⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 04.08.2026
Beim Auswandern aus Deutschland lauern steuerliche Fallstricke, die viele nicht auf dem Schirm haben. Insbesondere die Wegzugssteuer kann für Auswanderer zu einer finanziellen Belastung werden.
- Wegzugssteuer betrifft auch Anteile an Fonds und ETFs
- Steuerpflicht bleibt auch nach dem Wegzug bestehen
- Fristen für Steuererklärungen sind entscheidend
Beim Auswandern aus Deutschland stehen viele vor der Herausforderung, sich mit den steuerlichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Eine der größten Fallen ist die sogenannte Wegzugssteuer, die nicht nur für Gesellschafter von GmbHs, sondern seit 2025 auch für Anteile an Investmentfonds und ETFs gilt. Diese Steuer kann für viele Auswanderer zu einer unerwarteten finanziellen Belastung werden, die sie bei ihrer Planung berücksichtigen sollten.
Was ist die Wegzugssteuer?

Die Wegzugssteuer ist eine spezielle Steuer, die beim Wegzug aus Deutschland auf bestimmte Beteiligungen an Kapitalgesellschaften erhoben wird. Sie behandelt diese Beteiligungen so, als wären sie am Tag des Wegzugs zum Marktwert verkauft worden. Dies bedeutet, dass der fiktive Gewinn, der seit dem Kauf entstanden ist, besteuert wird, obwohl kein tatsächlicher Verkauf stattgefunden hat. Die Steuer wird nach dem Teileinkünfteverfahren berechnet, wobei 60 % des Gewinns dem persönlichen Steuersatz unterliegen.
Diese Regelung wurde eingeführt, um die in Deutschland entstandenen stillen Reserven vor dem Zugriff ausländischer Behörden zu sichern. Besonders betroffen sind Anleger, die über Investmentfonds oder ETFs verfügen, wenn die Anschaffungskosten pro Fonds einen Betrag von 500.000 Euro erreichen oder eine Beteiligung von mindestens einem Prozent an einem Fonds besteht.
Steuerpflicht bleibt bestehen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Steuerpflicht auch nach dem Wegzug bestehen bleibt. Auswanderer müssen weiterhin auf bestimmte deutsche Einkünfte steuerpflichtig sein, selbst wenn sie im Ausland leben. Dazu gehören beispielsweise Mieteinnahmen aus deutschen Immobilien, Dividenden von deutschen Unternehmen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Diese Regelung kann für viele Auswanderer zu einer unerwarteten Steuerlast führen, die sie bei ihrer Planung berücksichtigen sollten.
Die erweiterte beschränkte Steuerpflicht bedeutet, dass Auswanderer weiterhin auf bestimmte Einkünfte in Deutschland steuerpflichtig sind, selbst wenn sie im Ausland leben. Diese Regelung kann bis zu 10 Jahre nach dem Wegzug in Kraft bleiben, insbesondere wenn man in ein Niedrigsteuerland zieht.
Fristen für die Steuererklärung
- Wegzugssteuer: 60% des fiktiven Gewinns steuerpflichtig
- Frist für Steuererklärung: 31. Juli des Folgejahres
- Erweiterte beschränkte Steuerpflicht bis zu 10 Jahre
Die Fristen für die Steuererklärung nach dem Wegzug sind ebenfalls von großer Bedeutung. Wer die Steuererklärung selbst erstellt, muss diese bis zum 31. Juli des Folgejahres einreichen. Bei Inanspruchnahme eines Steuerberaters verlängert sich die Frist bis Ende Februar des übernächsten Jahres. Für das Steuerjahr 2025 bedeutet dies, dass Steuerberater bis Ende Februar 2027 Zeit haben, die Erklärung einzureichen. Es ist wichtig, diese Fristen im Blick zu behalten, um Verspätungszuschläge zu vermeiden.
Ein weiterer wichtiger Punkt für Auswanderer ist die Steuererklärung im Wegzugsjahr. Auch wenn man bereits im Ausland lebt, ist man verpflichtet, eine Steuererklärung für das Jahr des Wegzugs einzureichen. Dies ist besonders wichtig, da das Jahr des Wegzugs steuerlich in zwei Teile zerfällt: bis zum Wegzugstag und ab dem Wegzugstag. Die Einkünfte aus dem ersten Teil des Jahres unterliegen der unbeschränkten Steuerpflicht, während die Einkünfte ab dem Wegzugstag nur noch der beschränkten Steuerpflicht unterliegen.
Tipps zur Vermeidung von Steuerfallen
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass das ausländische Einkommen aus dem zweiten Teil des Jahres zwar nicht direkt zur deutschen Steuer zählt, jedoch den Steuersatz auf die deutschen Einkünfte erhöht. Wer dies nicht einplant, kann bei der Nachzahlung eine böse Überraschung erleben.
Erbschaften und Schenkungen nach dem Wegzug
Ein oft übersehener Punkt sind die steuerlichen Konsequenzen von Erbschaften und Schenkungen nach dem Wegzug. Diese können noch in Deutschland steuerpflichtig sein, wenn sie den individuellen Freibetrag übersteigen. In den ersten Jahren ohne deutschen Wohnsitz betrifft das alle Schenkungen und Erbschaften weltweit, ab dem fünften Jahr noch Immobilien, Betriebsvermögen und bestimmte Beteiligungen an Kapitalgesellschaften. Sobald deutsches Vermögen im Nachlass ist, ist genau zu prüfen, ob es der deutschen Steuer unterliegt.
Diese Regelungen können insbesondere für Auswanderer, die Vermögen in Deutschland hinterlassen oder erhalten, zu unerwarteten steuerlichen Verpflichtungen führen. Daher ist es ratsam, sich frühzeitig über die steuerlichen Konsequenzen von Erbschaften und Schenkungen zu informieren.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Auswandern aus Deutschland mit zahlreichen steuerlichen Herausforderungen verbunden ist. Die Wegzugssteuer, die beschränkte Steuerpflicht und die Fristen für die Steuererklärung sind nur einige der Aspekte, die Auswanderer beachten müssen. Eine frühzeitige Planung und umfassende Information sind entscheidend, um böse Überraschungen zu vermeiden und die steuerlichen Verpflichtungen im Blick zu behalten.
Häufige Fragen
Was ist die Wegzugssteuer?
Wie hoch ist die Wegzugssteuer?
Welche Fristen gelten für die Steuererklärung nach dem Wegzug?
Was passiert mit Schenkungen und Erbschaften nach dem Wegzug?
Wie lange bleibt die beschränkte Steuerpflicht bestehen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steuerliche Herausforderungen beim Auswandern · Foto: Zulfugar Karimov / Pexels


