⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 12.06.2026
Der ETF-Boom in Deutschland zeigt, dass immer mehr Frauen und junge Anleger auf Aktienfonds setzen. Die Zahl der ETF-Anleger hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.
- Über 1,3 Millionen ETF-Anleger in Deutschland
- Frauen investieren zunehmend in ETFs, Zuwachs von 137 Prozent
- Junge Anleger setzen auf langfristigen Vermögensaufbau
Der ETF-Boom in Deutschland ist unübersehbar. Immer mehr Frauen und junge Anleger setzen auf Aktienfonds, was sich in den aktuellen Zahlen deutlich widerspiegelt. Laut einer Auswertung der ING Deutschland hat sich die Zahl der aktiven ETF-Anleger seit 2022 mehr als verdoppelt und liegt nun bei 1,3 Millionen. Dies zeigt, dass ETFs, oder Exchange Traded Funds, zunehmend als attraktive Anlageform wahrgenommen werden, insbesondere in Zeiten von niedrigen Zinsen und steigender Inflation.
Was sind ETFs und warum sind sie so beliebt?

ETFs sind börsengehandelte Indexfonds, die es Anlegern ermöglichen, in eine Vielzahl von Aktien zu investieren, ohne einzelne Titel auswählen zu müssen. Diese Fonds bündeln oft mehr als 1000 Aktien und bieten somit eine breite Streuung des investierten Kapitals. Die Beliebtheit von ETFs ist auf ihre Kosteneffizienz und die Möglichkeit zurückzuführen, in ganze Märkte zu investieren, was sie besonders für Privatanleger attraktiv macht.
Ein weiterer Grund für den Anstieg der ETF-Anleger ist die zunehmende Digitalisierung des Finanzmarktes. Junge Anleger, oft digital-affin und skeptisch gegenüber traditionellen Banken, nutzen Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital, um ihre ersten ETF-Sparpläne aufzubauen. Diese Plattformen bieten einfache und kostengünstige Möglichkeiten, in ETFs zu investieren, was den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert.
Frauen holen auf: Zuwachs bei ETF-Anlegerinnen
Besonders auffällig ist das Wachstum bei Anlegerinnen. Die Zahl der Frauen, die in ETFs investieren, ist im Betrachtungszeitraum von 245.000 auf 581.000 gestiegen, was einem Zuwachs von 137 Prozent entspricht. Dies zeigt, dass Frauen zunehmend in die Finanzwelt eintauchen und sich aktiv mit Geldanlagen auseinandersetzen. Thomas Dwornitzak, Leiter Investieren bei der ING Deutschland, betont, dass die Zahl der ETF-Anleger unter den Kundinnen und Kunden sich mehr als verdoppelt hat, was auf ein wachsendes Interesse an langfristigem Vermögensaufbau hinweist.
Die Beliebtheit von ETFs bei Frauen könnte auch mit einem stärkeren Fokus auf nachhaltige Geldanlagen zusammenhängen. Viele Frauen legen Wert auf ethische und nachhaltige Investitionen, was sich in der Auswahl ihrer Fonds widerspiegelt. So finden sich unter den zehn beliebtesten ETFs der Frauen gleich zwei, die in grüne Varianten des MSCI World investieren.
Junge Anleger setzen auf langfristigen Vermögensaufbau
- Anzahl der ETF-Anleger in Deutschland: 1,3 Millionen
- Zuwachs der ETF-Anlegerinnen: 137 Prozent auf 581.000
- Durchschnittliche monatliche Sparrate der 18- bis 29-Jährigen: 171 Euro
Die jüngeren Altersgruppen zeigen ebenfalls ein starkes Interesse an ETFs. Die 30- bis 49-jährigen Millennials sparen mit durchschnittlich 173 Euro monatlich am meisten, dicht gefolgt von den 18- bis 29-Jährigen, die im Schnitt 171 Euro investieren. Diese Sparraten sind im Vergleich zu 2022 deutlich gestiegen, was darauf hindeutet, dass junge Anleger den langfristigen Vermögensaufbau ernst nehmen und bereit sind, in den Kapitalmarkt zu investieren.
Bemerkenswert ist auch, dass bereits unter 18-Jährige durchschnittlich 87 Euro monatlich in ETFs anlegen. Ihre Anlegerzahl hat sich von rund 55.000 auf über 221.000 fast vervierfacht. Dies zeigt, dass das Interesse an Geldanlagen bereits in der Jugend gefördert wird, was für die zukünftige Finanzbildung von großer Bedeutung ist.
Marktentwicklung und Trends bei ETFs
Die Entwicklung der ETF-Anleger in Deutschland spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Anlagekultur wider. Während Deutschland lange als Nation der Sparquoten und Tagesgeldkonten galt, erkennen immer mehr Anleger die Vorteile von Aktienanlagen. Die Zusammensetzung der Portfolios verändert sich rasant, da Anleger zunehmend auf Indexfonds setzen, die kostengünstig und breit gestreut sind.
Die Daten zeigen, dass der Anteil der ETF-Anleger an allen Aktienanlegern in Deutschland im Jahr 2025 bei einem Drittel lag, während es im Jahr 2022 noch knapp 19 Prozent waren. Diese Verschiebung hin zu ETFs zeigt, dass Anleger weniger auf Einzelaktien setzen und stattdessen auf eine diversifizierte Anlagestrategie setzen, die weniger Zeit und Fachwissen erfordert.
Die Rolle der Zinsen und Inflation
In Zeiten von niedrigen Zinsen und steigender Inflation suchen Anleger nach Möglichkeiten, ihr Geld sinnvoll anzulegen. ETFs bieten hier eine attraktive Lösung, da sie eine breite Diversifikation ermöglichen und oft geringere Kosten als aktiv gemanagte Fonds aufweisen. Die Unsicherheiten an den Märkten, insbesondere durch geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Herausforderungen, haben viele Anleger dazu veranlasst, auf ETFs zu setzen, um ihr Risiko zu streuen und langfristige Renditen zu erzielen.
Experten raten dazu, einen Anlagehorizont von 10 bis 20 Jahren im Blick zu haben, um von den Vorteilen der ETFs zu profitieren. Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, betont, dass Anleger, die auf ETFs setzen, in der Regel nach 15 Jahren immer im Plus sind, was die Attraktivität dieser Anlageform weiter erhöht.
Fazit

Der ETF-Boom in Deutschland zeigt, dass immer mehr Frauen und junge Anleger aktiv in den Kapitalmarkt investieren. Die steigende Zahl der ETF-Anleger und das wachsende Interesse an nachhaltigen Geldanlagen sind klare Indikatoren für einen Wandel in der deutschen Anlagekultur. In Zeiten von niedrigen Zinsen und Inflation bieten ETFs eine kostengünstige und effektive Möglichkeit, Vermögen aufzubauen und für die Zukunft vorzusorgen. Die Entwicklung der letzten Jahre lässt darauf schließen, dass dieser Trend auch in Zukunft anhalten wird.
Häufige Fragen
Was sind ETFs?
Warum sind ETFs bei Frauen so beliebt?
Wie viel investieren junge Anleger in ETFs?
Welche ETFs sind besonders beliebt?
Wie hat sich die Zahl der ETF-Anleger in Deutschland entwickelt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Frauen und junge Anleger investieren in ETFs · Foto: Mikhail Nilov / Pexels


