⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 07.07.2026
Die Konjunktur im Handwerk zeigt 2026 stagnierende Tendenzen. Externe Faktoren wie der Iran-Krieg und steigende Energiepreise belasten die Branche erheblich.
- Handwerkskonjunktur stagniert
- Rückläufige Umsätze und Aufträge
- Politische Unsicherheiten verstärken die Krise
Die Konjunktur im Handwerk zeigt sich im Jahr 2026 als stagnierend. Laut dem aktuellen ZDH-Konjunkturbericht hat sich die Geschäftslage vieler Betriebe im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Externe Schocks, insbesondere der Iran-Krieg, sowie die damit verbundenen steigenden Energiepreise und angespannte Lieferketten belasten die Branche erheblich. Diese Entwicklungen werfen ein großes Fragezeichen hinter die Verfügbarkeit vieler Materialien und Produkte, was die Unsicherheit in der Branche weiter verstärkt.
Was ist die aktuelle Lage im Handwerk?

Die Handwerksbetriebe beurteilen ihre Geschäftslage spürbar schlechter als noch vor einem Jahr. Der Geschäftslageindikator ist von 20 auf 13 Punkte gefallen, was auf eine signifikante Eintrübung der Stimmung hinweist. Auch die Erwartungen der Betriebe haben sich eingetrübt, was sich im Geschäftsklimaindikator widerspiegelt, der um sechs Zähler auf 107 Punkte zurückgegangen ist. Diese Entwicklung zeigt, dass die zuvor vorhandene Aufwärtsdynamik bereits wieder verloren gegangen ist.
Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist der Umsatzindikator, der um zwei Zähler auf minus 25 Punkte gesunken ist. Dies deutet darauf hin, dass die Umsätze im Handwerk weiterhin rückläufig sind. Trotz dieser negativen Tendenzen erwarten die meisten Betriebe für das Frühjahr keine weiteren Umsatzrückgänge, was einen kleinen Hoffnungsschimmer darstellt.
Einfluss externer Faktoren auf die Handwerkskonjunktur
Die externen Schocks, insbesondere der Iran-Krieg, haben erhebliche Auswirkungen auf die globale Konjunktur und damit auch auf das Handwerk. Die explodierenden Energiepreise an den Rohstoffmärkten und die angespannten Lieferketten führen zu einem Dämpfer der globalen Nachfrage. Dies hat zur Folge, dass viele Handwerksbetriebe mit steigenden Kosten für Materialien und Vorleistungen konfrontiert sind, was die wirtschaftliche Lage weiter verschärft.
Die Energiepreissituation ist besonders kritisch, da sie sich zunächst vor allem beim Tanken der Fahrzeuge bemerkbar macht. Die höheren Energiekosten für Produktion und Heizung werden erst zeitverzögert spürbar, da im Handwerk in der Regel länger laufende Versorgerverträge mit festen Entgelten bestehen. Diese Verzögerung könnte die Betriebe in eine noch schwierigere Lage bringen, wenn die Verträge auslaufen und die neuen Preise in Kraft treten.
Auftragslage und Investitionen im Handwerk
- Umsatzindikator: -25 Punkte
- Geschäftslageindikator: 13 Punkte
- Auftragsreichweite: 8,9 Wochen
Die Auftragslage im Handwerk ist ebenfalls angespannt. Die durchschnittliche Auftragsreichweite liegt bei knapp 8,9 Wochen, was einen Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. Die Auftragspolster schrumpfen erneut und diesmal stärker als zuvor. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Betriebe weniger Aufträge erhalten und somit weniger Möglichkeiten haben, ihre Kapazitäten auszulasten.
Die Investitionstätigkeit bleibt verhalten, da viele Betriebe sich auf das absolut Notwendige beschränken. Der Investitionsindikator zeigt einen Rückgang, was als Warnsignal interpretiert werden kann. Eine zurückhaltende Investitionspolitik könnte langfristig negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Branche haben.
Demografische Herausforderungen und Fachkräftemangel
Ein weiteres Problem, das die Handwerkskonjunktur belastet, ist der Fachkräftemangel. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass für viele offene Stellen keine ausreichend qualifizierten Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Dies verstärkt die ohnehin schon schwierige Lage der Betriebe, die auf qualifiziertes Personal angewiesen sind, um ihre Dienstleistungen anbieten zu können.
Die saisonal schwächere Nachfrage nach Arbeitskräften im Winter wird durch die aktuelle Konjunkturflaute zusätzlich gedämpft. Dies könnte dazu führen, dass viele Betriebe Schwierigkeiten haben, ihre Aufträge fristgerecht zu erfüllen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Kundenzufriedenheit und die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen haben könnte.
Politische Rahmenbedingungen und Reformbedarf
Die Unsicherheiten in der Handwerkskonjunktur sind nicht nur auf externe Faktoren zurückzuführen, sondern auch auf die politischen Rahmenbedingungen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) fordert dringend Reformen, um die Situation zu verbessern. Dazu gehören weniger Bürokratie, eine Absenkung der Steuer- und Abgabenlast sowie verlässliche Energiekosten.
Die Notwendigkeit eines umfassenden Reformpakets wird immer deutlicher, da die Betriebe zunehmend das Vertrauen in die politischen Entscheidungen verlieren. Der ausgebliebene Reformherbst hat das Vertrauen in einen möglichen Reformfrühling auf einen Tiefpunkt gesenkt. Ohne klare Perspektiven und verlässliche Rahmenbedingungen wird es für die Betriebe schwierig, sich auf die Zukunft einzustellen und notwendige Investitionen zu tätigen.
Fazit

Die Konjunktur im Handwerk steht 2026 vor großen Herausforderungen. Externe Schocks, steigende Energiepreise und politische Unsicherheiten belasten die Branche erheblich. Die Rückgänge bei Umsatz und Aufträgen sowie die stagnierende Investitionstätigkeit sind alarmierende Signale. Um die Situation zu verbessern, sind umfassende Reformen und eine klare politische Perspektive notwendig, um das Vertrauen der Betriebe zurückzugewinnen und die Wettbewerbsfähigkeit des Handwerks zu sichern.
Häufige Fragen
Was sind die Hauptursachen für die Stagnation im Handwerk?
Wie hat sich die Geschäftslage im Handwerk entwickelt?
Welche Auswirkungen haben steigende Energiepreise auf das Handwerk?
Wie sieht die Prognose für das Handwerk 2026 aus?
Welche Reformen fordert das Handwerk?
Quellen: Google News
Symbolbild: Aktuelle Herausforderungen im Handwerk · Foto: Mikael Blomkvist / Pexels


