⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 17.06.2026
In Krisenzeiten können die Marktpreise von ETFs erheblich vom inneren Wert abweichen. Anleger sollten die Mechanismen hinter Premium und Discount verstehen.
- ETFs gelten als liquide Anlageinstrumente.
- In Stressphasen können Marktpreise stark vom Nettoinventarwert abweichen.
- Die Liquidität des Underlyings spielt eine entscheidende Rolle.
In der heutigen Finanzwelt sind ETFs (Exchange Traded Funds) als effiziente und liquide Anlageinstrumente bekannt. Doch in Krisenzeiten, wie wir sie in der Vergangenheit erlebt haben, können die Marktpreise dieser Fonds erheblich vom inneren Wert abweichen. Dies wirft wichtige Fragen für Anleger auf, die die Mechanismen hinter Premium und Discount bei ETFs verstehen müssen.
Was sind ETFs und wie funktionieren sie?

ETFs sind Investmentfonds, die an Börsen gehandelt werden und die Performance eines bestimmten Index nachbilden. Sie bieten Anlegern die Möglichkeit, in eine Vielzahl von Vermögenswerten zu investieren, ohne diese direkt kaufen zu müssen. Anders als klassische Investmentfonds werden ETFs nicht zum Nettoinventarwert (NAV) gehandelt, sondern fortlaufend an der Börse. Dies führt dazu, dass der Marktpreis eines ETF kurzfristig vom inneren Wert abweichen kann.
Wenn der Marktpreis eines ETFs über dem NAV liegt, spricht man von einem Premium. Liegt der Preis darunter, handelt es sich um einen Discount. Diese Abweichungen sind in der Regel temporär und werden durch den Arbitrage-Mechanismus der ETF-Struktur ausgeglichen. In ruhigen Marktphasen funktioniert dieser Mechanismus nahezu reibungslos, doch in Stressphasen kann es zu erheblichen Verzögerungen kommen.
Die Rolle von Premium und Discount in Krisenzeiten
In Krisenzeiten, wie der Episode im März 2020, zeigen sich die Schwächen von ETFs, insbesondere bei weniger liquiden Anlageklassen. Studien haben gezeigt, dass der Rückgang der Arbitrage bei Anleihen-ETFs mit weniger liquiden Underlyings deutlich stärker ausgefallen ist als bei ETFs auf Staatsanleihen mit hoher Marktliquidität. Dies bedeutet, dass Anleger in stressigen Marktphasen besonders vorsichtig sein sollten, wenn sie in weniger liquide ETFs investieren.
BlackRock hat in einem Whitepaper argumentiert, dass hohe Discounts in Krisen nicht immer auf echte Fehlbewertungen zurückzuführen sind. Oft sind sie das Ergebnis eines Latenz-Effekts, bei dem die Bewertung des NAV auf Schätzungen und Dealer-Quotes basiert, während der ETF-Preis den tatsächlich handelbaren Marktpreis widerspiegelt. In Zeiten hoher Volatilität reagiert der Markt oft schneller als die NAV-Schätzungen, was zu temporären Discounts führen kann.
Prüfpunkte für Anleger in Stressphasen
Für Anleger ergeben sich aus diesen Erkenntnissen mehrere wichtige Prüfpunkte. Erstens ist die Geld-Brief-Spanne im Sekundärmarkt ein entscheidender Faktor. Eine größere Spanne zwischen Geld- und Briefkurs kann zusätzliche Handelskosten verursachen, die sich in Krisenphasen erheblich ausweiten können. Anleger sollten daher in solchen Zeiten limitierte Orders verwenden, um unkontrollierte Preisbewegungen zu vermeiden.
Zweitens spielt die Liquidität des Underlyings eine übergeordnete Rolle. Bei ETFs auf hochliquide Indizes, wie dem S&P 500 oder dem DAX, sind die Premium-Discount-Abweichungen historisch meist gering und kurzlebig. Bei weniger liquiden Anlagen, wie Hochzins-Anleihen oder Schwellenländer-Aktien, können diese Abweichungen jedoch deutlich größer werden und länger anhalten.
Handelszeiten und ihre Bedeutung
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Handelszeit. Außerhalb der Handelszeiten der zugrunde liegenden Märkte, etwa bei einem US-Aktien-ETF in den frühen europäischen Morgenstunden, weiten sich die Spreads systematisch aus. Anleger, die größere Positionen umschichten möchten, sollten daher während der Hauptbörsenzeiten der zugrundeliegenden Märkte handeln, idealerweise während der Überschneidung der europäischen und US-Handelszeiten. Dies kann helfen, die Handelskosten zu minimieren und die Preisbildung zu optimieren.
Der Arbitrage-Mechanismus und seine Herausforderungen
Der Arbitrage-Mechanismus ist ein zentraler Bestandteil der ETF-Preisbildung. Er ermöglicht es Authorized Participants (APs), ETF-Anteile zu schaffen oder zurückzugeben, um Preisabweichungen zwischen dem Marktpreis und dem NAV auszugleichen. Allerdings hängt die Effizienz dieses Mechanismus von der Liquidität der zugrunde liegenden Märkte und der Bereitschaft der APs ab, Arbitrage zu betreiben.
In stressigen Marktphasen kann die Bereitschaft der APs, Arbitrage zu betreiben, sinken, da die Transaktionskosten steigen und das eigene Inventarrisiko zunimmt. Dies kann dazu führen, dass sich Kursabweichungen verstärken und der Marktpreis eines ETFs länger vom NAV abweicht. Anleger sollten sich dieser Dynamik bewusst sein und ihre Handelsstrategien entsprechend anpassen.
Fazit

Die Preisbildung von ETFs in Stressphasen ist ein komplexes Thema, das für Anleger von großer Bedeutung ist. In Krisenzeiten können Marktpreise erheblich vom inneren Wert abweichen, was sowohl Risiken als auch Chancen birgt. Anleger sollten die Mechanismen hinter Premium und Discount verstehen und ihre Handelsstrategien entsprechend anpassen, um in volatilen Märkten erfolgreich zu navigieren. Ein fundiertes Verständnis der Liquidität, der Handelszeiten und des Arbitrage-Mechanismus kann entscheidend sein, um die besten Entscheidungen zu treffen.
Häufige Fragen
Was sind ETFs?
Was bedeutet Premium und Discount bei ETFs?
Wie beeinflusst die Liquidität die ETF-Preisbildung?
Was sollten Anleger in Krisenzeiten beachten?
Wie funktioniert der Arbitrage-Mechanismus bei ETFs?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: ETF-Preisbildung in Krisenzeiten · Foto: Pixabay / Pexels


