Was sind die Vorteile des Altersvorsorgedepots im Vergleich zur Riester-Rente?
Gibt es Risiken beim Altersvorsorgedepot?
Quellen: Google News
Symbolbild: Altersvorsorgedepot: Neue Chancen für Sparer · Foto: Pavel Danilyuk / Pexels


