⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 04.07.2026
Immer mehr Gutverdiener geben den Traum vom Eigenheim auf. Hohe Eigenkapitalanforderungen und steigende Zinsen machen den Immobilienkauf unattraktiv.
- Eigenkapitalanforderungen steigen kontinuierlich.
- Hohe Nebenkosten belasten potenzielle Käufer.
- Familienunterstützung wird zunehmend notwendig.
Der Immobilienmarkt in Deutschland steht vor einer entscheidenden Wende. Trotz eines durchschnittlichen Eigenkapitals von 147.000 Euro geben immer mehr Gutverdiener den Traum vom Eigenheim auf. Die steigenden Anforderungen an das Eigenkapital, gepaart mit hohen Nebenkosten und Zinsen, machen den Immobilienkauf zunehmend unattraktiv.
Was sind die aktuellen Herausforderungen beim Immobilienkauf?

Die Anforderungen an Käufer sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro müssen Käufer in der Regel 20 Prozent Eigenkapital einbringen, was 120.000 Euro entspricht. Hinzu kommen Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer, die in Nordrhein-Westfalen 6,5 Prozent beträgt. Bei einem Kaufpreis von 600.000 Euro sind das allein 39.000 Euro, die zusätzlich aufgebracht werden müssen.
Die monatlichen Belastungen für Käufer sind ebenfalls erheblich. Bei einem Beleihungswert von 600.000 Euro und 120.000 Euro Eigenkapital ergibt sich ein Darlehen von 480.000 Euro. Bei einer Zinsbindung von 15 Jahren und einer anfänglichen Tilgung von zwei Prozent liegt die monatliche Belastung zwischen 2360 und 2560 Euro. Bei einer Finanzierung ohne Eigenkapital würde die Monatsrate sogar zwischen 3115 und 3375 Euro liegen. Diese hohen monatlichen Belastungen schrecken viele Käufer ab, selbst wenn sie über ein gutes Einkommen verfügen.
Die Rolle des Eigenkapitals im Immobilienkauf
Eigenkapital wird zunehmend zur entscheidenden Hürde für Käufer. Michael Voigtländer, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft, weist darauf hin, dass viele Haushalte im Alter zwischen 35 und 44 Jahren im Median nur über rund 22.000 Euro Finanzvermögen verfügen. Für viele ist es daher „utopisch“, die nötigen Eigenmittel für den Kauf aufzubauen. Diese Entwicklung zeigt, wie stark die Eigentumsfrage in Deutschland zur Vermögensfrage geworden ist.
Die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, hat auch Auswirkungen auf die Finanzierungskonditionen. Je weniger Eigenkapital Käufer einbringen, desto höher ist das Risiko für die Banken, was zu höheren Zinssätzen führt. Dies erhöht die monatlichen Belastungen zusätzlich und macht den Kauf noch unattraktiver.
Hohe Nebenkosten und ihre Auswirkungen
- Durchschnittliches Eigenkapital: 147.000 Euro
- Monatliche Belastung bei 600.000 Euro Kaufpreis: 2360 bis 3375 Euro
- Grunderwerbsteuer in NRW: 6,5%
Die Nebenkosten beim Immobilienkauf sind ein weiterer entscheidender Faktor. Neben der Grunderwerbsteuer müssen Käufer auch Notarkosten, Gebühren für das Grundbuch und gegebenenfalls Maklergebühren einplanen. Diese Kosten können schnell mehrere Zehntausend Euro betragen und erhöhen die Einstiegshürde für potenzielle Käufer erheblich. In vielen Fällen müssen diese Nebenkosten aus dem Eigenkapital bezahlt werden, was die finanzielle Belastung weiter erhöht.
Die Verbraucherzentrale NRW hat die monatlichen Belastungen für Käufer berechnet. Bei einem Beleihungswert von 600.000 Euro und 120.000 Euro Eigenkapital ergibt sich ein Darlehen von 480.000 Euro. Die hohen Nebenkosten und Zinsen machen den Immobilienkauf für viele unattraktiv.
Familienunterstützung als notwendige Voraussetzung
In der aktuellen Interhyp-Leistbarkeitsstudie geben 34 Prozent der Kaufplaner an, dass Unterstützung durch die Familie, sei es durch Erbe oder Schenkung, eine notwendige Voraussetzung für den Kauf ist. Diese Entwicklung zeigt, wie stark die Eigentumsfrage in Deutschland zur Vermögensfrage geworden ist. Wer bereits eine Immobilie besitzt, kann oft Kapital aus dem Verkauf der bisherigen Immobilie einbringen, während Erstkäufer auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind.
Die Abhängigkeit von familiärer Unterstützung ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Immobilienmarkt für viele Menschen unzugänglich geworden ist. Die hohen Einstiegshürden und die Notwendigkeit, mehr Eigenkapital aufzubringen, machen es für viele junge Familien und Erstkäufer schwierig, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
Die aktuelle wirtschaftliche Lage, die von Inflation und steigenden Zinsen geprägt ist, hat ebenfalls Auswirkungen auf den Immobilienmarkt. Die Zinsen für Baufinanzierungen liegen nun über vier Prozent, was viele Kaufinteressenten vorsichtiger agieren lässt. Höhere Zinsen führen dazu, dass viele Käufer sich gegen den Kauf entscheiden und stattdessen zur Miete wohnen bleiben.
Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, dass Käufer nicht mehr als 30 bis 35 Prozent ihres nachhaltig verfügbaren Nettoeinkommens für Zins und Tilgung einplanen sollten. Hinzu kommen Unterhaltungskosten wie Strom, Heizung, Wasser, Steuern, Versicherungen und Gebühren. Insgesamt sollte die Wohnbelastung 40 bis 45 Prozent des Nettoeinkommens nicht überschreiten.
Fazit

Die Kombination aus hohen Eigenkapitalanforderungen, steigenden Zinsen und hohen Nebenkosten macht den Immobilienkauf für viele Deutsche zunehmend unerreichbar. Selbst Gutverdiener mit einem Eigenkapital von 200.000 Euro scheitern oft am Traum vom Eigenheim. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf, insbesondere im Kontext der aktuellen wirtschaftlichen Lage, die von Inflation und steigenden Zinsen geprägt ist. Die Abhängigkeit von familiärer Unterstützung wird immer wichtiger, um den Zugang zum Immobilienmarkt zu erleichtern.
Häufige Fragen
Warum ist Eigenkapital beim Immobilienkauf wichtig?
Wie hoch sind die Nebenkosten beim Immobilienkauf?
Was sind die aktuellen Herausforderungen für Immobilienkäufer?
Wie viel Eigenkapital sollte man für den Immobilienkauf einplanen?
Welche Rolle spielt familiäre Unterstützung beim Immobilienkauf?
Quellen: Google News
Symbolbild: Familie bespricht den Immobilienkauf · Foto: Curtis Adams / Pexels


