⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 01.08.2026
Trotz steigender Ölpreise zeigen Schwellenländer eine bemerkenswerte Resilienz. Pictet AM analysiert die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die Märkte.
- Schwellenländer profitieren von höheren Rohstoffpreisen.
- Inflation bleibt moderat im Vergleich zu früheren Krisen.
- Stärkere wirtschaftliche Fundamentaldaten als in der Vergangenheit.
Die aktuellen Entwicklungen auf den globalen Märkten zeigen, dass Schwellenländer trotz des anhaltenden Ölpreisanstiegs eine bemerkenswerte Resilienz aufweisen. Laut dem Chef-Volkswirt von Pictet Asset Management, haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesen Ländern erheblich verbessert, was ihnen ermöglicht, besser mit den Herausforderungen umzugehen, die durch steigende Energiepreise entstehen.
Was ist der aktuelle Stand der Ölpreise?

Aktuell bewegen sich die Ölpreise zwischen 110 und 120 US-Dollar pro Barrel. Diese Preisspanne ist das Ergebnis geopolitischer Spannungen und einer angespannten globalen Versorgungssituation. Im Vergleich zu den Preisen vor dem Ukraine-Konflikt, die bei etwa 70 US-Dollar lagen, ist dies ein erheblicher Anstieg. Diese Situation hat nicht nur Auswirkungen auf die Energieexportländer, sondern auch auf die Nettoenergieimporteure, die mit Inflation und Währungsabwertung konfrontiert sind.
Wie reagieren Schwellenländer auf den Ölpreisanstieg?
Schwellenländer zeigen eine bemerkenswerte Resilienz gegenüber dem Ölpreisanstieg. Laut Pictet AM haben viele dieser Länder von höheren Rohstoffpreisen profitiert, was zu einem stärkeren Wirtschaftswachstum geführt hat. Insbesondere Länder wie Brasilien, Chile und Peru verzeichnen steigende Einnahmen aus Rohstoffen, was ihre wirtschaftliche Stabilität stärkt. Diese positive Entwicklung ist besonders bemerkenswert, da die Inflation in diesen Ländern im Durchschnitt nur um 1,2 Prozent gestiegen ist, was im Vergleich zu den 3,2 Prozent während des Ölpreisschocks 2022 moderat ist.
Die Rolle der Rohstoffpreise
Die steigenden Rohstoffpreise haben sich als Segen für viele Schwellenländer erwiesen. Länder wie Chile und Peru profitieren von höheren Kupferpreisen, während Brasilien und Mexiko von den Ölpreisen profitieren. Diese Rohstoffexporteure sehen sich mit steigenden Einnahmen konfrontiert, was ihre wirtschaftliche Lage verbessert. Der iShares MSCI EM Latin America UCITS ETF, der die Region abbildet, hat in den letzten zwölf Monaten ein Plus von 42,2 Prozent verzeichnet, was zeigt, dass Investoren, die auf Rohstoffexporte setzen, von den aktuellen Marktbedingungen profitieren können.
Die Auswirkungen auf die Eurozone
- Ölpreis: 110-120 USD pro Barrel
- Inflation in Schwellenländern: durchschnittlich 1,2%
- Wachstumsprognose Eurozone: 0,9%
Im Gegensatz zu den Schwellenländern hat der Ölpreisanstieg in der Eurozone negative Auswirkungen. Die Wachstumsprognose für die Eurozone wurde auf 0,9 Prozent gesenkt, was auf die schwächeren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen ist. Die Hoffnungen auf eine Erholung schwinden, und es droht eine Stagflation. Dies zeigt, wie unterschiedlich die Auswirkungen des Ölpreisanstiegs auf verschiedene Regionen sind.
Die Rolle der Digitalisierung und der Energiewende
Ein weiterer Faktor, der zur Stabilität der Schwellenländer beiträgt, ist die zunehmende Digitalisierung und die Energiewende. Die Nachfrage nach Materialien, die in der digitalen Infrastruktur und der Elektromobilität benötigt werden, hat in den letzten Jahren zugenommen. Dies hat zu einem Anstieg der Preise für industrielle Metalle um mehr als 40 Prozent geführt. Länder wie Indonesien, das Nickel produziert, und Kasachstan, das Uran exportiert, profitieren ebenfalls von dieser Entwicklung.
Die Diversifizierung der Reserven
Ein entscheidender Faktor für die Resilienz der Schwellenländer ist die Diversifizierung ihrer Reserven. Die Abhängigkeit vom US-Dollar hat abgenommen, was bedeutet, dass die Fähigkeit des Dollars, wirtschaftliche Schocks zu verstärken, allmählich abnimmt. Die Währungen der Schwellenländer haben sich stabilisiert, und die Zentralbanken sind besser aufgestellt, um auf wirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren. Diese Veränderungen haben dazu beigetragen, dass die Schwellenländer in der aktuellen Situation besser abschneiden als in der Vergangenheit.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schwellenländer trotz des Ölpreisanstiegs eine bemerkenswerte Resilienz zeigen. Die Kombination aus höheren Rohstoffpreisen, moderater Inflation und stärkeren wirtschaftlichen Fundamentaldaten hat es diesen Ländern ermöglicht, besser mit den Herausforderungen umzugehen. Während die Eurozone mit stagnierendem Wachstum zu kämpfen hat, profitieren viele Schwellenländer von den aktuellen Marktbedingungen und zeigen, dass sie in der Lage sind, sich an veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen.
Häufige Fragen
Wie reagieren Schwellenländer auf den Ölpreisanstieg?
Was sind die Hauptgründe für die Stabilität der Schwellenländer?
Wie wirkt sich der Ölpreisanstieg auf die Inflation aus?
Welche Länder profitieren am meisten von den hohen Rohstoffpreisen?
Wie sieht die wirtschaftliche Prognose für die Eurozone aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Schwellenländer und der Ölpreisanstieg · Foto: Markus Winkler / Pexels


