⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 12.09.2026
Das traditionelle 60/40-Portfolio, einst als sicherer Hafen für Anleger im Ruhestand angesehen, wird zunehmend als überholt betrachtet. Experten warnen, dass es nicht mehr ausreicht, um den Herausforderungen einer steigenden Lebenserwartung gerecht zu werden.
- Das 60/40-Portfolio bietet nicht mehr die nötige Sicherheit.
- Steigende Lebenserwartung erfordert höhere Aktienanteile.
- Alternative Anlagestrategien gewinnen an Bedeutung.
Das traditionelle 60/40-Portfolio, einst als sicherer Hafen für Anleger im Ruhestand angesehen, wird zunehmend als überholt betrachtet. Experten warnen, dass es nicht mehr ausreicht, um den Herausforderungen einer steigenden Lebenserwartung gerecht zu werden. Finanzberater wie Ric Edelman und Larry Fink von BlackRock fordern eine grundlegende Neubewertung der Anlagestrategien, um die finanzielle Sicherheit im Alter zu gewährleisten.
Was ist das 60/40-Portfolio?

Das 60/40-Portfolio ist eine Anlagestrategie, die 60% des Kapitals in Aktien und 40% in Anleihen investiert. Diese Aufteilung wurde entwickelt, um eine ausgewogene Rendite bei moderatem Risiko zu erzielen und den Anlegern eine gewisse Sicherheit im Ruhestand zu bieten. Die Idee hinter dieser Strategie ist, dass die Diversifikation zwischen Aktien und Anleihen das Risiko von Verlusten in volatilen Märkten abfedert.
In der Vergangenheit galt das 60/40-Portfolio als das Nonplusultra für defensiv ausgerichtete Anleger, die eine langfristige finanzielle Sicherheit anstreben. Doch die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die demografischen Veränderungen stellen diese Strategie in Frage.
Die Herausforderungen des 60/40-Portfolios
Eine der größten Herausforderungen für das 60/40-Portfolio ist die steigende Lebenserwartung. Laut Ric Edelman, einem renommierten Finanzberater, leben Menschen heute länger als je zuvor. Er warnt, dass viele Anleger möglicherweise nicht über genügend Kapital verfügen, um ihren Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass einem das Geld ausgeht“, sagt Edelman und bezeichnet das 60/40-Portfolio als „tot wegen der Langlebigkeit“.
Die steigende Lebenserwartung erfordert eine Anpassung der Anlagestrategien. Anleger sollten ihre Finanzplanung so aufsetzen, dass sie davon ausgehen, 100 Jahre alt zu werden. Dies bedeutet, dass ein größerer Anteil des Vermögens in Aktien investiert sein sollte als je zuvor. Edelman empfiehlt einen Aktienanteil von 70 bis 80%, um den Herausforderungen der Langlebigkeit zu begegnen.
Neue Anlagestrategien im Fokus
- Ric Edelman warnt: 60/40-Portfolio ist 'tot wegen der Langlebigkeit'.
- Empfohlene Aktienquote: 70-80% für Altersvorsorge.
- Larry Fink empfiehlt 50% Aktien, 30% Anleihen, 20% Private Assets.
Angesichts der Herausforderungen, die das 60/40-Portfolio mit sich bringt, suchen viele Anleger nach Alternativen. Larry Fink, CEO von BlackRock, hat in seinem jährlichen Brief an die Anleger 2025 eine neue Aufteilung vorgeschlagen: 50% in Aktien, 30% in Anleihen und 20% in Private Assets. Diese alternative Anlagestrategie zielt darauf ab, die Diversifikation zu erhöhen und gleichzeitig das Risiko zu minimieren.
Private Assets, wie Hedgefonds und Immobilien, bieten Anlegern die Möglichkeit, von höheren Renditen zu profitieren und sind weniger anfällig für die Schwankungen der traditionellen Märkte. Diese Anlagen können eine wertvolle Ergänzung zu einem diversifizierten Portfolio darstellen und helfen, die Risiken, die mit einer hohen Lebenserwartung verbunden sind, abzufedern.
Die Rolle von Inflation und Zinsen
Ein weiterer Faktor, der die Wirksamkeit des 60/40-Portfolios in Frage stellt, ist die Inflation. In einem Umfeld mit anhaltendem Inflationsdruck bieten Anleihen nicht mehr die Stabilität, die sie einst versprachen. Die Volatilität der Zinsentwicklung hat dazu geführt, dass viele Anleger ihre Strategien überdenken müssen. Experten empfehlen mittlerweile, europäische Unternehmensanleihen eher als Staatsanleihen zu betrachten, da Unternehmen flexibler auf veränderte Marktbedingungen reagieren können.
Die Unsicherheiten an den Märkten und die geopolitischen Risiken machen es für Anleger unerlässlich, ihre Portfolios regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. Ein Portfolio, das ausschließlich auf börsennotierte Wertpapiere setzt, bleibt anfällig für systemische Marktrisiken, unabhängig von der geografischen oder sektoralen Streuung.
Bond Ladder ETFs als Lösung
Eine vielversprechende Option für Anleger, die ihre Anlagestrategien anpassen möchten, sind sogenannte Bond Ladder ETFs. Diese investieren in US-Staatsanleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und bieten Anlegern eine regelmäßige Einkommensquelle. Durch die Diversifikation der Laufzeiten können Anleger von Zinsen über eine breite Palette profitieren und gleichzeitig ihr Kapital zurückerhalten, wenn einzelne Anleihen fällig werden.
Bond Ladder ETFs ermöglichen es Anlegern, das Risiko von Zinsänderungen zu minimieren und gleichzeitig eine gewisse Liquidität zu gewährleisten. Diese Strategie kann besonders vorteilhaft sein, wenn die Zinsen steigen, da Anleger von den höheren Renditen profitieren können, während sie gleichzeitig ihre bestehenden Anleihen halten.
Fazit

Das 60/40-Portfolio, einst als sicherer Anker für die Altersvorsorge angesehen, wird zunehmend als unzureichend betrachtet. Die steigende Lebenserwartung und die Unsicherheiten an den Märkten erfordern eine grundlegende Neubewertung der Anlagestrategien. Experten empfehlen, einen höheren Aktienanteil in Betracht zu ziehen und alternative Anlagen wie Private Assets und Bond Ladder ETFs zu integrieren. Anleger sollten ihre Strategien regelmäßig überprüfen und anpassen, um sicherzustellen, dass sie für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sind.
Häufige Fragen
Was ist das 60/40-Portfolio?
Warum wird das 60/40-Portfolio als überholt angesehen?
Welche Alternativen gibt es zum 60/40-Portfolio?
Wie beeinflusst die Inflation das 60/40-Portfolio?
Was sind Bond Ladder ETFs?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Finanzberater bei der Altersvorsorge-Planung · Foto: Kampus Production / Pexels


