⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 23.06.2026
Die Öffnung der Straße von Hormus gibt Hoffnung auf sinkende Ölpreise, doch Experten warnen, dass die Normalisierung des Ölmarkts Jahre in Anspruch nehmen könnte.
- Ölmarkt könnte Jahre für Rückkehr zum Vorkriegsniveau benötigen.
- 1 bis 1,5 Milliarden Barrel Öl gingen seit Kriegsbeginn verloren.
- OPEC+ plant Anhebung der Förderung, um Angebot zu stabilisieren.
Die Öffnung der Straße von Hormus hat die Hoffnung auf sinkende Ölpreise neu entfacht. Doch Experten warnen, dass die Rückkehr des Ölmarkts zum Vorkriegsniveau Jahre in Anspruch nehmen könnte. Rob Thummel, Senior Portfolio Manager bei Tortoise Capital, erklärt, dass die Normalisierung des Marktes nicht nur von der Wiedereröffnung der Wasserstraße abhängt, sondern auch von der Notwendigkeit, die weltweit verlorenen Öllagerbestände wieder aufzufüllen.
Was geschah nach der Öffnung der Straße von Hormus?

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den globalen Öltransport. Vor dem Krieg wurde dort etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls transportiert. Seit dem Beginn des Konflikts Ende Februar 2026 gingen Schätzungen zufolge zwischen 1 und 1,5 Milliarden Barrel Öl verloren. Diese massiven Verluste haben nicht nur die Ölpreise in die Höhe getrieben, sondern auch die globalen Energiemärkte destabilisiert.
Die Rückkehr zu einem stabilen Ölangebot wird durch die Tatsache erschwert, dass die Lagerbestände weltweit erst wieder aufgefüllt werden müssen. Thummel betont, dass es mindestens ein Jahr dauern könnte, bis die Lagerbestände ein Niveau erreichen, das einen Ölpreis in den 60 US-Dollar ermöglicht. Dies ist besonders relevant, da die Preise für Brent-Öl Mitte Juni 2026 noch rund 15 Prozent über dem Vorkriegsniveau lagen.
Die Rolle der OPEC+ in der Normalisierung
Eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung des Ölmarkts spielt die OPEC+. Am 7. Juni 2026 haben die Mitgliedsstaaten, darunter Saudi-Arabien und Russland, beschlossen, die Förderung im Juli 2026 um 188.000 Barrel pro Tag anzuheben. Diese Maßnahme soll helfen, die seit 2023 bestehenden freiwilligen Kürzungen zurückzunehmen und das Angebot zu stabilisieren. Jay Hatfield, Chief Investment Officer bei Infrastructure Capital Advisors, erwartet, dass eine Förderung über dem Vorkriegsniveau die Lücken rasch schließen könnte.
Die OPEC+ steht jedoch unter Druck, die Produktion schnell zu erhöhen, um den Verlust auszugleichen. Politischer Druck, insbesondere von der US-Regierung, könnte dazu führen, dass Länder wie Saudi-Arabien ihre Förderung bis an die Grenzen erhöhen. Dies könnte kurzfristig zu einer Überversorgung führen, die die Preise drücken könnte, jedoch langfristig die Stabilität des Marktes gefährden könnte.
Einfluss auf die Inflation und die Wirtschaft
- Weltweit gingen seit Kriegsbeginn 1 bis 1,5 Milliarden Barrel Öl verloren.
- Die US-Sorte WTI notierte vor dem Krieg bei etwa 67 US-Dollar je Barrel.
- Brent-Öl lag Mitte Juni 2026 rund 15 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
Die Unsicherheit über die Ölversorgung hat direkte Auswirkungen auf die Inflation. Steigende Ölpreise erhöhen die Kosten für Energie und Transport, was sich auf die Preise für Konsumgüter auswirkt. Der breite Index der Konsumentenpreise in den USA stieg im Mai 2026 um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was teilweise auf die hohen Energiepreise zurückzuführen ist. Diese Entwicklung könnte die Zentralbanken dazu veranlassen, ihre Geldpolitik anzupassen, um die Inflation zu kontrollieren.
Die Europäische Zentralbank könnte, abhängig von der Entwicklung der Ölpreise, gezwungen sein, Zinserhöhungen in Betracht zu ziehen. Ein stabiler Ölpreis könnte helfen, den Inflationsdruck zu senken und die wirtschaftliche Erholung in Europa zu unterstützen. Experten warnen jedoch, dass die Effekte des Konflikts noch über Monate spürbar sein werden, selbst wenn die Straße von Hormus dauerhaft offen bleibt.
Langfristige Perspektiven für den Ölmarkt
Die Rückkehr des Ölmarkts zum Vorkriegsniveau wird nicht nur von der Wiedereröffnung der Straße von Hormus abhängen, sondern auch von der globalen Nachfrage und dem Angebot. Die Internationalen Energieagentur (IEA) hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen des Angebotsverlusts abzufedern. Am 11. März 2026 einigten sich die 32 Mitgliedsländer der IEA darauf, 400 Millionen Barrel aus ihren Notreserven freizugeben, was die größte derartige Freigabe in der Geschichte der Behörde darstellt.
Dennoch bleibt die Frage, wie schnell sich die Märkte stabilisieren können. Die Unsicherheit über die Sicherheit der Passage durch die Straße von Hormus und die Notwendigkeit, Minen zu räumen und die Infrastruktur wiederherzustellen, könnten die Normalisierung weiter verzögern. Experten warnen, dass die Nachwirkungen des Krieges noch viele Monate oder sogar Jahre spürbar sein werden.
Fazit

Die Öffnung der Straße von Hormus hat zwar die Hoffnung auf sinkende Ölpreise geweckt, doch die Realität zeigt, dass die Normalisierung des Ölmarkts Jahre in Anspruch nehmen könnte. Die massiven Verluste an Öl und die Notwendigkeit, die Lagerbestände wieder aufzufüllen, stellen große Herausforderungen dar. Die OPEC+ wird eine entscheidende Rolle spielen, um das Angebot zu stabilisieren, während die Inflation und die wirtschaftliche Erholung weiterhin von den Entwicklungen auf dem Ölmarkt abhängen werden.
Häufige Fragen
Warum dauert die Normalisierung des Ölmarkts so lange?
Wie beeinflusst die Ölpreisentwicklung die Inflation?
Was plant die OPEC zur Stabilisierung des Ölmarkts?
Wie wird sich die Situation auf die globalen Märkte auswirken?
Wann könnten die Ölpreise wieder auf Vorkriegsniveau fallen?
Symbolbild: Ölmarkt und seine Herausforderungen nach dem Krieg · Foto: Zifeng Xiong / Pexels


