⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 22.07.2026
Der erneute Anstieg der Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen hat weitreichende Auswirkungen auf Schwellenländer und die globalen Märkte. Die aktuelle Situation erfordert eine differenzierte Betrachtung der wirtschaftlichen Folgen.
- Brent-Ölpreis erreicht 88 Dollar
- Schwellenländer leiden unter Inflation
- Rohstoffexporteure profitieren von hohen Preisen
Der Ölpreis hat am Wochenende einen signifikanten Anstieg erfahren und liegt nun bei knapp 88 Dollar pro Barrel. Dies stellt den stärksten Wochengewinn seit April dar und ist eine direkte Folge der jüngsten Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Iran. Teheran hat das Interimsabkommen aufgekündigt, was zu einer aktiven Kontrolle der Durchfahrt durch die Straße von Hormus durch die Revolutionsgarden führt. Diese geopolitischen Spannungen haben die globalen Märkte in Alarmbereitschaft versetzt und werfen Fragen über die Stabilität der Schwellenländer auf.
Was ist der aktuelle Stand der Ölpreise?

Die aktuellen Entwicklungen im Ölmarkt sind alarmierend. Der Brent-Ölpreis hat die Marke von 88 Dollar überschritten, was auf eine angespannte Versorgungslage hinweist. Im Gegensatz zum ersten Ölschock im März, als Notfallreserven und Chinas Importzurückhaltung die Auswirkungen abmilderten, sind diese Puffer nun aufgebraucht. Laut JPMorgan befinden sich die globalen Lagerbestände ohne Berücksichtigung Chinas auf einem Rekordtief. Dies könnte zu weiteren Preisanstiegen führen, die sich direkt auf die Inflation und die wirtschaftliche Stabilität vieler Länder auswirken.
Wie reagieren Schwellenländer auf den Ölschock?
Die Auswirkungen des Ölschocks sind in Schwellenländern besonders spürbar. Nettoenergieimporteure wie Kolumbien, Südafrika, Indonesien, die Philippinen und Sri Lanka sehen sich mit einer Kombination aus Inflation, Währungsabwertung und steigenden Zinsen konfrontiert. Diese Länder haben bereits begonnen, ihre Zinssätze zu erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen, während andere geplante Zinssenkungen verschieben mussten. Die Situation ist angespannt, da die hohen Rohstoffpreise die wirtschaftliche Erholung gefährden könnten.
Auf der anderen Seite profitieren Rohstoffexporteure von den steigenden Preisen. Länder, die über reichhaltige Rohstoffvorkommen verfügen, können von den hohen Preisen profitieren und ihre wirtschaftliche Stabilität sichern. Diese Differenzierung zwischen Nettoenergieimporteuren und Rohstoffexporteuren ist entscheidend für Anleger, die in Schwellenländer investieren möchten.
Die Rolle von Nahrungsmitteln und Düngemitteln
- Brent-Ölpreis: knapp 88 Dollar
- Stärkster Wochengewinn seit April
- Schwellenländer mit Nettoenergieimporten betroffen
Ein weiterer kritischer Aspekt des aktuellen Ölschocks ist die Rolle von Nahrungsmitteln in den Warenkörben vieler Schwellenländer. In vielen dieser Länder machen Nahrungsmittel rund 30 Prozent des Warenkorbs aus. Die steigenden Düngerkosten, die durch die hohen Ölpreise und die außergewöhnlich starke El-Niño-Wetterkonstellation im Pazifik verstärkt werden, könnten die Nahrungsmittelpreise weiter in die Höhe treiben. Dies wird die Inflation zusätzlich anheizen und die Kaufkraft der Verbraucher in diesen Ländern weiter belasten.
Prognosen für Schwellenländer
Die wirtschaftlichen Prognosen für Schwellenländer ohne China standen Ende Juni noch bei 4,2 Prozent Wachstum, nach 4,9 Prozent im Vorjahr. Diese Prognose beruhte auf einer schrittweisen Normalisierung der wirtschaftlichen Bedingungen. Doch die jüngsten Entwicklungen im Ölmarkt stellen diese Prognosen in Frage. Analysten warnen, dass die Unsicherheiten und Risiken, die mit den steigenden Ölpreisen verbunden sind, die wirtschaftliche Erholung gefährden könnten.
Investoren, die in Schwellenländer als Block investieren, müssen sich bewusst sein, dass sie sowohl Gewinner als auch Verlierer in einem Topf mischen. Eine fokussierte Anlagestrategie, die auf spezifische Länder und deren wirtschaftliche Geschichten eingeht, könnte sich als vorteilhaft erweisen.
Anlagemöglichkeiten in der aktuellen Situation
Für Anleger, die von den hohen Rohstoffpreisen profitieren möchten, gibt es einige interessante Optionen. Der iShares MSCI EM Latin America UCITS ETF bildet die Region ungefiltert ab und hat in den letzten zwölf Monaten ein Plus von 42,2 Prozent verzeichnet. Brasilien, das 53,7 Prozent des ETFs ausmacht, und Mexiko, das 23,5 Prozent ausmacht, sind die Hauptakteure. Die laufenden Kosten von 0,20 Prozent sind für einen Regionen-ETF bemerkenswert niedrig, und die Ausschüttungsrendite beträgt aktuell 3,37 Prozent.
Ein weiteres Beispiel ist der Xtrackers MSCI Singapore UCITS ETF, der in den letzten drei Monaten um 12,7 Prozent gestiegen ist. Singapur, als Nettoenergieimporteur, profitiert von stabilen Institutionen und einer starken Währung. Diese Eigenschaften machen den ETF in der aktuellen Situation attraktiv, auch wenn die zehn größten Positionen 73,3 Prozent des Index ausmachen.
Fazit

Der aktuelle Ölschock 2.0 hat weitreichende Auswirkungen auf die globalen Märkte und insbesondere auf Schwellenländer. Während Nettoenergieimporteure unter Inflation und Währungsabwertung leiden, profitieren Rohstoffexporteure von den hohen Preisen. Anleger sollten die Differenzierung zwischen diesen Ländern berücksichtigen und gezielte Investitionen in Betracht ziehen, um von den aktuellen Entwicklungen zu profitieren. Die Unsicherheiten im Ölmarkt erfordern eine sorgfältige Analyse und Anpassung der Anlagestrategien.
Häufige Fragen
Was sind die Ursachen des aktuellen Ölschocks?
Wie reagieren Schwellenländer auf die steigenden Ölpreise?
Welche Auswirkungen hat der Ölschock auf die Inflation?
Wie können Anleger von der Situation profitieren?
Was sind die langfristigen Folgen des Ölschocks?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Ölschock 2.0 und seine Auswirkungen · Foto: Markus Winkler / Pexels


