⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 16.08.2026
Im zweiten Quartal 2026 haben die Zentralbanken weltweit 288,9 Tonnen Gold erworben, was einem Anstieg von 62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies stellt den höchsten jemals gemessenen Wert für ein zweites Quartal dar.
- Goldkäufe der Notenbanken erreichen Rekordhöhe.
- Private Anleger ziehen Kapital aus Gold-ETFs ab.
- Goldpreis steigt auf über 4.300 Dollar.
Im zweiten Quartal 2026 haben die Zentralbanken weltweit 288,9 Tonnen Gold erworben, was einem Anstieg von 62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies stellt den höchsten jemals gemessenen Wert für ein zweites Quartal dar. Der Bericht des World Gold Council zeigt, dass die Notenbanken trotz eines Rückgangs des Goldpreises in diesem Zeitraum aktiv Gold kauften, was auf eine strategische Diversifikation ihrer Währungsreserven hindeutet.
Was geschah im Goldmarkt im zweiten Quartal 2026?

Die Käufe der Notenbanken sind ein entscheidender Faktor für die Stabilität des Goldmarktes. Während die offiziellen Institutionen ihre Bestände aufstockten, zogen private Anleger Kapital aus börsengehandelten Goldfonds (ETFs) ab. Im zweiten Quartal verzeichneten Gold-ETFs Nettoabflüsse von rund 45 Tonnen. Diese Abflüsse sind auf die schwächeren Preise sowie die steigenden Zins- und Inflationserwartungen zurückzuführen, insbesondere in Nordamerika, wo der Dollar gleichzeitig stärker wurde.
Die globale Nachfrage nach Gold blieb insgesamt stabil und erreichte im zweiten Quartal 1.269 Tonnen, was praktisch dem Vorjahresniveau entspricht. Der Wert der Nachfrage stieg jedoch auf einen Rekord von 380 Milliarden US-Dollar, was die anhaltende Bedeutung von Gold als Anlageklasse unterstreicht.
Wer sind die größten Käufer von Gold?
Die polnische Nationalbank war im zweiten Quartal 2026 mit 51 Tonnen der größte Käufer von Gold. Dies ist Teil einer Strategie, die darauf abzielt, die Goldreserven Polens auf 700 Tonnen zu erhöhen. China folgte mit 33 Tonnen, was den größten Quartalszukauf seit Ende 2023 darstellt. Usbekistan und Kasachstan kauften ebenfalls signifikante Mengen, mit 16 und 15 Tonnen respektive.
Im Gegensatz dazu war Russland der größte Verkäufer, mit einem Abgang von 22 Tonnen. Dies ist auf den Druck auf den Staatshaushalt zurückzuführen, der dazu führt, dass Gold als Liquiditätsreserve verwendet wird, um Defizite zu decken.
Wie beeinflussen Zinserwartungen den Goldpreis?
- Käufe der Notenbanken: 288,9 Tonnen im Q2 2026
- Zuwachs von 62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
- Größter Käufer: Polen mit 51 Tonnen
Die Zinserwartungen spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Goldpreises. In den letzten Wochen hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) verringert. Diese Entwicklung hat den Goldpreis gestützt, da sinkende Zinserwartungen Gold als zinslosen Vermögenswert attraktiver machen. Der Goldpreis hat sich seit seinem Jahrestief von 3.943 Dollar Ende Juni um über 10 Prozent erholt und liegt aktuell bei über 4.300 Dollar pro Feinunze.
Die Marktteilnehmer sind jedoch vorsichtig, da die Zinsperspektiven weiterhin auf ansteigende Zinsen hindeuten. Eine nachhaltige Entspannung der geopolitischen Spannungen, wie etwa im Iran, könnte ebenfalls den Goldpreis beeinflussen.
Die Schmucknachfrage und ihre Auswirkungen
Die Schmucknachfrage hat im zweiten Quartal 2026 unter dem hohen Preisniveau gelitten. Der tatsächliche Verbrauch fiel auf 278 Tonnen, was einem Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dies ist der niedrigste Quartalswert seit der Corona-Pandemie und zeigt, wie empfindlich die Schmucknachfrage auf Preisänderungen reagiert.
Die anhaltend hohen Goldpreise und die Unsicherheiten auf den Märkten haben dazu geführt, dass viele Verbraucher ihre Kaufentscheidungen überdenken. Dies könnte langfristige Auswirkungen auf die Schmuckindustrie haben, die traditionell stark von der Nachfrage nach Gold abhängig ist.
Ausblick auf die Goldnachfrage 2026
Der World Gold Council rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einer weiterhin starken, jedoch im Vergleich zu 2025 schwächeren offiziellen Nachfrage. Die Angebotsseite wächst nur moderat, was bedeutet, dass die Minenproduktion, die im zweiten Quartal einen neuen Rekord von 965,6 Tonnen erreichte, nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Höhere Preise und gesunde Margen stützen die Minenproduktion, während lange Projektlaufzeiten und operative Beschränkungen das Wachstum bremsen.
Die strukturelle Richtung der Goldnachfrage bleibt jedoch positiv, da eine große Mehrheit der befragten Institutionen mit steigenden globalen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten rechnet. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Notenbanken weiterhin eine wichtige Rolle auf dem Goldmarkt spielen werden.
Fazit

Die aktuellen Goldkäufe der Notenbanken zeigen, dass trotz kurzfristiger Marktschwankungen und geopolitischer Unsicherheiten das Interesse an Gold als sicherem Hafen ungebrochen bleibt. Mit einem Anstieg der Käufe um 62,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einem stabilen Preisniveau bleibt Gold ein zentraler Bestandteil der globalen Finanzstrategien. Anleger sollten die Entwicklungen auf dem Goldmarkt weiterhin genau beobachten, insbesondere im Hinblick auf Zinserwartungen und geopolitische Risiken.
Häufige Fragen
Warum kaufen Notenbanken Gold?
Wie beeinflussen Notenbankkäufe den Goldpreis?
Was sind die aktuellen Trends auf dem Goldmarkt?
Wie hat sich der Goldpreis in letzter Zeit entwickelt?
Welche Länder haben im zweiten Quartal 2026 am meisten Gold gekauft?
Quellen: Google News
Symbolbild: Goldkäufe der Notenbanken im Fokus · Foto: Zlaťáky.cz / Pexels


