⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 04.07.2026
In Zeiten steigender Inflation und niedriger Zinsen stellt sich vielen die Frage: Sparen oder investieren? Finanzexpertin Margarethe Honisch gibt klare Antworten.
- Inflation übersteigt Zinsen auf Sparguthaben
- ETFs bieten langfristig höhere Renditen
- Notgroschen als Sicherheitsnetz wichtig
In der aktuellen wirtschaftlichen Lage, geprägt von steigender Inflation und niedrigen Zinsen, stehen viele Menschen vor der entscheidenden Frage: Sparen oder investieren? Finanzexpertin Margarethe Honisch gibt in einem aktuellen Interview klare Antworten und erläutert die Unterschiede zwischen diesen beiden Ansätzen der Geldanlage.
Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren?

Sparen bedeutet, Geld in einem sicheren Konto, wie einem Tagesgeld- oder Sparbuch, anzulegen. Der Hauptzweck besteht darin, Liquidität zu gewährleisten und einen finanziellen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben zu schaffen. Die Zinsen auf Sparguthaben sind in der Regel niedrig, was bedeutet, dass das Geld zwar sicher ist, aber kaum eine nennenswerte Rendite abwirft.
Im Gegensatz dazu zielt das Investieren darauf ab, Geld in Vermögenswerte zu stecken, die potenziell im Wert steigen können. Dazu gehören Aktien, Anleihen, Immobilien und andere Anlageformen. Das Ziel des Investierens ist es, eine Rendite zu erwirtschaften und über die Jahre eine Vermögensbasis aufzubauen, die weit über die ursprüngliche Investition hinausgeht.
Die Rolle der Inflation in der Geldanlage
Ein entscheidender Faktor, der bei der Entscheidung zwischen Sparen und Investieren berücksichtigt werden muss, ist die Inflation. In Deutschland liegt die Inflation seit 2022 dauerhaft über 3%, während die Zinsen auf Tagesgeldkonten zwischen 2 und 3,5% schwanken. Dies bedeutet, dass Sparer real an Kaufkraft verlieren, wenn sie ihr Geld nur auf einem Tagesgeldkonto parken.
Die Inflation frisst die Rendite auf, sodass das Geld nominal zwar mehr wird, aber weniger wert ist. Investieren hingegen bietet die Möglichkeit, die Inflation zu schlagen und Vermögen aufzubauen. Historisch gesehen haben ETFs, die einen breiten Markt abbilden, eine durchschnittliche Rendite von 7-9% erzielt, was sie zu einer attraktiven Option für langfristige Anleger macht.
Der Notgroschen: Sicherheit zuerst
- Inflation in Deutschland über 3%
- Durchschnittliche Rendite von ETFs: 7-9%
- Zinsen auf Tagesgeldkonten zwischen 2-3,5%
Bevor auch nur ein Euro investiert wird, sollte ein Sicherheitsnetz stehen. Margarethe Honisch empfiehlt, drei bis sechs Nettomonatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto zu halten. Dieser Puffer verhindert, dass man in einer Krise Investitionen auflösen muss, die gerade im Minus sind. Der Notgroschen ist das Fundament jeder soliden Finanzstrategie.
Wer diesen Notgroschen nicht hat, riskiert, im falschen Moment verkaufen zu müssen. Ein unerwarteter Ausfall, sei es ein Autounfall oder ein Jobverlust, kann dazu führen, dass man auf sein Depot zugreifen muss, was in einem ungünstigen Marktumfeld zu Verlusten führen kann.
Schulden tilgen oder investieren?
Ein weiterer wichtiger Aspekt, den Honisch anspricht, ist die Frage der Schulden. Wer hochverzinste Schulden hat, sollte diese zuerst tilgen, bevor er in den Aktienmarkt investiert. Dispokredite können Zinsen von 10 bis 15% jährlich aufweisen, während die durchschnittliche Rendite von ETFs bei etwa 7% liegt. Daher ist es finanziell sinnvoller, zuerst die Schulden abzubauen.
Für Einsteiger mit 10.000 Euro empfiehlt Honisch, einen breit gestreuten Weltmarkt-ETF zu wählen, wie etwa einen ETF auf den MSCI World oder den MSCI All Country World Index. Diese bieten eine gute Diversifikation und sind historisch bewährt.
Regelmäßiges Investieren: Der Schlüssel zum Erfolg
Ein einmaliges Investment ist oft nicht ausreichend, um Vermögen aufzubauen. Honisch betont die Bedeutung eines monatlichen Sparplans. Wer beispielsweise 10.000 Euro investiert und danach monatlich 150 Euro in einen ETF-Sparplan anlegt, kann nach 20 Jahren bei einer Rendite von 7% rund 77.000 Euro allein aus dem Sparplan erwarten. Dazu kommen die 10.000 Euro Einmalanlage, die auf etwa 38.700 Euro wachsen können.
Die Regelmäßigkeit des Investierens ist entscheidend. Studien zeigen, dass eine Einmalanlage in rund zwei Dritteln aller historischen Zeiträume besser abschneidet als eine gestaffelte Investition. Märkte steigen langfristig, und wer früher investiert, hat länger Zeit, von den Zinseszinsen zu profitieren.
Fazit: Die richtige Strategie für Ihre Finanzen

Die Entscheidung, ob man sparen oder investieren sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich persönlicher finanzieller Ziele, Risikobereitschaft und der Zeitspanne, die einem zur Verfügung steht. Wer kurzfristige Liquidität benötigt oder eine Notsituation hat, sollte zunächst sparen. Bei einem langfristigen Horizont, wie der Altersvorsorge, bietet das Investieren eine sinnvollere Strategie, um Vermögen aufzubauen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sparen und Investieren keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen. Ein solider Notgroschen, die Tilgung hochverzinster Schulden und regelmäßige Investitionen in ETFs sind die Bausteine einer erfolgreichen Finanzstrategie. Wer diese Schritte befolgt, kann seine finanzielle Zukunft nachhaltig sichern.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sparen und Investieren?
Warum ist ein Notgroschen wichtig?
Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Was sind ETFs und warum sind sie empfehlenswert?
Wie kann ich mit 10.000 Euro am besten umgehen?
Quellen: Google News
Symbolbild: Sparen oder Investieren: Finanzielle Entscheidungen · Foto: Bich Tran / Pexels


