⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.08.2026
Die Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) zu hitzebedingten Todesfällen in Deutschland wird von Experten als zu niedrig angesehen. Uwe Janssens, Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), fordert dringend Maßnahmen zum Hitzeschutz.
- RKI schätzt 12.500 Hitzetote, DIVI hält Zahl für zu niedrig.
- Uwe Janssens fordert nationalen Hitzeschutzplan.
- Ältere Menschen sind besonders gefährdet.
Die Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) zu hitzebedingten Todesfällen in Deutschland wird von Experten als zu niedrig angesehen. Uwe Janssens, der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), äußerte sich besorgt über die aktuelle Situation und forderte dringend Maßnahmen zum Hitzeschutz. Laut RKI sind in diesem Sommer bis zum 2. August rund 12.500 Menschen an hitzebedingten Ursachen gestorben. Diese Zahl könnte jedoch die Realität nicht vollständig abbilden.
Was sind die aktuellen Schätzungen zu Hitzetoten in Deutschland?

Das Robert Koch-Institut hat in seinem aktuellen Bericht die Zahl der hitzebedingten Todesfälle auf etwa 12.500 geschätzt. Diese Schätzung bezieht sich auf den Zeitraum vom 6. April bis zum 2. August 2026. Besonders alarmierend ist die hohe Zahl von rund 9.600 Todesfällen, die während der Hitzewelle vom 22. bis 28. Juni verzeichnet wurden. Diese Schätzungen sind jedoch als konservativ einzustufen und könnten nachträglich angepasst werden, was die Unsicherheit in der Datenerhebung unterstreicht.
Warum hält der DIVI-Geschäftsführer die RKI-Zahl für zu niedrig?
Uwe Janssens kritisierte die RKI-Zahlen und betonte, dass die tatsächliche Zahl der Hitzetoten wahrscheinlich mehrere Tausend höher liegt. Viele Todesfälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, da auf den Totenscheinen häufig andere Ursachen wie Organversagen angegeben werden. Janssens erklärte, dass die Schätzungen des RKI „nicht die gesamte Dramatik abbilden“ und forderte eine umfassendere Erfassung der hitzebedingten Mortalität.
Besonders gefährdete Gruppen
Die Gefährdung durch extreme Hitze betrifft vor allem ältere Menschen, insbesondere solche, die allein leben und bereits Vorerkrankungen haben. Diese Gruppe ist besonders anfällig für die gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen, da sie oft nicht über die notwendigen Ressourcen oder Unterstützung verfügen, um sich während extremer Temperaturen zu schützen. Janssens wies darauf hin, dass in Deutschland Menschen nicht nur an der Hitze sterben, sondern auch an gesellschaftlicher Vernachlässigung.
Forderungen nach einem nationalen Hitzeschutzplan
- RKI schätzt 12.500 hitzebedingte Todesfälle in diesem Sommer.
- DIVI-Geschäftsführer Uwe Janssens hält diese Zahl für zu niedrig.
- Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Vorerkrankungen.
In Anbetracht der alarmierenden Zahlen fordert Janssens einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan. Er betont die Notwendigkeit, mehr finanzielle Mittel für den Hitzeschutz in Kliniken bereitzustellen. Zudem plädiert er für mehr Nachbarschaftshilfe und psychosoziale Unterstützung, um gefährdete Menschen während Hitzewellen frühzeitig zu erreichen. Ein Beispiel aus Frankreich zeigt, dass Kommunen registrierte vulnerable Personen aktiv kontaktieren, um sie zu unterstützen.
Die Rolle der Politik und Gesellschaft
Die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen in Bezug auf den Hitzeschutz ist für Janssens ein großes Anliegen. Er fordert ein Umdenken in der Politik, um die Gesundheit der Bevölkerung in Zeiten extremer Hitze zu schützen. Die gesellschaftliche Verantwortung, insbesondere in Bezug auf die Unterstützung älterer und kranker Menschen, muss ebenfalls gestärkt werden. Dies könnte durch die Schaffung von Netzwerken und Initiativen geschehen, die Nachbarschaftshilfe und soziale Unterstützung fördern.
Wie wird die Zahl der Hitzetoten ermittelt?
Die Ermittlung der Zahl der Hitzetoten erfolgt durch statistische Verfahren, da Hitze selten als direkte Todesursache auf Totenscheinen angegeben wird. Epidemiologen vergleichen die Sterblichkeit während Hitzewellen mit den erwarteten Sterbefällen in normalen Sommerwochen. Die Differenz zwischen diesen Zahlen wird als Übersterblichkeit bezeichnet und dient als Grundlage für die Schätzung der hitzebedingten Todesfälle.
Fazit

Die Diskussion um die Hitzetoten in Deutschland zeigt die dringende Notwendigkeit für umfassende Maßnahmen zum Hitzeschutz. Die Schätzungen des RKI könnten die Realität nicht vollständig abbilden, und Experten wie Uwe Janssens fordern mehr Engagement von der Politik und der Gesellschaft, um gefährdete Gruppen zu schützen. Ein nationaler Hitzeschutzplan könnte dazu beitragen, die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze zu minimieren und die Lebensqualität der betroffenen Menschen zu verbessern.
Häufige Fragen
Was sind die aktuellen Schätzungen zu Hitzetoten in Deutschland?
Warum hält der DIVI-Geschäftsführer die RKI-Zahl für zu niedrig?
Welche Gruppen sind besonders gefährdet durch Hitze?
Was fordert Uwe Janssens zur Verbesserung des Hitzeschutzes?
Wie wird die Zahl der Hitzetoten ermittelt?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Hitzetote und Gesundheitsschutz in Deutschland · Foto: michael spadoni / Pexels


