StartGeldanlage & ETFsPFOF-Verbot: Wie Neobroker reagieren & was das für Anleger heißt

PFOF-Verbot: Wie Neobroker reagieren & was das für Anleger heißt

⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 30.06.2026

Ab dem 1. Juli 2026 wird das Payment for Order Flow (PFOF) in der EU verboten. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Neobroker und deren Kunden.

Das Wichtigste in Kürze

  • PFOF-Verbot soll Interessenkonflikte im Brokerage beseitigen.
  • Neobroker reagieren mit Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle.
  • Kunden sollten auf mögliche Gebührenänderungen achten.
  • Transparenz im Wertpapierhandel wird gestärkt.
  • Langfristige Auswirkungen auf die Kostenstruktur sind zu erwarten.

Ab dem 1. Juli 2026 wird das Payment for Order Flow (PFOF) in der gesamten Europäischen Union verboten. Dieses Verbot hat weitreichende Konsequenzen für die Neobroker und deren Kunden, da es die Art und Weise, wie Wertpapierhandel finanziert wird, grundlegend verändert. PFOF ermöglichte es Brokern, durch die Weiterleitung von Kundenaufträgen an bestimmte Handelsplätze Rückvergütungen zu erhalten, was oft zu günstigen oder sogar kostenlosen Handelsmöglichkeiten führte. Mit dem Inkrafttreten des Verbots müssen die Neobroker ihre Geschäftsmodelle anpassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was ist das PFOF-Verbot?

PFOF-Verbot und seine Auswirkungen auf Anleger
Symbolbild: PFOF-Verbot und seine Auswirkungen auf Anleger · Foto: Kampus Production / Pexels

Das PFOF-Verbot ist eine regulatorische Maßnahme der EU, die darauf abzielt, Interessenkonflikte im Brokerage zu beseitigen. Broker könnten versucht sein, Aufträge an den Handelsplatz mit der höchsten Rückvergütung weiterzuleiten, anstatt den besten Preis für den Kunden zu wählen. Dies widerspricht der Pflicht zur bestmöglichen Ausführung, die Anleger gemäß der MiFID II-Richtlinie haben. Das Verbot soll die Transparenz im Wertpapierhandel erhöhen und sicherstellen, dass die Interessen der Anleger im Vordergrund stehen.

Wie reagieren Neobroker auf das PFOF-Verbot?

Neobroker wie Scalable Capital und Trade Republic haben bereits Maßnahmen ergriffen, um sich auf das PFOF-Verbot vorzubereiten. Scalable Capital hat bereits 2024 sein Geschäftsmodell umgebaut und betreibt seitdem die European Investor Exchange (EIX), eine eigene Börse, über die ein Großteil der Orders abgewickelt wird. Dadurch kann der Broker Einnahmen über den Spread generieren, anstatt auf Rückvergütungen angewiesen zu sein.

Trade Republic hat ebenfalls eine eigene MTF-Lizenz erhalten, die es dem Unternehmen ermöglicht, einen eigenen Handelsplatz zu betreiben. Dies gibt dem Broker die Möglichkeit, die Kontrolle über die Handelsbedingungen zu behalten und die Kosten für die Kunden stabil zu halten. Beide Anbieter haben betont, dass sie an ihren kostenlosen ETF-Sparplänen festhalten wollen, was für viele Anleger ein wichtiges Argument für die Nutzung dieser Plattformen darstellt.

Was bedeutet das für Anleger?

Fakten auf einen Blick

  • PFOF-Verbot tritt am 1. Juli 2026 in Kraft.
  • Neobroker müssen Geschäftsmodelle anpassen.
  • Scalable Capital hat bereits 2024 umgebaut.
  • Trade Republic hält eine eigene MTF-Lizenz seit 2026.
  • Kostenlose ETF-Sparpläne bleiben voraussichtlich bestehen.

Für Anleger bedeutet das PFOF-Verbot, dass sie sich auf mögliche Änderungen in den Gebührenstrukturen ihrer Broker einstellen müssen. Während viele Neobroker versichern, dass sie die Kosten nicht erhöhen wollen, könnte es dennoch zu Anpassungen kommen, insbesondere bei weniger liquiden Märkten oder außerhalb der regulären Handelszeiten. Anleger sollten daher die Preisverzeichnisse ihrer Broker genau im Auge behalten und auf mögliche Änderungen bei den Spreads achten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Transparenz im Wertpapierhandel. Mit dem Verbot von PFOF wird erwartet, dass die Orderausführung stärker am Kundeninteresse ausgerichtet wird. Anleger sollten jedoch wachsam bleiben, da die tatsächlichen Kosten für den Handel möglicherweise nicht sofort sichtbar sind und sich in den Spreads verstecken können.

