⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 26.06.2026
Die Prolongationswelle im Baufinanzierungsmarkt stellt eine entscheidende Chance für Banken dar, da Anschlussfinanzierungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
- Anschlussfinanzierungen erreichen ein Volumen von 94 Milliarden Euro jährlich.
- Die Zinsbindung vieler Kredite läuft aus, was den Handlungsdruck erhöht.
- Regionalbanken müssen sich stärker auf Kundenbindung konzentrieren.
Die aktuelle Situation im Baufinanzierungsmarkt zeigt, dass die größte Chance für Banken nicht mehr ausschließlich im Neugeschäft liegt. Stattdessen rückt die Bedeutung von Anschlussfinanzierungen zunehmend in den Fokus. Laut einer aktuellen Studie von Simon-Kucher erreichen die neu verhandelten Anschlussfinanzierungen inzwischen ein Volumen von bis zu 94 Milliarden Euro jährlich. Diese Entwicklung hat weitreichende Auswirkungen auf die Wettbewerbsdynamik im Finanzsektor, insbesondere für Regionalbanken.
Was sind Anschlussfinanzierungen?

Anschlussfinanzierungen sind Kredite, die nach Ablauf der ursprünglichen Zinsbindung neu verhandelt werden. In den kommenden ein bis drei Jahren stehen viele Immobilienbesitzer in Deutschland vor der Herausforderung, ihre Restschuld weiter zu finanzieren. Die Zinsbindung vieler Kredite läuft aus, was den Handlungsdruck auf die Kreditnehmer erhöht. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage, geprägt von steigenden Zinsen und einer anhaltenden Inflation, wird die Entscheidung für oder gegen eine Anschlussfinanzierung immer komplexer.
Die Gründe, warum sich Kreditnehmer für eine Anschlussfinanzierung entscheiden, sind vielfältig. Während 42 Prozent der Kunden primär über den Zinssatz entscheiden, legen 33 Prozent besonderen Wert auf die bestehende Bankbeziehung. Für weitere 25 Prozent steht die monatliche Belastung im Vordergrund. Diese unterschiedlichen Motive erfordern von den Banken eine differenzierte Ansprache und maßgeschneiderte Angebote, um die Kundenbindung zu stärken.
Die Rolle der Regionalbanken
Für Regionalbanken wird die erfolgreiche Bearbeitung von Anschlussfinanzierungen zunehmend zum entscheidenden Hebel für Kundenbindung, Margensicherung und Wachstum. Die Prolongationswelle ist keine Prognose mehr, sondern Realität. Dr. Steven Kiefer, Partner bei Simon-Kucher, betont, dass viele Marktteilnehmer die steigenden Baufinanzierungsvolumina als Erholung des Neugeschäfts interpretieren. Tatsächlich wird ein erheblicher Teil dieser Entwicklung bereits durch Anschlussfinanzierungen getrieben.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind erheblich. Für ein Institut mit 100 Millionen Euro Baufinanzierungsneugeschäft im Rekordjahr 2021 können sich je nach Professionalisierungsgrad des Prolongationsmanagements Ergebnisunterschiede von bis zu 1,5 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren ergeben. Dies zeigt, wie wichtig es ist, sich nicht nur auf das Neugeschäft zu konzentrieren, sondern auch die Bestandskunden aktiv zu betreuen.
Steigende Zinsen und Inflation
- Volumen der Anschlussfinanzierungen: bis zu 94 Milliarden Euro jährlich
- 42% der Kunden entscheiden primär über den Zinssatz
- Anstieg der Bauzinsen auf etwa 4%
Die Bauzinsen haben in den letzten Monaten einen deutlichen Anstieg erfahren und liegen derzeit bei etwa 4 Prozent. Dies stellt einen erheblichen Anstieg im Vergleich zu den historischen Niedrigzinsen dar, die viele Kreditnehmer in den letzten Jahren genießen konnten. Die Inflation, die im März 2026 bei 2,7 Prozent lag, trägt zusätzlich zur Unsicherheit auf dem Baufinanzierungsmarkt bei. Diese Faktoren machen es für Kreditnehmer umso wichtiger, sich frühzeitig mit ihrer Anschlussfinanzierung auseinanderzusetzen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins angehoben, was sich direkt auf die Bauzinsen auswirkt. Marktbeobachter erwarten, dass die Zinsen weiter steigen könnten, insbesondere wenn die EZB in den kommenden Monaten weitere Zinserhöhungen beschließt. Diese Entwicklungen erhöhen den Druck auf Kreditnehmer, sich rechtzeitig um ihre Anschlussfinanzierung zu kümmern, um die besten Konditionen zu sichern.
Strategien für Kreditnehmer
Die Entscheidung für eine Anschlussfinanzierung sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Kreditnehmer sollten alle Optionen abwägen und sich gegebenenfalls von Experten beraten lassen. Eine transparente Kommunikation mit der Bank über die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen kann ebenfalls dazu beitragen, die passende Lösung zu finden.
Fazit

Die Prolongationswelle im Baufinanzierungsmarkt eröffnet neue Chancen für Banken, insbesondere für Regionalbanken, die sich auf die Bearbeitung von Anschlussfinanzierungen konzentrieren. In einem Umfeld steigender Zinsen und Inflation ist es für Kreditnehmer entscheidend, sich frühzeitig mit ihrer Finanzierung auseinanderzusetzen. Die richtige Strategie kann nicht nur finanzielle Belastungen minimieren, sondern auch langfristige Vorteile in der Kundenbeziehung schaffen.
Häufige Fragen
Was sind Anschlussfinanzierungen?
Warum sind Anschlussfinanzierungen wichtig für Banken?
Wie beeinflussen steigende Zinsen die Baufinanzierung?
Was sollten Kreditnehmer bei der Anschlussfinanzierung beachten?
Wie wirkt sich die Inflation auf die Baufinanzierung aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Chancen im Baufinanzierungsgeschäft · Foto: Atlantic Ambience / Pexels


