⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.06.2026
In Krisenzeiten können die Preise von ETFs erheblich vom Nettoinventarwert abweichen. Anleger sollten die Mechanismen hinter Premium und Discount verstehen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
- ETFs gelten als liquide, aber in Krisen kann der Preis stark schwanken.
- Authorized Participants gleichen Preisabweichungen durch Arbitrage aus.
- In Stressphasen kann der Arbitrage-Mechanismus weniger effektiv sein.
In der Welt der Geldanlage sind ETFs (Exchange Traded Funds) als effiziente und liquide Anlageinstrumente bekannt. Doch in Krisenzeiten, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, können die Marktpreise dieser Fonds erheblich vom Nettoinventarwert (NAV) abweichen. Diese Abweichungen, die als Premium oder Discount bezeichnet werden, sind für Anleger von großer Bedeutung, da sie die Preisbildung und die Handelsstrategien beeinflussen können.
Was sind ETFs und wie funktionieren sie?

ETFs sind börsengehandelte Fonds, die darauf abzielen, die Wertentwicklung eines bestimmten Indexes abzubilden. Im Gegensatz zu klassischen Investmentfonds, die einmal täglich zum Nettoinventarwert gehandelt werden, werden ETFs kontinuierlich an der Börse gehandelt. Dies bedeutet, dass der Marktpreis eines ETF-Anteils jederzeit von dem rechnerischen Wert der enthaltenen Wertpapiere abweichen kann. Liegt der Marktpreis über dem NAV, spricht man von einem Premium; liegt er darunter, von einem Discount.
Die Preisbildung bei ETFs wird durch den Arbitrage-Mechanismus unterstützt, der von sogenannten Authorized Participants (APs) betrieben wird. Diese Marktteilnehmer haben die Möglichkeit, neue ETF-Anteile zu schaffen oder bestehende Anteile zurückzugeben, um Preisabweichungen auszugleichen. Wenn ein ETF zu einem Premium gehandelt wird, kaufen APs die zugrunde liegenden Wertpapiere und tauschen sie gegen neue ETF-Anteile ein, die sie dann zu einem höheren Preis verkaufen. Umgekehrt, wenn ein ETF zu einem Discount gehandelt wird, kaufen sie die Anteile und tauschen sie gegen die zugrunde liegenden Wertpapiere ein, die sie dann gewinnbringend verkaufen.
Die Rolle der Authorized Participants
Authorized Participants spielen eine zentrale Rolle im ETF-Ökosystem. Sie sind in der Lage, die Preisabweichungen zwischen dem Marktpreis und dem Nettoinventarwert durch Creation und Redemption auszugleichen. Diese Arbitrage-Möglichkeiten sind für APs lukrativ, solange die Differenz zwischen Marktpreis und innerem Wert ausreichend groß ist. In normalen Marktphasen funktioniert dieser Mechanismus in der Regel effizient und sorgt dafür, dass die Preise der ETFs in der Nähe ihres NAV bleiben.
Allerdings kann der Arbitrage-Mechanismus in Krisenzeiten an seine Grenzen stoßen. Während der Marktverwerfungen im März und April 2020, die durch die COVID-19-Pandemie ausgelöst wurden, weiteten sich die durchschnittlichen Discounts bei großen US-Anleihen-ETFs erheblich aus. Beispielsweise stieg der durchschnittliche Discount beim iShares iBoxx Investment Grade Corporate Bond ETF (LQD) von 0,13 Prozent in den Monaten Januar und Februar auf 1,39 Prozent in den Monaten März und April 2020. Solche Entwicklungen zeigen, dass der Arbitrage-Mechanismus in Stressphasen weniger effektiv sein kann.
Warum Preisabweichungen in Krisenzeiten problematisch sind
- Durchschnittlicher Discount bei LQD: 1,39%
- Marktpreise weichen vom Nettoinventarwert ab
- Arbitrage-Mechanismus sorgt für Preisangleichung
In Krisenzeiten können die Marktpreise von ETFs stark schwanken, was für Anleger sowohl Risiken als auch Chancen birgt. Wenn der Marktpreis eines ETFs deutlich unter dem NAV liegt, könnte dies eine Kaufgelegenheit darstellen. Allerdings kann die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Märkte dazu führen, dass Anleger zögern, in solche ETFs zu investieren. Zudem können die zugrunde liegenden Märkte in Stressphasen illiquide werden, was die Preisbildung weiter erschwert.
Ein weiteres Problem ist, dass die Liquidität der Basiswerte, die in den ETFs enthalten sind, während einer Krise sinken kann. Dies kann dazu führen, dass die Geld-Brief-Spannen steigen und die Tracking Errors zunehmen. In solchen Situationen kann es für Anleger schwierig sein, den tatsächlichen Wert ihrer Investitionen zu bestimmen, was zu einer Abkopplung von den Indexwerten führen kann.
Strategien für Anleger in Krisenzeiten
Für Anleger ist es wichtig, die Dynamik von Premium und Discount bei ETFs zu verstehen, insbesondere in Krisenzeiten. Eine Strategie könnte darin bestehen, ETFs zu kaufen, die zu einem Discount gehandelt werden, da dies auf eine potenzielle Unterbewertung hinweisen könnte. Anleger sollten jedoch auch die zugrunde liegenden Märkte und die Liquidität der Basiswerte berücksichtigen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.
Fazit

Die Preisbildung von ETFs in Stressphasen ist ein komplexes Thema, das für Anleger von großer Bedeutung ist. Während der Arbitrage-Mechanismus in normalen Marktphasen effizient funktioniert, kann er in Krisenzeiten an seine Grenzen stoßen. Anleger sollten sich der Risiken und Chancen bewusst sein, die mit Premium und Discount verbunden sind, und ihre Handelsstrategien entsprechend anpassen. Ein fundiertes Verständnis der Marktmechanismen kann helfen, in turbulenten Zeiten kluge Entscheidungen zu treffen.
Häufige Fragen
Was ist ein ETF?
Was bedeutet Premium und Discount bei ETFs?
Wie funktioniert der Arbitrage-Mechanismus bei ETFs?
Warum sind Preisabweichungen in Krisenzeiten problematisch?
Wie können Anleger von ETF-Preisschwankungen profitieren?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Analyse der ETF-Preisbildung in Krisenzeiten · Foto: Pixabay / Pexels


