⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 20.06.2026
Der Handel mit strukturierten Produkten gewinnt zunehmend an Bedeutung. In diesem Artikel erfahren Sie alles über die Phasen des Primär- und Sekundärmarktes und deren Einfluss auf die Preisbildung.
- Primärmarkt: Emission und Zeichnungsfrist von strukturierten Produkten.
- Sekundärmarkt: Handel und Preisbildung durch Market Maker.
- Wichtige Einflussfaktoren auf den Preis von strukturierten Produkten.
Der Handel mit strukturierten Produkten hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten und steigender Inflation. Anleger suchen nach neuen Möglichkeiten, um ihr Portfolio zu diversifizieren und von Marktbewegungen zu profitieren. In diesem Artikel beleuchten wir die beiden entscheidenden Phasen im Lebenszyklus strukturierter Produkte: den Primär- und den Sekundärmarkt.
Was sind strukturierte Produkte?

Strukturierte Produkte sind Finanzinstrumente, die aus einem oder mehreren Basiswerten und einer derivativen Komponente bestehen. Diese Kombination ermöglicht es Anlegern, auf spezifische Marktentwicklungen zu setzen, ohne die zugrunde liegenden Vermögenswerte direkt zu besitzen. Sie sind besonders attraktiv für Investoren, die gezielt auf bestimmte Szenarien spekulieren möchten, sei es in Bezug auf Aktien, Rohstoffe oder Währungen.
Ein wesentliches Merkmal strukturierter Produkte ist ihre Flexibilität. Sie können so gestaltet werden, dass sie unterschiedliche Risikoprofile und Renditeerwartungen abdecken. Dies macht sie zu einem wichtigen Instrument für Anleger, die in einem volatilen Marktumfeld agieren wollen.
Primärmarkt: Der Startpunkt im Lebenszyklus
Die Primärmarktphase ist der Ausgangspunkt für strukturierte Produkte. In dieser Phase wird ein Produkt erstmals von einem Emittenten entwickelt und auf den Markt gebracht. Anleger haben die Möglichkeit, das Produkt während einer festgelegten Zeichnungsfrist zu erwerben. Diese Frist ist entscheidend, da sie den Zeitraum darstellt, in dem Banken und Berater das Produkt aktiv empfehlen und vertreiben dürfen.
Am Ende der Zeichnungsfrist wird das Produkt zu einem festgelegten Emissionspreis emittiert. Dieser Preis ist oft an die Marktbedingungen und die spezifischen Merkmale des Produkts gebunden. Anleger sollten sich bewusst sein, dass die Zeichnungsfrist eine wichtige Gelegenheit darstellt, um von den anfänglichen Konditionen zu profitieren.
Sekundärmarkt: Handel und Preisbildung
Nach der Emission eines strukturierten Produkts beginnt die Sekundärmarktphase. In dieser Phase können Anleger das Produkt nicht mehr direkt vom Emittenten kaufen, sondern handeln es über die Börse oder direkt mit dem Emittenten, der weiterhin als Market Maker auftritt. Der Market Maker spielt eine zentrale Rolle, da er fortlaufend Preise (Geld- und Briefkurs) bereitstellt, zu denen Anleger kaufen oder verkaufen können.
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass sich der Preis eines strukturierten Produkts im Sekundärmarkt ausschließlich durch Angebot und Nachfrage bildet. Tatsächlich basiert der Preis jedoch auf einem theoretischen Wert, der von mehreren Einflussfaktoren abhängt. Dazu gehören der aktuelle Preis des Basiswerts, die Restlaufzeit des Produkts und die erwartete Volatilität.
Einflussfaktoren auf die Preisbildung
Die Preisbildung von strukturierten Produkten ist komplex und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Zu den zentralen Parametern gehören das Delta, das die Sensitivität des Optionsscheins gegenüber Preisänderungen des Basiswerts misst, sowie das Gamma, das die Veränderung des Deltas in Reaktion auf Kursbewegungen beschreibt. Auch das Vega, welches die erwartete Schwankungsintensität angibt, spielt eine wichtige Rolle.
Zusätzlich fließen das allgemeine Zinsniveau und die Dividendenerwartungen in die Preisbildung ein. Diese Faktoren sind entscheidend, um den theoretischen Wert eines strukturierten Produkts zu bestimmen und somit die Preisgestaltung im Sekundärmarkt zu verstehen.
Markttrends und Anlegerverhalten
In den letzten Jahren hat sich das Interesse an strukturierten Produkten erhöht, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Anleger suchen nach Möglichkeiten, ihre Portfolios zu diversifizieren und von Marktbewegungen zu profitieren. Die steigende Inflation und die Unsicherheiten an den Finanzmärkten haben dazu geführt, dass viele Investoren alternative Anlageformen in Betracht ziehen.
Die Schweizer Börse hat beispielsweise ein neues Segment für strukturierte Produkte mit verlängerten Handelszeiten eingeführt, was den Handel von 08:00 bis 21:45 Uhr ermöglicht. Diese Erweiterung bietet Anlegern mehr Flexibilität und Zugang zu den Märkten, was in der heutigen schnelllebigen Finanzwelt von großer Bedeutung ist.
Fazit

Der Primär- und Sekundärmarkt für strukturierte Produkte sind entscheidende Komponenten im Lebenszyklus dieser Finanzinstrumente. Anleger sollten sich der Unterschiede und der damit verbundenen Chancen und Risiken bewusst sein. Während der Primärmarkt die Möglichkeit bietet, Produkte zu zeichnen und von anfänglichen Konditionen zu profitieren, ermöglicht der Sekundärmarkt den Handel und die Preisbildung auf Basis von Marktbedingungen und theoretischen Werten. In einer Zeit, in der wirtschaftliche Unsicherheiten zunehmen, können strukturierte Produkte eine wertvolle Ergänzung für das Portfolio von Anlegern darstellen.
Häufige Fragen
Was sind strukturierte Produkte?
Wie funktioniert der Primärmarkt?
Was passiert im Sekundärmarkt?
Welche Rolle spielt der Market Maker?
Welche Faktoren beeinflussen den Preis von strukturierten Produkten?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Handel mit strukturierten Produkten · Foto: Pixabay / Pexels


