⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 08.09.2026
Der Maschinenbau in Deutschland steht vor einem entscheidenden Wandel: Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Forschungsaktivitäten ins Ausland, insbesondere nach China. Diese Entwicklung könnte weitreichende Folgen für den Standort Deutschland haben.
- Forschung im Ausland gewinnt an Bedeutung.
- China und Indien sind wichtige Forschungsstandorte.
- VDMA warnt vor Abwanderung von Innovationen.
Der Maschinenbau in Deutschland steht vor einem entscheidenden Wandel: Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Forschungsaktivitäten ins Ausland, insbesondere nach China. Diese Entwicklung könnte weitreichende Folgen für den Standort Deutschland haben. Laut einer aktuellen Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) forschen bereits 43 % der befragten Unternehmen außerhalb Deutschlands. Bei großen Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten sind es sogar 90 %. Diese Zahlen verdeutlichen, dass internationale Forschungsaktivitäten im Maschinenbau längst zur Norm geworden sind.
Was geschah in der Umfrage des VDMA?

Die Umfrage des VDMA zeigt, dass 69 % der Unternehmen, die bereits im Ausland forschen, planen, ihre Aktivitäten in den kommenden Jahren weiter auszubauen. Dies ist ein klares Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland, der traditionell als einer der führenden Forschungsstandorte gilt. Hartmut Rauen, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des VDMA, betont, dass die Branche mit rund 190.000 Ingenieuren ein wichtiger Wertschöpfungspartner für neue Produkte und Prozesse ist. Die Abwanderung von Forschung könnte die Innovationskraft Deutschlands gefährden.
Warum verlagern Unternehmen ihre Forschung?
Ein Hauptgrund für die Verlagerung von Forschung und Entwicklung ins Ausland sind die kontinuierlichen Umsatzrückgänge und hohen Standortkosten in Deutschland. Wenn weniger Geld hereinkommt, während die Betriebskosten steigen, schrumpft der finanzielle Spielraum für neue Entwicklungen. Zudem sehen 71 % der befragten Unternehmen ihren innovationsstärksten Wettbewerb inzwischen in China, während nur 65 % dies für Deutschland angeben. Diese Verschiebung der Wahrnehmung ist alarmierend, da Deutschland bis 2024 noch als führend galt.
Die Rolle von Zukunftstechnologien
Besonders deutlich wird der Rückstand Deutschlands bei Zukunftstechnologien. Im Bereich der Künstlichen Intelligenz bewerten die Unternehmen sowohl China als auch die USA als leistungsfähiger und dynamischer als Deutschland. Rauen bringt die Sorge der Branche auf den Punkt: „Auch hier sehen wir, wie stark der Druck aus China mittlerweile ist.“ Diese Einschätzung könnte für Investoren und Unternehmen, die in Deutschland tätig sind, von großer Bedeutung sein, da sie die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts in Frage stellt.
Marktnähe und Grundlagenforschung
- 43 % der Maschinenbauunternehmen forschen bereits im Ausland.
- 90 % der großen Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten haben internationale Forschungsaktivitäten.
- 71 % der Unternehmen sehen ihren stärksten Wettbewerb in China.
Obwohl die Forschung ins Ausland verlagert wird, gibt es einen wichtigen Unterschied: An den ausländischen Standorten stehen vor allem markt- und produktionsnahe Entwicklungsaufgaben im Mittelpunkt. Grundlagenforschung findet dort dagegen nur selten statt. Sensibles Wissen halten Unternehmen bewusst näher am Heimatstandort. Deutschland bleibt damit für einen wichtigen Teil der Forschung zentral, was für Investoren und Unternehmen, die auf langfristige Innovationen setzen, von Bedeutung ist.
Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft
Die Abwanderung von Forschung könnte auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft insgesamt haben. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten steht der Maschinenbau vor der Frage, wie viel er in seine Zukunft investieren kann. Trotz schwacher Konjunktur rechnen 39 % der befragten Unternehmen damit, ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland 2026 zu erhöhen. Neue Produkte und Verfahren sollen also weiterhin auch am Heimatstandort entwickelt werden. Dies könnte für die Stabilität des deutschen Marktes von Bedeutung sein.
Fördermöglichkeiten und staatliche Unterstützung
Ein Ansatzpunkt, um die Forschung in Deutschland zu fördern, ist laut VDMA die Forschungszulage. 48 % der befragten Unternehmen haben diese in den vergangenen drei Jahren genutzt. Damit ist sie das meistgenutzte staatliche Förderinstrument für Forschung und Entwicklung im Maschinenbau. Von den Unternehmen mit steigenden Forschungsausgaben nennt jedes vierte Fördermöglichkeiten als einen Grund für die Ausweitung. Der VDMA fordert daher einen kräftigen Ausbau solcher Instrumente, um nicht noch mehr FuE ins Ausland zu verlieren.
Fazit

Die Verlagerung von Forschungsaktivitäten ins Ausland stellt einen bedeutenden Trend im deutschen Maschinenbau dar. Unternehmen sehen sich gezwungen, international zu forschen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies könnte langfristig die Innovationskraft Deutschlands gefährden und den Standort als führenden Forschungsort schwächen. Die Branche und der VDMA fordern daher Maßnahmen, um die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung in Deutschland zu verbessern und die Abwanderung von Innovationen zu stoppen.
Häufige Fragen
Warum verlagern Maschinenbauer ihre Forschung ins Ausland?
Welche Länder sind die Hauptziele für Forschung im Maschinenbau?
Wie viele Unternehmen forschen bereits im Ausland?
Was sind die Folgen der Forschungsauslagerung für Deutschland?
Wie reagiert der VDMA auf diese Entwicklungen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Forschung im Maschinenbau: Ein globaler Trend · Foto: Ludovic Delot / Pexels


