⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 01.08.2026
Fast jeder zweite Rentner in Deutschland sieht sich nach der Steuererklärung mit einer Nachzahlung konfrontiert. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben weitreichende finanzielle Konsequenzen.
- 41 Prozent der Rentner müssen nachzahlen
- Durchschnittliche Nachzahlung liegt bei 1.326 Euro
- Erstattungen sind ebenfalls häufig, 45 Prozent erhalten Geld zurück
Die Steuererklärung ist für viele Rentner in Deutschland ein unangenehmes Thema. Fast jeder zweite Ruheständler muss nach der Abgabe seiner Steuererklärung mit einer Nachzahlung rechnen. Laut einer aktuellen Auswertung des Steuererklärungsanbieters Smartsteuer sind es genau 41 Prozent der Rentner, die für das Jahr 2025 Steuern nachzahlen müssen. Im Durchschnitt beläuft sich die Nachzahlung auf 1.326 Euro, wobei die Hälfte der Betroffenen maximal 499 Euro zahlen muss.
Was sind die Gründe für die hohen Nachzahlungen?

Ein wesentlicher Grund für die hohen Nachzahlungen ist, dass viele Rentner neben ihrer gesetzlichen Rente zusätzliche Einkünfte erzielen. Fast 48,5 Prozent der Rentner haben laut der Auswertung von Smartsteuer neben ihrer Rente weitere Einnahmen, beispielsweise aus einem Arbeitsverhältnis, Mieteinnahmen oder selbstständiger Tätigkeit. Diese zusätzlichen Einkünfte werden nicht wie beim Arbeitslohn vorab versteuert, was bedeutet, dass die volle Steuerlast erst mit dem Steuerbescheid fällig wird.
Steueranwalt Stefan Heine erklärt, dass die gesetzliche Rente nicht vorab versteuert wird, was viele Rentner in eine Steuerfalle führt. Die Steuerpflicht tritt oft erst Jahre später in Kraft, wenn Rentenerhöhungen dazu führen, dass der steuerpflichtige Teil der Rente ansteigt und der einmal festgelegte Rentenfreibetrag nicht mehr ausreicht.
Erstattungen und ihre Verteilung
Im Gegensatz zu den Nachzahlungen können sich rund 45 Prozent der Rentner über eine Erstattung freuen. Im Durchschnitt erhalten diese Rentner 1.383 Euro zurück, wobei der Median bei 779 Euro liegt. Dies zeigt, dass es auch viele Rentner gibt, die von der Steuererklärung profitieren können. Die Erstattungen sind jedoch regional unterschiedlich verteilt, was auf unterschiedliche Einkommensverhältnisse und Lebenshaltungskosten in den Bundesländern hinweist.
Besonders auffällig ist ein Einzelfall aus Baden-Württemberg, wo ein Rentner eine Erstattung von über 213.000 Euro erhielt. Solche extremen Werte sind jedoch die Ausnahme und spiegeln nicht die allgemeine Situation wider. Die meisten Rentner bewegen sich im Rahmen der durchschnittlichen Erstattungen oder Nachzahlungen.
Regionale Unterschiede bei Nachzahlungen
- Nachzahlung: 41 Prozent der Rentner müssen Steuern nachzahlen
- Durchschnittliche Nachzahlung: 1.326 Euro
- Erstattung: 45 Prozent der Rentner erhalten Geld zurück
Die Höhe der Nachzahlungen variiert stark je nach Bundesland. In Hamburg müssen Rentner, die nachzahlen, im Durchschnitt 1.772 Euro an das Finanzamt überweisen. Bremen folgt mit 1.655 Euro und Rheinland-Pfalz mit 1.527 Euro. Im Gegensatz dazu liegen die durchschnittlichen Nachzahlungen in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt bei 836 Euro, Thüringen bei 876 Euro und Sachsen bei 939 Euro deutlich niedriger.
Diese Unterschiede können auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden, darunter die Einkommensverhältnisse der Rentner und die Lebenshaltungskosten in den jeweiligen Regionen. In vielen Fällen zeigt sich, dass Rentner in wohlhabenderen Bundesländern tendenziell höhere Nachzahlungen leisten müssen.
Die Auswirkungen von Rentenerhöhungen
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Rentenerhöhungen, die zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent erfolgen. Diese Anpassungen führen dazu, dass viele Rentner erstmals den Grundfreibetrag überschreiten und somit steuerpflichtig werden. Der Steuerstichtag für die Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2025 endet am 31. Juli 2026. Viele Rentner sind sich dieser neuen Steuerpflicht jedoch nicht bewusst und handeln oft nachlässig, was zu hohen Nachzahlungen führen kann.
Steueranwalt Heine weist darauf hin, dass jede Rentenerhöhung den steuerpflichtigen Teil der Rente anhebt, während der einmal festgelegte Freibetrag unverändert bleibt. Dies führt dazu, dass immer mehr Rentner über den Grundfreibetrag rutschen und steuerpflichtig werden.
Praktische Tipps für Rentner
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Dokumentation aller Einkünfte und Ausgaben. Eine sorgfältige Aufzeichnung kann helfen, die Steuerlast zu minimieren und mögliche Nachzahlungen zu vermeiden. Rentner sollten auch die Fristen zur Abgabe der Steuererklärung im Auge behalten, um mögliche Strafen zu vermeiden.
Fazit

Die Steuererklärung stellt für viele Rentner eine Herausforderung dar, da fast jeder zweite Ruheständler mit Nachzahlungen konfrontiert wird. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von zusätzlichen Einkünften bis hin zu Rentenerhöhungen. Während viele Rentner auch Erstattungen erhalten, ist es wichtig, sich der steuerlichen Pflichten bewusst zu sein und rechtzeitig zu handeln, um finanzielle Überraschungen zu vermeiden.
Häufige Fragen
Warum müssen viele Rentner Steuern nachzahlen?
Wie hoch sind die durchschnittlichen Nachzahlungen für Rentner?
Was passiert, wenn Rentner den Grundfreibetrag überschreiten?
Wie viele Rentner erhalten eine Erstattung?
Welche Bundesländer haben die höchsten Nachzahlungen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Rentner bei der Steuererklärung · Foto: Kampus Production / Pexels


