⏱ 3 Min. Lesezeit · Stand: 13.09.2026
Die Dominanz passiver Fonds, insbesondere ETFs, hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Diese passive Verzerrung könnte die Kursentwicklung erheblich beeinflussen.
- ETFs verzeichnen stetige Zuflüsse und erhöhen ihre Marktanteile.
- Die passive Investitionsstrategie birgt langfristige Risiken für den Markt.
- Hohe Konzentration auf große Unternehmen führt zu erhöhter Volatilität.
Die Dominanz passiver Fonds, insbesondere ETFs, hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Diese passive Verzerrung könnte die Kursentwicklung erheblich beeinflussen. In den letzten Jahren haben ETFs an Popularität gewonnen, was sich in stetigen Zuflüssen und einer zunehmenden Marktanteilssteigerung niederschlägt. Aktuelle Daten zeigen, dass passive Fonds mittlerweile etwa 37% des gesamten US-Kapitalmarktes ausmachen, wobei der Anteil bei US-Aktien bereits bei zwei Dritteln liegt.
Was ist die passive Verzerrung?

Die passive Verzerrung bezieht sich auf die Auswirkungen, die passive Investitionsstrategien auf die Preisbildung an den Finanzmärkten haben. Mit dem Anstieg der Beliebtheit von ETFs, die in der Regel einen Index abbilden, fließt immer mehr Kapital in große Unternehmen, die bereits stark gewichtet sind. Dies geschieht unabhängig von den fundamentalen Bewertungen der Unternehmen, was zu einer Verzerrung der Marktpreise führen kann. Ein zentraler Aspekt der Funktionsweise von ETFs ist, dass sie in der Regel nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Das bedeutet, dass große Unternehmen, die bereits hohe Bewertungen aufweisen, einen überproportionalen Anteil an den Zuflüssen erhalten.
Die Auswirkungen auf den Aktienmarkt
Die hohe Nachfrage nach passiven Fonds hat dazu geführt, dass immer mehr Kapital in diese Produkte fließt, was die Marktmechanismen erheblich beeinflusst. Im zweiten Quartal 2025 machten ETFs 88% der privaten Anleger im Vergleich zu offenen Publikumsfonds aus. Diese Konzentration auf große Unternehmen kann dazu führen, dass die Kurse dieser Unternehmen weiter steigen, während kleinere Unternehmen, die möglicherweise unterbewertet sind, weniger Beachtung finden. Dies hat zur Folge, dass die Märkte weniger stabil werden, da die Kursbewegungen dieser wenigen Unternehmen einen überproportionalen Einfluss auf den Gesamtmarkt haben.
Langfristige Risiken der passiven Investitionsstrategie
- Passive Fonds machen 37% des US-Kapitalmarktes aus.
- US-Aktien haben einen passiven Marktanteil von zwei Dritteln.
- Die ‚Magnificent Seven‘ repräsentieren ein Drittel der S&P 500 Marktkapitalisierung.
Die passive Investitionsstrategie könnte langfristige Risiken für den Markt bergen. Die Konzentration auf große Unternehmen führt zu einer höheren Marktkonzentration und Volatilität. Die „Magnificent Seven“, zu denen Unternehmen wie Nvidia gehören, vereinen mittlerweile ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500. Diese Konzentration kann dazu führen, dass die Märkte anfälliger für externe Schocks werden. Finanzprofessor Thorsten Hens warnt, dass die Euphorie um diese großen Unternehmen den Markt im Falle eines Abschwungs zusätzlich destabilisieren könnte.
Automatisierte Käufe und ihre Folgen
Ein weiterer Aspekt, der die passive Verzerrung verstärkt, ist die Automatisierung von ETF-Sparplänen. Diese Käufe erfolgen häufig unabhängig vom fundamentalen Umfeld. Ein ETF-Sparplan interessiert sich nicht für Zinsen, Inflationsraten oder Bewertungen. Stattdessen kauft er eine festgelegte Summe in einem festgelegten Intervall, was zu einer kontinuierlichen Nachfrage nach den großen Indexmitgliedern führt. Diese bewertungsunempfindlichen Flows sind ein eigener Treiber von Kursen, unabhängig von Unternehmensgewinnen oder anderen wirtschaftlichen Indikatoren.
Die Rolle der Indexanbieter und ETF-Gesellschaften
Die Macht der Indexanbieter und der ETF-Gesellschaften hat deutlich zugenommen. Börsennotierte Unternehmen nutzen das Wissen um nicht-fundamentale Kapitalströme zunehmend für sich, indem sie beispielsweise die aktienbasierte Vergütung ihrer Mitarbeiter bei entsprechenden Zuflüssen von Indexfonds erhöhen. Aktive und flexible Anleger sollten sich das Wissen über die zunehmend ineffizienten Märkte zunutze machen und vor allem Positionierungsdaten stärker in ihre Analysen einbeziehen.
Fazit

Die Dominanz passiver Anlagen verändert die Marktstruktur grundlegend. Anleger und Unternehmen profitieren kurz- bis mittelfristig von der ETF-Begeisterung, aber die langfristigen Risiken wie Überbewertungen und erhöhte Fragilität sollten nicht unterschätzt werden. Die passive Verzerrung könnte die Kursentwicklung erheblich beeinflussen und stellt eine Herausforderung für die Stabilität der Märkte dar.
Häufige Fragen
Was sind ETFs?
Wie beeinflussen ETFs die Aktienkurse?
Was sind die Risiken von passiven Investitionsstrategien?
Wie hoch ist der Marktanteil von passiven Fonds?
Was sind die ‚Magnificent Seven‘?
Quellen: Google News
Symbolbild: Einfluss von ETFs auf den Aktienmarkt · Foto: Pixabay / Pexels


