⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 18.06.2026
Trotz des eskalierenden Konflikts im Iran ist der Goldpreis stark gefallen. Dies wirft Fragen über die Rolle des Edelmetalls als sicherer Hafen auf.
- Goldpreis fiel seit Kriegsbeginn um 19 Prozent.
- GPR-Index zeigt höchsten Anstieg seit 2020.
- Historische Daten belegen schwache Korrelation zwischen Gold und geopolitischen Risiken.
Der Goldpreis hat in den letzten Monaten eine dramatische Entwicklung durchgemacht, insbesondere seit dem Beginn des Irankriegs. Trotz der weit verbreiteten Annahme, dass Gold in Krisenzeiten als sicherer Hafen fungiert, ist der Preis des Edelmetalls seit Kriegsbeginn um mehr als 19 Prozent gefallen. Aktuell liegt der Goldpreis bei rund 4.342 US-Dollar je Feinunze, nachdem er zu Beginn des Konflikts noch über 5.200 US-Dollar notiert hatte.
Was geschah im Irankrieg?

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskalierte Ende Februar 2026, als amerikanische Truppen in den Iran einmarschierten. Viele Anleger erwarteten, dass dieser Schritt den Goldpreis in die Höhe treiben würde, da geopolitische Spannungen traditionell zu einer erhöhten Nachfrage nach Gold führen. Stattdessen erlebte das Edelmetall einen signifikanten Rückgang, was die Frage aufwirft, ob die Annahme, Gold sei ein sicherer Hafen, noch gültig ist.
Der Geopolitical Risk Index (GPR), der das Ausmaß geopolitischer Risiken misst, erreichte im März 2026 den höchsten Wert der 2020er-Jahre. Dies deutet darauf hin, dass die geopolitischen Spannungen tatsächlich zugenommen haben. Dennoch reagierte der Goldpreis nicht wie erwartet, was auf eine tiefere Problematik hinweist.
Der Geopolitical Risk Index (GPR) und seine Bedeutung
Der GPR wird von Ökonomen der Federal Reserve erstellt und basiert auf Artikeln führender internationaler Tageszeitungen. Im März 2026 erreichte der Index einen Wert von 297, was einem Anstieg von 144 Prozent gegenüber dem Vormonat entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die geopolitischen Risiken in der aktuellen Situation erheblich gestiegen sind.
Mark Hulbert, ein Finanzanalyst, hat die Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem GPR über rollierende Fünfjahreszeiträume seit 1968 untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Korrelation zwischen Gold und dem GPR schwankte, mit einem Korrelationskoeffizienten zwischen -0,28 und +0,33. Dies bedeutet, dass es keine verlässliche Beziehung zwischen den beiden gibt, was die Annahme, dass Gold in Krisenzeiten immer steigt, in Frage stellt.
Warum der Goldpreis nicht steigt
- Goldpreis fiel seit Kriegsbeginn um mehr als 19 Prozent.
- Aktueller Goldpreis: rund 4.342 US-Dollar je Feinunze.
- Geopolitical Risk Index (GPR) erreichte im März 2026 den höchsten Wert der 2020er-Jahre.
Die aktuelle Situation zeigt, dass Anleger, die auf eine Erholung des Goldpreises aufgrund geopolitischer Spannungen gehofft haben, oft auf der falschen Seite stehen. Historisch gesehen hat sich gezeigt, dass der Goldpreis nicht immer als Reaktion auf geopolitische Krisen steigt. Stattdessen könnte der Rückgang des Goldpreises auf andere Faktoren zurückzuführen sein, wie etwa steigende Inflation und Zinserwartungen.
Ein weiterer Faktor, der den Goldpreis belastet, ist der starke US-Dollar. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit neigen Anleger dazu, in den Dollar zu flüchten, was Gold für internationale Käufer teurer macht. Dies führt zu einer geringeren Nachfrage nach dem Edelmetall und verstärkt den Preisverfall.
Inflation und Zinserwartungen als Belastungsfaktoren
Die Inflation in den USA hat in den letzten Monaten zugenommen, was die Erwartungen an Zinserhöhungen der Federal Reserve verstärkt hat. Höhere Zinsen machen Gold weniger attraktiv, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft. Anleger suchen in einem Umfeld steigender Zinsen nach renditestärkeren Anlagen, was den Druck auf den Goldpreis weiter erhöht.
Die EZB hat ebenfalls den Leitzins angehoben, was die Situation für Gold zusätzlich erschwert. Die Kombination aus steigenden Zinsen und einer starken Währung führt dazu, dass Gold als Anlageform weniger gefragt ist. Dies könnte langfristige Auswirkungen auf die Anlagestrategien von Investoren haben, die traditionell auf Gold als sicheren Hafen setzen.
Die Lehren für Anleger
Die aktuelle Situation lehrt Anleger, dass die traditionellen Annahmen über Gold als sicheren Hafen möglicherweise nicht mehr zutreffen. Die historische Analyse zeigt, dass geopolitische Spannungen nicht zwangsläufig zu einem Anstieg des Goldpreises führen. Anleger sollten daher ihre Strategien überdenken und diversifizieren, um sich gegen Inflation und geopolitische Risiken abzusichern.
Ein wichtiger Aspekt ist, dass Anleger nicht nur auf die geopolitischen Nachrichten achten sollten, sondern auch auf die wirtschaftlichen Indikatoren, die den Goldpreis beeinflussen. Die Kombination aus Inflation, Zinserwartungen und der Stärke des US-Dollars wird entscheidend sein für die zukünftige Entwicklung des Goldpreises.
Fazit

Der Goldpreis ist seit Beginn des Irankriegs um mehr als 19 Prozent gefallen, was die Annahme, dass Gold in Krisenzeiten als sicherer Hafen fungiert, in Frage stellt. Der Geopolitical Risk Index zeigt einen signifikanten Anstieg der geopolitischen Risiken, doch der Goldpreis reagiert nicht wie erwartet. Anleger sollten sich bewusst sein, dass die traditionellen Regeln für Gold möglicherweise nicht mehr gelten und ihre Anlagestrategien entsprechend anpassen.
Häufige Fragen
Warum fällt der Goldpreis trotz des Irankriegs?
Was ist der Geopolitical Risk Index (GPR)?
Wie korreliert der Goldpreis mit geopolitischen Risiken?
Was bedeutet der Rückgang des Goldpreises für Anleger?
Wie beeinflussen Inflation und Zinserwartungen den Goldpreis?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Goldpreis und geopolitische Spannungen · Foto: Pixabay / Pexels


