⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 02.09.2026
Eine aktuelle Studie zeigt, dass Künstliche Intelligenz bei der Auswahl von Fonds oft bessere Ergebnisse liefert als menschliche Finanzberater. Doch die Ergebnisse sind nicht ohne Haken.
- KI-Chatbots können bessere Fonds empfehlen als Menschen.
- Die Entscheidung hängt stark von der Programmierung der KI ab.
- Ein offengelegter Interessenkonflikt beeinflusste die Ergebnisse nicht.
In der heutigen Zeit, in der Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend in verschiedenen Lebensbereichen Einzug hält, stellt sich die Frage, wie sie auch im Finanzsektor eingesetzt werden kann. Eine aktuelle Studie der Universität Bayreuth hat gezeigt, dass KI bei der Auswahl von Fonds oft bessere Ergebnisse liefert als menschliche Finanzberater. Doch die Ergebnisse sind nicht ohne Haken.
Was ist das Experiment zur KI-gestützten Geldanlage?

Die Studie, die von den Ökonomen Joshua Greubel, Henrik Guhling und Fabian Herweg durchgeführt wurde, umfasste 3.700 Teilnehmer, die in einem bezahlten Online-Experiment einen fiktiven Fondssparplan einrichteten. Die Teilnehmer mussten zwischen zwei Anbietern wählen, deren Fonds denselben künstlichen Aktienindex abbildeten. Der entscheidende Unterschied lag in den Gebühren: Ein Anbieter verlangte eine niedrigere Ordergebühr, während der andere eine niedrigere Managementgebühr hatte.
Die Teilnehmer konnten entweder allein entscheiden oder erhielten Unterstützung von einem KI-Chatbot oder einem menschlichen Berater. Der Chatbot, der auf GPT-5 mini basierte, wurde so programmiert, dass er entweder den besseren oder den schlechteren Anbieter empfahl. Dies ermöglichte den Forschern, die Auswirkungen der KI auf die Entscheidungsfindung zu untersuchen.
Überraschende Ergebnisse: KI übertrifft menschliche Berater
Die Ergebnisse des Experiments waren bemerkenswert. Die KI konnte die Teilnehmer deutlich besser zu den günstigeren Fonds führen. Bei guten Empfehlungen wählten 88,6 Prozent der Teilnehmer unter KI-Beratung den besseren Anbieter, während bei menschlicher Beratung nur 82,2 Prozent die richtige Wahl trafen. Dies zeigt, dass KI in der Lage ist, fundierte Entscheidungen zu fördern und Anlegern zu helfen, ihr Endvermögen zu maximieren.
Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass die Empfehlungen der KI stark von ihrer Programmierung abhängen. Wenn die KI darauf programmiert wurde, den schlechteren Anbieter zu empfehlen, sank der Anteil richtiger Entscheidungen auf nur 34,8 Prozent. Dies verdeutlicht, dass die Qualität der KI-Beratung entscheidend ist und dass Anleger vorsichtig sein sollten, welche Empfehlungen sie befolgen.
Der Einfluss von Interessenkonflikten
- Studie mit 3.700 Teilnehmern durchgeführt
- KI-Chatbot überzeugte mehr als menschliche Berater
- Empfehlungen der KI beeinflussten Entscheidungen stark
Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie war der Einfluss von Interessenkonflikten. In einem Teil des Experiments trat der KI-Chatbot als Bank-KI auf, was bedeutete, dass die Teilnehmer wussten, dass die Bank finanziell von ihrer Entscheidung profitieren konnte. Trotz dieses offengelegten Interessenkonflikts war die KI nicht messbar weniger einflussreich. Die Ergebnisse blieben statistisch gleich, unabhängig davon, ob die Empfehlungen gut oder schlecht waren.
Im Vergleich dazu konnten menschliche Berater die Entscheidungen ebenfalls beeinflussen, jedoch in geringerem Maße. Wenn die Bank-KI den besseren Anbieter empfahl, folgten 9,9 Prozentpunkte mehr Teilnehmer dieser Empfehlung als den menschlichen Beratern. Dies zeigt, dass KI in der Lage ist, das Vertrauen der Anleger zu gewinnen, selbst wenn ein Interessenkonflikt besteht.
Die Rolle der KI in der Finanzberatung
Die Ergebnisse dieser Studie werfen wichtige Fragen zur Rolle der KI in der Finanzberatung auf. Während KI-gestützte Systeme wie Chatbots und Robo-Advisors immer häufiger eingesetzt werden, ist es entscheidend, dass Anleger die Qualität der Empfehlungen verstehen und kritisch hinterfragen. KI kann zwar bei der Entscheidungsfindung unterstützen, jedoch sollte sie nicht als alleinige Quelle für Anlageentscheidungen betrachtet werden.
Die Studie zeigt, dass KI in der Lage ist, Anleger zu besseren Entscheidungen zu führen, aber auch, dass sie potenziell in die falsche Richtung lenken kann, wenn sie nicht richtig programmiert ist. Anleger sollten sich bewusst sein, dass die Nutzung von KI in der Finanzberatung sowohl Chancen als auch Risiken birgt.
Praktische Tipps für Anleger
- Überprüfen Sie die Qualität der KI und deren Programmierung. Achten Sie darauf, ob die KI auf objektive Kriterien oder auf Verkaufsinteressen ausgerichtet ist.
- Nutzen Sie KI als Unterstützung, aber verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf deren Empfehlungen. Kombinieren Sie KI-gestützte Beratung mit Ihrer eigenen Recherche und dem Rat von Finanzexperten.
- Seien Sie sich der potenziellen Interessenkonflikte bewusst, die bei der Nutzung von KI auftreten können, und hinterfragen Sie die Empfehlungen kritisch.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Künstliche Intelligenz bei der Geldanlage ein vielversprechendes Werkzeug sein kann, das Anlegern hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass KI-Chatbots oft bessere Empfehlungen geben als menschliche Berater. Dennoch ist es wichtig, die Programmierung der KI zu verstehen und kritisch zu hinterfragen, um die Risiken zu minimieren. Anleger sollten KI als unterstützendes Werkzeug nutzen, jedoch nicht als alleinige Entscheidungsquelle.
Häufige Fragen
Wie funktioniert die KI-gestützte Fondsberatung?
Was sind die Vorteile der KI bei der Geldanlage?
Gibt es Risiken bei der Nutzung von KI für Geldanlagen?
Wie schneiden menschliche Berater im Vergleich zur KI ab?
Was bedeutet der Interessenkonflikt für die KI-gestützte Beratung?
Quellen: Google News
Symbolbild: Geld anlegen mit KI: Chancen und Risiken · Foto: Kindel Media / Pexels


