⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 02.08.2026
Im zweiten Quartal 2026 haben die Notenbanken weltweit ihre Goldreserven erheblich aufgestockt. Diese Entwicklung wirft Fragen über die zukünftige Rolle von Gold in der globalen Wirtschaft auf.
- Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen Gold im Q2 2026.
- Polen und China sind die größten Käufer.
- Die Schmucknachfrage bleibt schwach, während die Investmentnachfrage stabil bleibt.
Im zweiten Quartal 2026 haben die Notenbanken weltweit ihre Goldreserven erheblich aufgestockt. Laut dem World Gold Council (WGC) kauften die Zentralbanken in diesem Zeitraum insgesamt 288,9 Tonnen Gold. Dies stellt einen Anstieg von 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar und zeigt, dass das Edelmetall weiterhin als strategische Reserveanlage geschätzt wird.
Was geschah im Q2 2026?

Die Notenbanken haben im zweiten Quartal 2026 ihre Goldkäufe deutlich erhöht, nachdem die Nachfrage zu Beginn des Jahres schwach war. Polen war der größte Käufer und stockte seine Reserven um 51 Tonnen auf. Auch die Volksbank Chinas (PBoC) hat ihre Bestände um 33 Tonnen erhöht, was den 20. Monat in Folge darstellt, in dem China Gold kauft. Diese Käufe sind nicht nur ein Zeichen für das Vertrauen in Gold als Wertspeicher, sondern auch ein strategischer Schritt, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.
Die Gesamtnachfrage nach Gold blieb im zweiten Quartal mit 1.269 Tonnen stabil, was zeigt, dass die Zentralbankkäufe die Abflüsse aus westlichen Gold-ETFs ausgleichen konnten. Diese ETFs verzeichneten Netto-Abflüsse von rund 45 Tonnen, was die Unsicherheit auf dem Markt widerspiegelt. Die Nachfrage nach Goldbarren und Anlagemünzen blieb mit 307 Tonnen nahezu unverändert, was auf eine gewisse Stabilität im Investmentsektor hinweist.
Warum setzen Notenbanken auf Gold?
Die Entscheidung der Notenbanken, ihre Goldreserven aufzustocken, ist Teil eines langfristigen Trends, der seit 2022 zu beobachten ist. Gold gilt als sicherer Hafen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Inflation. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einschließlich steigender Zinsen und einer starken US-Währung, suchen viele Zentralbanken nach Möglichkeiten, ihre Portfolios zu diversifizieren und Risiken zu minimieren.
Ein weiterer Grund für die Goldkäufe ist die geopolitische Unsicherheit, die viele Länder dazu veranlasst, ihre Abhängigkeit von traditionellen Reservewährungen wie dem US-Dollar zu verringern. Die Notenbanken sehen in Gold eine wertvolle Absicherung gegen Inflation und Währungsrisiken. Diese Strategie könnte auch dazu beitragen, die Stabilität der nationalen Währungen zu fördern.
Die Rolle von China und Polen im Goldmarkt
- Zentralbanken kauften im Q2 2026 insgesamt 288,9 Tonnen Gold.
- Polen war der größte Käufer mit 51 Tonnen Gold.
- Chinas Notenbank erhöhte ihre Reserven um 33 Tonnen.
China hat im ersten Halbjahr 2026 rund 865 Tonnen Gold importiert, was einem Anstieg von 89,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Allein im Juni 2026 wurden 173,34 Tonnen Gold importiert, der höchste Monatswert seit März 2024. Diese massive Nachfrage aus China hat erheblich zur Stabilität des Goldmarktes beigetragen und zeigt, dass asiatische Käufer eine entscheidende Rolle spielen.
Polen hat sich als einer der größten Käufer etabliert, mit über 100 Tonnen Goldkäufen seit 2022. Diese Käufe sind nicht nur ein Zeichen für das Vertrauen in Gold, sondern auch ein strategischer Schritt, um die nationale Währung zu stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Währungen zu reduzieren. Die polnische Notenbank hat damit eine klare Strategie verfolgt, um ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern.
Schmucknachfrage und Marktreaktionen
Trotz der starken Nachfrage von Zentralbanken steht die Schmucknachfrage unter Druck. Der tatsächliche Goldverbrauch für Schmuck sank im zweiten Quartal auf 278 Tonnen, was den niedrigsten Quartalswert seit der Corona-Pandemie darstellt. Dies entspricht einem Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die hohen Goldpreise und die angespannte Kaufkraft der Verbraucher sind die Hauptgründe für diesen Rückgang.
Dennoch stiegen die weltweiten Ausgaben für Goldschmuck um 14 Prozent auf rund 40 Milliarden US-Dollar. Dies zeigt, dass Käufer weniger Gold erwerben, aber bereit sind, mehr Geld auszugeben. Diese Entwicklung könnte auf eine Verschiebung in den Kaufgewohnheiten hinweisen, bei der Qualität und Design über der Menge stehen.
Langfristige Perspektiven für den Goldmarkt
Die langfristigen Perspektiven für den Goldmarkt bleiben positiv, insbesondere durch die anhaltende Nachfrage von Zentralbanken und asiatischen Käufern. Der World Gold Council erwartet, dass die Notenbanken auch im zweiten Halbjahr 2026 wichtige Stützen der Goldnachfrage bleiben werden. Trotz der kurzfristigen Herausforderungen durch den starken Dollar und steigende Zinsen bleibt die strukturelle Nachfrage nach Gold robust.
Die Minenproduktion stieg im zweiten Quartal um 2 Prozent auf 965,6 Tonnen, was einen neuen Höchstwert für ein zweites Quartal darstellt. Gleichzeitig sank das Goldrecycling um 6 Prozent auf 326,1 Tonnen, da der niedrigere Goldpreis weniger Anleger zum Verkauf von Altgold bewegte. Diese Entwicklungen zeigen, dass das Angebot auf dem Markt stabil bleibt, während die Nachfrage weiterhin stark ist.
Fazit

Die Goldkäufe der Notenbanken im zweiten Quartal 2026 sind ein klares Zeichen für das Vertrauen in Gold als wertvolle Reserveanlage. Mit einem Anstieg der Käufe um 62 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einer stabilen Gesamtnachfrage von 1.269 Tonnen zeigt der Markt, dass Gold weiterhin eine zentrale Rolle in der globalen Wirtschaft spielt. Während die Schmucknachfrage schwächelt, bleibt die langfristige Perspektive für Gold positiv, insbesondere durch die anhaltende Unterstützung von Zentralbanken und asiatischen Käufern.
Häufige Fragen
Warum kaufen Notenbanken Gold?
Wie viel Gold haben die Zentralbanken im Q2 2026 gekauft?
Welche Länder haben im Q2 2026 am meisten Gold gekauft?
Wie wirkt sich die Goldnachfrage auf den Markt aus?
Was sind die langfristigen Trends im Goldmarkt?
Quellen: Google News
Symbolbild: Goldreserven der Notenbanken im Fokus · Foto: Robert Lens / Pexels


