⏱ 5 Min. Lesezeit · Stand: 02.07.2026
Das neue Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ablöst, verspricht Anlegern sowohl Chancen als auch Risiken. In diesem Artikel werden die wichtigsten Vor- und Nachteile beleuchtet.
- Erhöhte staatliche Zulagen für Familien und Selbstständige.
- Kostendeckel von 1% pro Jahr, der die Rendite beeinflussen kann.
- Kapitalmarktrisiko und mögliche Verluste sind zu beachten.
Das Altersvorsorgedepot, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ablösen wird, stellt einen bedeutenden Schritt in der deutschen Altersvorsorge dar. Es bietet Anlegern die Möglichkeit, ihre Beiträge in ETFs und Fonds anzulegen, was potenziell höhere Renditen als die bisherigen Riester-Produkte verspricht. Doch bevor Anleger sich für dieses neue Modell entscheiden, sollten sie die Vor- und Nachteile genau abwägen.
Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Vorsorgemodell, das speziell für die private Altersvorsorge konzipiert wurde. Im Gegensatz zur Riester-Rente, die oft mit hohen Kosten und geringen Renditen verbunden war, zielt das neue Depot darauf ab, die Kosten zu senken und die Renditechancen zu erhöhen. Anleger können selbst entscheiden, in welche ETFs sie investieren möchten, was ihnen mehr Flexibilität und Kontrolle über ihre Anlagestrategie gibt.
Vorteile des Altersvorsorgedepots
Ein zentraler Vorteil des Altersvorsorgedepots sind die erhöhten staatlichen Zulagen. Die Grundzulage beträgt 50 Cent pro eingezahltem Euro bis zu 360 Euro jährlich, was maximal 540 Euro pro Jahr ergibt. Dies ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Riester-Rente, die oft komplizierte Mindesteigenbeiträge erforderte. Zudem wird die volle Kinderzulage von 300 Euro pro Kind bereits ab einem monatlichen Eigenanteil von 25 Euro erreicht, was Familien erheblich zugutekommt.
Ein weiterer Vorteil ist die steuerfreie Ansparphase. Während der Ansparphase fallen keine Abgeltungssteuern auf Kursgewinne an, was bedeutet, dass der Zinseszins über Jahrzehnte ungebremst arbeiten kann. Im normalen Depot hingegen müssen Anleger bei jedem Verkauf mit Gewinn sofort Steuern zahlen, was die Rendite erheblich schmälern kann.
Flexible Auszahlungsmöglichkeiten
Das Altersvorsorgedepot bietet zudem flexible Auszahlungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zur Riester-Pflicht, mindestens 70 Prozent zu verrenten, haben Anleger die Wahl zwischen einem Auszahlplan bis 85, einer lebenslangen Leibrente oder einer Kombination aus beidem. Bis zu 30 Prozent des Guthabens dürfen als Einmalzahlung entnommen werden, was den Anlegern mehr Freiheit in der Gestaltung ihrer Altersvorsorge gibt.
Die Möglichkeit, bis zu 100 Prozent in ETFs auf den MSCI World oder FTSE All-World zu investieren, ist ein weiterer Pluspunkt. Historisch hat der MSCI World über 15 Jahre nie einen Verlust erzielt, was das Risiko für Anleger verringert, die auf langfristige Stabilität setzen.
Nachteile des Altersvorsorgedepots
- Startdatum: 1. Januar 2027
- Maximale Förderung: 540 Euro pro Jahr
- Kostendeckel: 1% pro Jahr
Trotz der vielen Vorteile gibt es auch einige Nachteile, die Anleger beachten sollten. Ein zentraler Nachteil ist das Kapitalmarktrisiko, das Anleger nun selbst tragen müssen. Während die Möglichkeit besteht, höhere Renditen zu erzielen, besteht auch das Risiko von Verlusten. Dies könnte insbesondere für sicherheitsorientierte Anleger eine Herausforderung darstellen, die möglicherweise nicht bereit sind, ihr Kapital den Schwankungen des Marktes auszusetzen.
Ein weiterer Nachteil ist der Kostendeckel von 1 Prozent pro Jahr. Obwohl dies im Vergleich zur Riester-Rente, bei der die jährlichen Kosten häufig zwischen 2 und 3 Prozent lagen, eine Verbesserung darstellt, könnte dieser Deckel für Anleger, die sich nicht aktiv um ihre Anlagen kümmern, höhere Gebühren bedeuten als notwendig. Es ist daher ratsam, die Kostenstruktur der verschiedenen Anbieter genau zu prüfen und gegebenenfalls selbst günstige ETFs auszuwählen, um die Rendite zu maximieren.
Kapitalschutz und Liquidität
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der fehlende Kapitalschutz. Ohne Beitragsgarantie kann das Depot zwischenzeitlich deutlich ins Minus rutschen. Wer kurz vor der Rente in eine Krise gerät, hat keine Absicherung nach unten. Die optionalen Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent bieten zwar Schutz, kosten jedoch Rendite. Anleger sollten sich daher gut überlegen, ob sie bereit sind, das Risiko einzugehen, ohne eine Garantie für ihr Kapital zu haben.
Zusätzlich ist das Geld bis zum Alter von 65 Jahren gebunden. Vorzeitige Entnahmen sind zwar möglich, aber förderschädlich, was bedeutet, dass alle Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen. Das Altersvorsorgedepot ist somit kein Notgroschen und kein Ersatz für liquide Rücklagen.
Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot könnte besonders für junge Menschen und Familien interessant sein, da sie lange vom Zinseszinseffekt profitieren können. Auch Selbstständige, die zuvor von der Riester-Rente ausgeschlossen waren, können nun leichter in die staatlich geförderte private Vorsorge einbezogen werden. Entscheidend bleibt jedoch der Einzelfall: Ein gutes Altersvorsorgedepot braucht niedrige Kosten, ausreichend Laufzeit und eine Anlagestrategie, die zum eigenen Risikoempfinden passt.
Für Gutverdiener kann das Altersvorsorgedepot ebenfalls attraktiv sein, da sie von den steuerlichen Vorteilen profitieren können. Die Möglichkeit, mehr einzuzahlen als für die maximale Förderung notwendig, kann sich langfristig positiv auf die Altersvorsorge auswirken.
Fazit

Das Altersvorsorgedepot bietet eine vielversprechende Alternative zur Riester-Rente und könnte für viele Anleger eine bessere Lösung darstellen. Mit höheren staatlichen Zulagen, niedrigeren Kosten und der Möglichkeit, selbst in ETFs zu investieren, eröffnet es neue Chancen für die private Altersvorsorge. Dennoch sollten Anleger die Risiken und Kosten im Blick behalten, um die Vorteile des neuen Modells optimal zu nutzen.
Häufige Fragen
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Welche Vorteile bietet das Altersvorsorgedepot?
Welche Nachteile sind mit dem Altersvorsorgedepot verbunden?
Wie hoch ist die maximale Förderung?
Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Altersvorsorgedepot für die Zukunft planen · Foto: Hanna Pad / Pexels


