⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 29.06.2026
Das Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein wird, verspricht eine Reform der Riester-Rente. Doch ist es wirklich eine bessere Option für Sparer?
- Einführung eines staatlich geförderten Altersvorsorgedepots
- Deutlich niedrigere Kosten im Vergleich zur Riester-Rente
- Erhöhte Förderung für Selbstständige und junge Sparer
Das Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 in Deutschland eingeführt wird, stellt einen bedeutenden Schritt in der Reform der Altersvorsorge dar. Es wird als Alternative zur bisherigen Riester-Rente angeboten, die in der Vergangenheit aufgrund ihrer hohen Kosten und komplizierten Strukturen in der Kritik stand. Doch ist das neue Modell tatsächlich eine Verbesserung oder lediglich eine weitere Abzocke für Sparer?
Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Produkt, das es Anlegern ermöglicht, ihre Beiträge in kostengünstige ETFs und Fonds zu investieren. Im Gegensatz zur Riester-Rente, die eine verpflichtende Beitragsgarantie vorsah, wird beim Altersvorsorgedepot das Kapitalmarktrisiko vom Sparer getragen. Dies eröffnet die Möglichkeit, bis zu 100 Prozent in Aktien-ETFs zu investieren, was historisch gesehen zu höheren Renditen führen kann.
Die Förderung des Altersvorsorgedepots ist einfacher strukturiert als bei der Riester-Rente. Sparer erhalten 50 Cent pro Euro für die ersten 360 Euro ihrer jährlichen Einzahlungen und 25 Cent für jeden weiteren Euro bis zu einem Maximum von 1.800 Euro. Dies bedeutet, dass die maximale Grundzulage bei 540 Euro pro Jahr liegt, was insbesondere für junge Sparer und Familien mit Kindern von Vorteil ist.
Die Kostenstruktur im Vergleich zur Riester-Rente
Ein entscheidender Vorteil des Altersvorsorgedepots sind die deutlich niedrigeren Kosten. Während die Riester-Rente typischerweise Kosten von 2 bis 3 Prozent pro Jahr aufweist, ist die Effektivkostenquote beim neuen Altersvorsorgedepot auf maximal 1,0 Prozent pro Jahr begrenzt. Dies könnte für Sparer über einen Zeitraum von 40 Jahren einen erheblichen Unterschied in der Rendite ausmachen, da bereits ein Prozentpunkt mehr Kosten die Erträge erheblich schmälern kann.
Zusätzlich wird ein öffentlicher Träger ein eigenes Standarddepot anbieten, das den Kostendruck im gesamten Markt erhöhen dürfte. Dies könnte dazu führen, dass auch private Anbieter ihre Gebühren senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Förderung und Berechtigung
- Startdatum: 1. Januar 2027
- Maximale Grundzulage: 540 Euro pro Jahr
- Kostendeckel: 1,0 Prozent pro Jahr
Ein weiterer positiver Aspekt des Altersvorsorgedepots ist die Öffnung für Selbstständige, die bisher von der Riester-Rente ausgeschlossen waren. Ab 2027 können auch Selbstständige von den staatlichen Förderungen profitieren, was die Altersvorsorge für diese Gruppe erheblich erleichtert. Zudem erhalten junge Sparer unter 25 Jahren einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro, was den Einstieg in die Altersvorsorge attraktiver macht.
Die Kinderzulage wurde ebenfalls verbessert. Eltern können für jedes Kind bis zu 300 Euro pro Jahr erhalten, was die finanzielle Belastung während der Erziehungszeit mindert und gleichzeitig die Altersvorsorge stärkt.
Risiken und Herausforderungen
Trotz der vielen Vorteile gibt es auch Herausforderungen und Risiken, die mit dem Altersvorsorgedepot verbunden sind. Sparer tragen das Kapitalmarktrisiko, was bedeutet, dass sie bei einer schlechten Marktentwicklung auch Verluste erleiden können. Historisch hat der MSCI World jedoch über jeden 15-Jahres-Zeitraum seit 1970 positive Renditen erzielt, was für viele Anleger ein beruhigendes Argument darstellt.
Ein weiterer Punkt ist der Kostendeckel von 1 Prozent, der zwar niedriger ist als bei der Riester-Rente, aber immer noch über den tatsächlichen Kosten eines günstigen ETFs liegt. Über 40 Jahre kann der Unterschied zwischen 0,2 und 1 Prozent Kosten rund 65.000 Euro ausmachen, was für viele Sparer ein erhebliches Argument darstellt, sich selbst um die ETF-Auswahl zu kümmern.
Der Markt und die Verbraucherzentralen
Die Verbraucherzentralen warnen jedoch vor einer möglichen Verkaufswelle neuer Verträge, die zum Jahresende an Fahrt aufnehmen könnte. Es ist ratsam, sich unabhängig zu informieren und die Konditionen des neuen staatlich organisierten Standardprodukts abzuwarten, bevor man übereilte Entscheidungen trifft. Die Verbraucherzentralen empfehlen, alte Riester-Verträge nicht vorschnell aufzugeben, da diese unter Umständen bessere Konditionen bieten können.
Die Reform der Riester-Rente und die Einführung des Altersvorsorgedepots könnten auch Auswirkungen auf den Aktienmarkt haben. Ein Anstieg der Nachfrage nach ETFs und Fonds könnte die Kurse beeinflussen und zu einer breiteren Akzeptanz von Aktienanlagen in der breiten Bevölkerung führen.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung?

Das Altersvorsorgedepot stellt eine grundlegende Reform der Altersvorsorge in Deutschland dar. Mit niedrigeren Kosten, einer höheren Förderung und der Öffnung für Selbstständige bietet es viele Vorteile im Vergleich zur Riester-Rente. Dennoch sollten Sparer die Risiken und Herausforderungen nicht außer Acht lassen und sich gut informieren, bevor sie Entscheidungen treffen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu sehen, wie sich der Markt entwickelt und welche konkreten Angebote letztendlich zur Verfügung stehen.
Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Welche Kosten sind mit dem Altersvorsorgedepot verbunden?
Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen?
Was sind die Vorteile des Altersvorsorgedepots im Vergleich zur Riester-Rente?
Quellen: Google News
Symbolbild: Altersvorsorgedepot: Neue Chancen für Sparer · Foto: Picas Joe / Pexels


