⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 16.06.2026
Die neue Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu Nießbrauch und Schenkung bringt bedeutende Änderungen für Immobilienbesitzer und deren Nachfolgeplanung mit sich.
- BFH ändert Praxis zur Nießbrauch-Ablösung
- Steuerpflicht bei entgeltlichem Verzicht auf Nießbrauch
- Neues Freibetragsmodell könnte Erbschaftssteuer reformieren
Die neue Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu Nießbrauch und Schenkung hat weitreichende Änderungen für Immobilienbesitzer und deren Nachfolgeplanung zur Folge. Insbesondere das Urteil IX R 4/24 vom 10. Oktober 2025 hat die steuerliche Behandlung von Nießbrauch-Ablösungen grundlegend verändert. Diese Entwicklungen sind besonders relevant in einem wirtschaftlichen Umfeld, das von Inflation, Zinsveränderungen und den Herausforderungen der Erbfolge geprägt ist.
Was ist Nießbrauch?

Nießbrauch ist ein rechtliches Konzept, das es einer Person ermöglicht, die Erträge aus einer Immobilie zu nutzen, während das Eigentum an dieser Immobilie bei einer anderen Person verbleibt. Dies bedeutet, dass der Nießbraucher beispielsweise Mieteinnahmen erzielen kann, ohne dass ihm das Eigentum an der Immobilie gehört. Diese Regelung wird häufig in der Nachfolgeplanung verwendet, um Vermögen steuerlich günstig zu übertragen und gleichzeitig die Nutzung der Immobilie zu sichern.
Änderungen durch das BFH-Urteil IX R 4/24
Mit dem Urteil IX R 4/24 hat der BFH eine jahrzehntelange Praxis gekippt. Bisher galt, dass der Verzicht auf ein Nießbrauchrecht gegen eine Einmalzahlung als steuerfreie Vermögensumschichtung behandelt wurde. Nun jedoch wird dieser Verzicht als steuerpflichtige Einkunft angesehen, wenn die Immobilie zum Zeitpunkt des Verzichts vermietet war. Dies bedeutet, dass Immobilienbesitzer, die auf ihr Nießbrauchrecht verzichten, künftig mit einer erheblichen Steuerlast rechnen müssen.
Die Entscheidung des BFH hat weitreichende Konsequenzen für die Steuerplanung von Immobilienbesitzern. Steuerexperten empfehlen, alternative Modelle wie den sukzessiven Nießbrauchsabbau oder befristete Vereinbarungen in Betracht zu ziehen, um die steuerlichen Auswirkungen zu minimieren.
Die Auswirkungen auf die Schenkungssteuer
- BFH-Urteil IX R 4/24 vom 10. Oktober 2025
- Einmalige Lebensfreibetrag von rund einer Million Euro geplant
- Freibeträge für Kinder seit über einem Jahrzehnt unverändert
Die Schenkungssteuer ist ein zentrales Thema in der Nachfolgeplanung. Derzeit gelten für Schenkungen an Kinder Freibeträge von 400.000 Euro pro Elternteil alle zehn Jahre. Diese Freibeträge sind seit über einem Jahrzehnt unverändert und werden in vielen Regionen von den steigenden Immobilienwerten übertroffen. Dies führt dazu, dass selbst durchschnittliche Eigenheime in vielen Fällen die Freibetragsgrenzen überschreiten, was zu einer hohen Steuerlast für die Beschenkten führt.
Im Januar 2026 hat die SPD mit ihrem „FairErben“-Konzept einen Vorschlag unterbreitet, der die Einführung eines einmaligen Lebensfreibetrags von rund einer Million Euro pro Beschenktem vorsieht. Dieser Vorschlag könnte die bisherigen Freibeträge ersetzen und die Zehn-Jahres-Regel abschaffen. Dies würde die Schenkungssteuer erheblich vereinfachen und könnte viele Familien entlasten.
Steuerliche Planung und Flexibilität
Die aktuellen Entwicklungen erfordern von Immobilienbesitzern eine flexible und vorausschauende Planung. Angesichts der Unsicherheiten in der Steuerpolitik und der möglichen Einführung neuer Freibeträge ist es ratsam, Verträge mit robusten Widerrufsklauseln zu gestalten. Diese Klauseln ermöglichen Anpassungen an ein möglicherweise verändertes Steuerrecht und bieten somit einen gewissen Schutz vor unvorhergesehenen steuerlichen Belastungen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die demografische Entwicklung. Schätzungen zufolge ist bereits mehr als ein Drittel der mittelständischen Unternehmer und Immobilienbesitzer über 60 Jahre alt. Dies führt zu einem Trend hin zu vorweggenommenen Erbfolgen, bei denen Vermögen bereits zu Lebzeiten übertragen wird, um steuerliche Vorteile zu nutzen und die Nachfolge zu regeln.
Praktische Tipps zur Steueroptimierung
Fazit

Die neuen Regelungen zur Besteuerung von Nießbrauch und Schenkung stellen Immobilienbesitzer vor große Herausforderungen, bieten jedoch auch Chancen zur Steueroptimierung. Die Änderungen durch das BFH-Urteil IX R 4/24 und die möglichen neuen Freibeträge erfordern eine sorgfältige Planung und Anpassung der bestehenden Verträge. Durch die Nutzung von Nießbrauch und die Berücksichtigung der aktuellen steuerlichen Rahmenbedingungen können Familien ihre Vermögensübertragungen effizient gestalten und steuerliche Belastungen minimieren.
Häufige Fragen
Was ist Nießbrauch?
Wie hat sich die BFH-Rechtsprechung geändert?
Was bedeutet der neue Lebensfreibetrag?
Welche steuerlichen Folgen hat der Verzicht auf Nießbrauch?
Wie kann ich bei Schenkungen Steuern sparen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Nießbrauch und Schenkung im Fokus · Foto: Isa Noriega 🌸 / Pexels


