⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.09.2026
Eine neue Umfrage zeigt alarmierende Wissenslücken bei jungen Erwachsenen in Deutschland: Jeder dritte kann grundlegende Finanzfragen nicht beantworten.
- 32% der jungen Erwachsenen scheitern an Finanzfragen.
- Wissenslücken bei Inflation und Gehalt sind besonders gravierend.
- Finanzielle Bildung ist entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft.
Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Omniquest im Auftrag von Gold.de zeigt alarmierende Ergebnisse: Jeder dritte junge Erwachsene in Deutschland, also 32% der 16- bis 35-Jährigen, scheitert daran, grundlegende Finanzfragen korrekt zu beantworten. Diese Erkenntnisse werfen ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit finanzieller Bildung in einer Zeit, in der wirtschaftliche Entscheidungen zunehmend komplexer werden.
Was sind die häufigsten Wissenslücken?

Die Umfrage hat gezeigt, dass besonders gravierende Wissenslücken bei den Grundbegriffen der Finanzwelt bestehen. So kann ein Viertel der Befragten nicht erklären, was der Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt ist. Dies ist besonders besorgniserregend in einem Land, das zu den OECD-Staaten mit den höchsten Steuern und Abgaben gehört. Ein solides Verständnis dieser Begriffe ist entscheidend, um die eigene finanzielle Situation realistisch einschätzen zu können.
Ein weiteres Beispiel für mangelndes Finanzwissen ist die Kenntnis der aktuellen Inflationsrate. Nur 52% der Befragten konnten den Wert von 2,8% korrekt oder annähernd angeben. Alarmierend ist, dass 40% die Teuerungsrate deutlich überschätzen, was auf ein unzureichendes Verständnis der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinweist. Diese Unsicherheiten können dazu führen, dass junge Erwachsene falsche Entscheidungen bei Geldanlagen treffen.
Die Kluft zwischen Wissen und Handeln
Die Umfrage zeigt auch eine deutliche Kluft zwischen dem Wissen über verschiedene Anlageformen und deren tatsächlicher Nutzung. Während 72% der Befragten Gold als Investment kennen, nutzen es nur etwa 20%. Ähnlich verhält es sich bei Immobilien und Kryptowährungen, wo die Bekanntheit bei 72,6% und 71,6% liegt, die tatsächliche Nutzung jedoch nur bei 12,5% bzw. 22,6%. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass Wissen allein nicht ausreicht, um finanzielle Entscheidungen zu treffen.
Besonders alarmierend ist, dass mehr als jeder vierte Befragte aktuell überhaupt kein Geld anlegt. Bei den 16- bis 20-Jährigen sind es sogar 35,1%. Diese Zahlen sind besorgniserregend, da sie darauf hindeuten, dass viele junge Menschen nicht in der Lage sind, für ihre finanzielle Zukunft vorzusorgen. Ein Mangel an finanzieller Bildung könnte hier eine entscheidende Rolle spielen.
Ursachen für das mangelnde Finanzwissen
- 32% der 16- bis 35-Jährigen beantworten höchstens eine von drei Finanzfragen korrekt.
- Nur 52% kennen die aktuelle Inflationsrate von 2,8%.
- Mehr als 25% der Befragten legen aktuell kein Geld an.
Die Ursachen für das unzureichende Finanzwissen sind vielfältig. Laut den Befragten liegt es weniger am Bildungssystem, da nur 9,8% die Schule als Hauptquelle für ihr Wissen angeben. Stattdessen haben 34,7% ihr Wissen selbst angeeignet, während 30,5% angeben, dass sie es von ihren Eltern gelernt haben. Social Media spielt mit 19% ebenfalls eine Rolle, jedoch ist dies oft nicht die beste Quelle für fundierte Informationen.
Diese Ergebnisse zeigen, dass es an der Zeit ist, die finanzielle Bildung in Deutschland zu stärken. Korbinian G. Penzkofer, Geschäftsführer der Adeos Media GmbH, betont, dass finanzielle Bildung entscheidend dafür ist, wie sicher junge Menschen später wirtschaftlich aufgestellt sind. Aufklärung sollte frühzeitig beginnen und nicht allein den sozialen Medien überlassen werden.
Die Bedeutung finanzieller Bildung für die Altersvorsorge
Die Unsicherheit in Bezug auf finanzielle Themen spiegelt sich auch in der Selbsteinschätzung der Befragten wider. Nur 27% der jungen Erwachsenen bewerten ihr eigenes Finanzwissen als „eher gut“ oder „sehr gut“. Diese Unsicherheit kann langfristige Auswirkungen auf die Altersvorsorge haben. Nur 52% der Erwachsenen im Erwerbsalter sind zuversichtlich, gut für das Alter vorzusorgen, und lediglich die Hälfte verfügt über eine betriebliche oder private Zusatzvorsorge.
Obwohl 90% der Befragten aktiv Geld zurücklegen, besitzen nur 18% Anlageprodukte. Dies zeigt, dass viele junge Menschen zwar bereit sind, Geld zu sparen, jedoch nicht wissen, wie sie es sinnvoll anlegen können. In einer Zeit, in der die Altersvorsorge zunehmend in die Eigenverantwortung der Bürger gelegt wird, ist es unerlässlich, dass junge Menschen die notwendigen Kenntnisse erwerben, um informierte Entscheidungen zu treffen.
Fortschritte und Herausforderungen
Trotz der besorgniserregenden Ergebnisse gibt es auch positive Entwicklungen. Im Jahr 2025 waren 14,1 Millionen Menschen in Deutschland in Aktien oder Fonds investiert, wobei 9,2 Millionen ausschließlich in Aktienfonds oder ETFs investiert haben. Diese Zahlen zeigen, dass ein wachsendes Interesse an Kapitalanlagen besteht, auch wenn viele junge Erwachsene noch nicht aktiv daran teilnehmen.
Die Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Die Digitalisierung hat den Zugang zu Informationen und Finanzprodukten erleichtert, erhöht jedoch auch die Anforderungen an die Fähigkeit, relevante Informationen einzuordnen und langfristige Konsequenzen abzuschätzen. Die Einführung digitaler Renteninformationen, die seit Juli 2023 verfügbar sind, könnte helfen, die Transparenz über künftige Renteneinkommen zu erhöhen, erfordert jedoch ebenfalls ein Mindestmaß an Finanzkompetenz.
Fazit

Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass es in Deutschland einen dringenden Bedarf an finanzieller Bildung gibt, insbesondere für junge Erwachsene. Die Wissenslücken bei grundlegenden Finanzfragen sind alarmierend und können langfristige Auswirkungen auf die wirtschaftliche Sicherheit dieser Generation haben. Es ist entscheidend, dass Schulen, Eltern und die Gesellschaft insgesamt gemeinsam daran arbeiten, das Finanzwissen zu verbessern und junge Menschen auf die Herausforderungen der finanziellen Zukunft vorzubereiten.
Häufige Fragen
Warum ist Finanzwissen wichtig für junge Erwachsene?
Welche Finanzfragen wurden in der Umfrage gestellt?
Wie viele junge Erwachsene legen kein Geld an?
Was sind die Hauptursachen für das mangelnde Finanzwissen?
Wie kann finanzielle Bildung verbessert werden?
Quellen: Google News
Symbolbild: Junge Erwachsene diskutieren über Finanzen · Foto: Mikhail Nilov / Pexels


