⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 28.06.2026
Die Baufinanzierungslandschaft verändert sich grundlegend. Anschlussfinanzierungen gewinnen zunehmend an Bedeutung und bieten Banken neue Wachstumschancen.
- Anschlussfinanzierungen werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
- Steigende Zinsen erhöhen den Handlungsdruck auf Kreditnehmer.
- Regionalbanken müssen ihre Strategien anpassen, um Kunden zu halten.
Die Baufinanzierungslandschaft in Deutschland steht vor einem grundlegenden Wandel. Die aktuelle Prolongationswelle, die bereits im Markt angekommen ist, zeigt, dass die größte Chance im Baufinanzierungsgeschäft nicht mehr ausschließlich im Neugeschäft liegt. Stattdessen gewinnen Anschlussfinanzierungen zunehmend an Bedeutung. Laut einer aktuellen Studie von Simon-Kucher wird bis zum Jahr 2031 ein Volumen von rund 555 Milliarden Euro an Anschlussfinanzierungen neu verhandelt. Dies stellt eine erhebliche Chance für Banken dar, insbesondere für Regionalbanken, die ihre Strategien anpassen müssen, um in diesem sich verändernden Markt erfolgreich zu sein.
Was sind Anschlussfinanzierungen?

Anschlussfinanzierungen beziehen sich auf die Verlängerung oder Neuverhandlung von bestehenden Baufinanzierungen, die in der Regel nach Ablauf einer Zinsbindung erfolgen. Diese Finanzierungen sind für viele Immobilienbesitzer in Deutschland von großer Bedeutung, da sie oft die erste Entscheidung über die zukünftige finanzielle Belastung darstellen. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage, geprägt von steigenden Zinsen und Inflation, ist es für Kreditnehmer unerlässlich, sich frühzeitig mit ihren Anschlussfinanzierungen auseinanderzusetzen.
Die Studie zeigt, dass bis zu 94 Milliarden Euro jährlich durch Anschlussfinanzierungen geprägt werden. Dies bedeutet, dass Banken, die sich auf diese Finanzierungsform konzentrieren, erhebliche Ertragschancen nutzen können. Die Entscheidung für oder gegen eine Anschlussfinanzierung hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, wobei 42 Prozent der Kunden primär über den Zinssatz entscheiden.
Die Rolle der Zinsen und Inflation
Die derzeitige wirtschaftliche Situation, insbesondere die steigenden Zinsen, hat direkte Auswirkungen auf die Baufinanzierung. Die Bauzinsen liegen aktuell bei etwa 4 Prozent, was einen erheblichen Anstieg im Vergleich zu den historischen Niedrigzinsen darstellt. Diese Entwicklung zwingt viele Kreditnehmer dazu, ihre bestehenden Darlehen zu überdenken und gegebenenfalls zu wechseln. Ein Beispiel aus der Studie verdeutlicht dies: Wer 2016 ein Darlehen über 300.000 Euro zu 1,85 Prozent aufgenommen hat, sieht sich nun mit einer monatlichen Rate von rund 1.239 Euro konfrontiert, wenn die Finanzierung zu 4,35 Prozent prolongiert wird.
Die Inflation, die im März 2026 bei 2,7 Prozent lag, trägt zur Unsicherheit auf dem Baufinanzierungsmarkt bei. Kreditnehmer müssen sich daher nicht nur mit den Zinsen, sondern auch mit der Inflation auseinandersetzen, um die besten Konditionen für ihre Anschlussfinanzierungen zu sichern.
Chancen für Regionalbanken
- Prognose: 555 Milliarden Euro Anschlussfinanzierungen bis 2031
- Jährliches Volumen: bis zu 94 Milliarden Euro an Anschlussfinanzierungen
- 42 % der Kunden entscheiden primär über den Zinssatz
Für Regionalbanken wird die erfolgreiche Bearbeitung von Anschlussfinanzierungen zunehmend zum entscheidenden Hebel für Kundenbindung, Margensicherung und Wachstum. Die Studie von Simon-Kucher zeigt, dass Banken, die sich nicht nur auf das Neugeschäft konzentrieren, sondern auch die bestehenden Kundenbeziehungen aktiv pflegen, erhebliche Vorteile erzielen können. Ein Institut mit 100 Millionen Euro Baufinanzierungsneugeschäft im Rekordjahr 2021 könnte je nach Professionalisierungsgrad des Prolongationsmanagements Ergebnisunterschiede von bis zu 1,5 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren erzielen.
Die Analyse zeigt, dass bereits wenige Prozentpunkte mehr Kundenbindung oder eine gezieltere Preis- und Angebotsgestaltung erhebliche Ergebniseffekte im Millionenbereich auslösen können. Banken müssen ihre Konditionen, Kommunikation und Produktlogik so anpassen, dass sie im Preis- und Vergleichsraum nicht hinterherlaufen.
Strategien für Kreditnehmer
Kreditnehmer sollten sich frühzeitig mit ihrer Anschlussfinanzierung auseinandersetzen, um die besten Konditionen zu sichern. Ein Tipp ist, mindestens 12 bis 18 Monate vor Ablauf der Zinsbindung mit der Planung zu beginnen. Dies ermöglicht es, verschiedene Angebote zu vergleichen und die für die eigene Situation besten Konditionen auszuwählen. Die Entscheidung für eine Anschlussfinanzierung ist heute komplexer als noch vor wenigen Jahren, da viele Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Die Motive hinter der Entscheidung für oder gegen eine Anschlussfinanzierung unterscheiden sich deutlich. Während für 42 Prozent der Kunden der Zinssatz ausschlaggebend ist, legen 33 Prozent besonderen Wert auf die bestehende Bankbeziehung. Für weitere 25 Prozent steht die monatliche Belastung im Vordergrund. Kreditnehmer sollten daher ihre Prioritäten klar definieren und sich nicht nur auf die Zinssätze konzentrieren.
Fazit

Die Baufinanzierungslandschaft befindet sich im Wandel, und die größte Chance für Banken liegt nicht mehr ausschließlich im Neugeschäft. Anschlussfinanzierungen bieten erhebliche Potenziale, die es zu nutzen gilt. Regionalbanken müssen ihre Strategien anpassen, um in diesem sich verändernden Markt erfolgreich zu sein. Für Kreditnehmer ist es unerlässlich, sich frühzeitig mit ihren Anschlussfinanzierungen auseinanderzusetzen, um die besten Konditionen zu sichern und finanzielle Belastungen zu minimieren.
Häufige Fragen
Was sind Anschlussfinanzierungen?
Warum sind Anschlussfinanzierungen wichtig?
Wie beeinflussen steigende Zinsen die Baufinanzierung?
Was sollten Kreditnehmer bei Anschlussfinanzierungen beachten?
Wie können Banken von der Prolongationswelle profitieren?
Quellen: Google News
Symbolbild: Anschlussfinanzierungen im Baufinanzierungsgeschäft · Foto: RDNE Stock project / Pexels


