StartSteuern & RechtNachlassplanung: Mit 400.000-Euro-Freibeträgen sechsstellig sparen

Nachlassplanung: Mit 400.000-Euro-Freibeträgen sechsstellig sparen

⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 07.06.2026

Die frühzeitige Planung der Nachlassregelung kann erheblich zur Reduzierung der Erbschaftsteuer beitragen. Mit einem Freibetrag von bis zu 400.000 Euro pro Kind lassen sich durch strategische Vermögensübertragungen sechsstellige Beträge sparen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frühzeitige Vermögensübertragung ist entscheidend.
  • Freibeträge von 400.000 Euro pro Kind alle zehn Jahre nutzbar.
  • Nießbrauch-Depots helfen, die Erbmasse zu reduzieren.

Die frühzeitige Planung der Nachlassregelung ist für viele Familien von entscheidender Bedeutung, um die Erbschaftsteuer zu minimieren. In Deutschland können durch geschickte Vermögensübertragungen und die Nutzung von Freibeträgen von bis zu 400.000 Euro pro Kind erhebliche Beträge gespart werden. Diese Strategie ist besonders relevant, da die Erbschaftsteuer je nach Verwandtschaftsgrad und Vermögenshöhe bis zu 50 % betragen kann.

Was sind die Freibeträge bei der Erbschaftsteuer?

Nachlassplanung und Erbschaftsteuer
Symbolbild: Nachlassplanung und Erbschaftsteuer · Foto: Leeloo The First / Pexels

Die Freibeträge sind ein zentrales Element der Nachlassplanung. Jeder Elternteil kann seinem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei übertragen. Dies bedeutet, dass über einen Zeitraum von 30 Jahren mehr als zwei Millionen Euro pro Kind steuerfrei übertragen werden können. Diese Regelung ermöglicht es Familien, Vermögen strategisch zu übertragen und die Steuerlast erheblich zu senken.

Zusätzlich gibt es Freibeträge für andere Verwandte, wie Enkelkinder, die 200.000 Euro steuerfrei erben können. Für Eltern und Großeltern liegt der Freibetrag bei 100.000 Euro, während Geschwister, Nichten und Neffen nur 20.000 Euro steuerfrei erhalten können. Diese Unterschiede in den Freibeträgen verdeutlichen die Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen bei der Nachlassplanung.

Frühzeitige Vermögensübertragung als Schlüssel zur Steuerersparnis

Ein zentraler Aspekt der Nachlassplanung ist die frühzeitige Vermögensübertragung. Wer bereits zu Lebzeiten Vermögen an seine Kinder überträgt, kann die Freibeträge mehrfach ausschöpfen. Dies ist besonders vorteilhaft, da die Steuerbefreiungen bei Schenkungen alle zehn Jahre neu zur Verfügung stehen. Ein Beispiel verdeutlicht dies: Ein Großvater, der seinem Enkel am 1. Mai 2026 200.000 Euro schenkt, kann zehn Jahre später erneut den Freibetrag nutzen.

Ein weiterer Vorteil der frühzeitigen Übertragung ist die Möglichkeit, die Erbmasse zu reduzieren. Durch die Schenkung von Vermögenswerten, wie Immobilien oder Wertpapieren, können Eltern die steuerliche Belastung im Erbfall erheblich senken. Dies ist besonders wichtig, da viele Familien erst im Erbfall erkennen, wie hoch die Steuerlast tatsächlich ist.

Nießbrauch-Depots und deren Vorteile

Fakten auf einen Blick

  • Freibetrag für Kinder: 400.000 Euro pro Elternteil
  • Erbschaftsteuer kann bis zu 50 % betragen
  • Steuerbefreiung für selbstgenutzte Immobilien unter bestimmten Bedingungen

Eine interessante Möglichkeit zur Vermögensübertragung sind Nießbrauch-Depots. Hierbei übertragen Eltern das Eigentum an Wertpapieren auf ihre Kinder, behalten sich jedoch die Erträge, wie Dividenden, vor. Diese Regelung hat den Vorteil, dass die spätere Erbmasse reduziert wird, während die Eltern weiterhin wirtschaftlich von den Anlagen profitieren können. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn es darum geht, die Steuerlast im Erbfall zu minimieren.

Darüber hinaus können Kinderdepots aktiviert werden, um die steuerlichen Freibeträge der Jüngsten zu nutzen. Der Sparer-Pauschbetrag liegt im Jahr 2026 bei 1.000 Euro, während der Grundfreibetrag bei 12.348 Euro liegt. Bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro über 18 Jahre und einer Rendite von 6 % kann ein Endvermögen von rund 38.800 Euro entstehen, das weitgehend steuerfrei bleibt.

Die Kostenfalle Berliner Testament

Das Berliner Testament, bei dem Ehegatten sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen, kann steuerlich nachteilig sein. Im ersten Erbfall verfallen die Freibeträge der Kinder, was zu einer hohen Steuerlast führen kann. Ein Beispiel zeigt die Dimensionen: Bei einem Vermögen von 1,7 Millionen Euro würden ursprünglich 199.500 Euro Erbschaftsteuer anfallen. Durch eine Erbausschlagung gegen Abfindung kann diese Belastung jedoch auf rund 31.000 Euro gesenkt werden.

Es ist daher ratsam, sich frühzeitig mit den steuerlichen Konsequenzen eines Berliner Testaments auseinanderzusetzen und gegebenenfalls alternative Regelungen in Betracht zu ziehen, um die Steuerlast zu optimieren.

Stiftungen als Alternative zur Nachlassplanung

Eine weitere Möglichkeit zur steueroptimierten Nachlassplanung sind Stiftungen. Eine Treuhandstiftung kann bereits ab einem Kapitalstock von 25.000 Euro gegründet werden. Zuwendungen zu Lebzeiten sind von der Einkommensteuer absetzbar, was einen zusätzlichen steuerlichen Vorteil bietet. Nach dem Erbfall haben Erben 24 Monate Zeit, Vermögen in eine Stiftung einzubringen, wobei die gezahlte Erbschaftsteuer erstattet wird.

Stiftungen bieten nicht nur steuerliche Vorteile, sondern auch die Möglichkeit, Vermögen langfristig zu sichern und nach den eigenen Vorstellungen zu verwalten. Dies kann insbesondere für wohlhabende Familien eine interessante Option sein, um die Nachlassplanung zu gestalten.

Fazit: Frühzeitig planen zahlt sich aus

Nachlassplanung und Erbschaftsteuer
Symbolbild: Nachlassplanung und Erbschaftsteuer · Foto: Kampus Production / Pexels

Die Nachlassplanung ist ein komplexes Thema, das jedoch mit der richtigen Strategie erheblich vereinfacht werden kann. Durch die frühzeitige Nutzung von Freibeträgen und die gezielte Vermögensübertragung können Familien erhebliche Steuerersparnisse erzielen. Es ist ratsam, sich frühzeitig mit einem Steuerberater oder Notar zusammenzusetzen, um die besten Optionen für die individuelle Situation zu ermitteln. Je früher man plant, desto größer ist die Steuerersparnis.

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Freibeträge bei der Erbschaftsteuer?
Der Freibetrag für Kinder beträgt 400.000 Euro pro Elternteil. Das bedeutet, dass ein Kind insgesamt bis zu 800.000 Euro steuerfrei erben kann, wenn es von beiden Elternteilen erbt.
Was ist ein Nießbrauch-Depot?
Ein Nießbrauch-Depot ermöglicht es Eltern, das Eigentum an Wertpapieren auf ihre Kinder zu übertragen, während sie sich die Erträge wie Dividenden vorbehalten. Dies reduziert die Erbmasse und ermöglicht den Eltern, weiterhin wirtschaftlich von den Anlagen zu profitieren.
Wie kann ich die Steuerlast bei der Nachlassplanung senken?
Durch frühzeitige Schenkungen und die Nutzung der Freibeträge alle zehn Jahre können erhebliche Steuerersparnisse erzielt werden. Zudem können Immobilien unter bestimmten Bedingungen steuerfrei vererbt werden.
Was ist ein Berliner Testament?
Ein Berliner Testament ist eine Form des Testaments, bei dem Ehegatten sich gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Diese Regelung kann jedoch steuerlich nachteilig sein, da die Freibeträge der Kinder im ersten Erbfall verfallen.
Wie funktioniert die 10-Jahres-Regel bei Schenkungen?
Die 10-Jahres-Regel besagt, dass Schenkungsfreibeträge alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden können. Wer frühzeitig mit Schenkungen beginnt, kann über einen längeren Zeitraum hinweg Vermögen steuerfrei übertragen.

Quellen: Google News

Symbolbild: Nachlassplanung und Erbschaftsteuer · Foto: Atlantic Ambience / Pexels

Stefan Wagner
Stefan Wagner
Stefan Wagner widmet sich den Themen Altersvorsorge und Versicherungen. Er erklärt verständlich, welche Vorsorgemodelle es gibt und worauf man bei langfristigen Entscheidungen achten sollte. Bei Finanz-Echo möchte er dazu beitragen, dass auch trockene Themen wie Renten- und Absicherungsfragen greifbar werden.
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