Langfristige Auswirkungen auf die Kostenstruktur

Die langfristigen Auswirkungen des PFOF-Verbots auf die Kostenstruktur der Neobroker sind noch nicht vollständig absehbar. Während einige Anbieter bereits alternative Einnahmequellen erschlossen haben, könnte der Wegfall von PFOF zu höheren Handelskosten führen. Neobroker müssen möglicherweise neue Geschäftsmodelle entwickeln, um die wegfallenden Einnahmen zu kompensieren. Dies könnte auch bedeuten, dass sie verstärkt auf andere Dienstleistungen setzen, wie etwa Vermögensverwaltung oder Premium-Depots.

Einige Broker, wie Trading212, haben bereits erklärt, dass das PFOF-Verbot für ihr Geschäftsmodell keine wesentlichen Änderungen mit sich bringen wird, da sie nie auf Rückvergütungen gesetzt haben. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die gesamte Branche anpassen wird und welche neuen Modelle entstehen könnten.

Tipps für Anleger

Tipp: Anleger sollten sich vor dem 1. Juli 2026 über die aktuellen Konditionen ihrer Broker informieren. Es ist ratsam, die Preisverzeichnisse und AGBs regelmäßig zu überprüfen, um mögliche Änderungen rechtzeitig zu erkennen. Ein Depotvergleich kann ebenfalls sinnvoll sein, um die besten Konditionen zu finden und gegebenenfalls zu einem anderen Anbieter zu wechseln, falls sich die Kosten erhöhen sollten.

Zusätzlich sollten Anleger darauf achten, wie sich die Spreads bei verschiedenen Brokern entwickeln, insbesondere bei weniger liquiden Märkten oder außerhalb der regulären Handelszeiten. Diese Faktoren können die Gesamtkosten für den Handel erheblich beeinflussen und sollten in die Entscheidungsfindung einfließen.

Fazit

PFOF-Verbot und seine Auswirkungen auf Anleger
Symbolbild: PFOF-Verbot und seine Auswirkungen auf Anleger · Foto: Alesia Kozik / Pexels

Das PFOF-Verbot, das am 1. Juli 2026 in Kraft tritt, stellt einen bedeutenden Einschnitt für den europäischen Brokerage-Markt dar. Neobroker müssen ihre Geschäftsmodelle anpassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und die Interessen ihrer Kunden zu wahren. Anleger sollten wachsam bleiben und sich über mögliche Änderungen in den Gebührenstrukturen informieren, um die besten Handelsbedingungen zu sichern. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu beobachten, wie sich die Branche entwickelt und welche neuen Modelle entstehen.

Häufige Fragen

Was ist das PFOF-Verbot?
Das PFOF-Verbot untersagt es Brokern, Rückvergütungen für die Weiterleitung von Kundenaufträgen an Market Maker zu akzeptieren.
Wann tritt das PFOF-Verbot in Kraft?
Das Verbot tritt am 1. Juli 2026 in Kraft und gilt für alle EU-Mitgliedsstaaten.
Wie reagieren Neobroker auf das PFOF-Verbot?
Neobroker wie Scalable Capital und Trade Republic haben bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Geschäftsmodelle anzupassen und die Kosten für Kunden stabil zu halten.
Werden die Handelskosten für Anleger steigen?
Es ist möglich, dass einige Gebühren steigen, insbesondere bei weniger liquiden Märkten oder außerhalb der regulären Handelszeiten.
Was sollten Anleger jetzt beachten?
Anleger sollten die Preisverzeichnisse ihrer Broker genau prüfen und auf mögliche Änderungen bei Gebühren und Spreads achten.

Quellen: Google News

Symbolbild: PFOF-Verbot und seine Auswirkungen auf Anleger · Foto: Pixabay / Pexels

Carolin Berger
Carolin Berger
Carolin Berger schreibt über alles rund um die persönliche Finanzplanung: Sparen, Budgetieren und der Umgang mit dem eigenen Geld im Alltag. Ihr ist wichtig, dass Finanzthemen niemanden überfordern, sondern praktisch und nachvollziehbar bleiben. In ihren Beiträgen verbindet sie konkrete Tipps mit einem realistischen Blick auf das, was im Alltag tatsächlich umsetzbar ist.
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