⏱ 3 Min. Lesezeit · Stand: 02.09.2026
Die Diskussion um die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken in Deutschland gewinnt an Fahrt. Während die Strompreise durch diese Maßnahme sinken könnten, ist ein Anstieg der CO2-Emissionen zu erwarten.
- Steinkohlekraftwerke könnten Strompreise senken.
- CO2-Emissionen steigen um bis zu 10%.
- Wirtschaftspolitiker fordern Maßnahmen zur Versorgungssicherheit.
Die Diskussion um die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken in Deutschland hat in den letzten Wochen an Intensität gewonnen. Angesichts der besorgniserregenden Füllstände der Gasspeicher und der damit verbundenen Unsicherheiten bezüglich der Energieversorgung für den kommenden Winter fordern Wirtschaftspolitiker aus CDU und CSU die Rückkehr dieser Kraftwerke aus der Reserve. Eine aktuelle Analyse des Energieinformationsdienstes Montel zeigt, dass die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken den durchschnittlichen Großhandelspreis für Strom bis zum Jahresende um etwa 2,3 Prozent senken könnte. Für das Jahr 2027 wird sogar ein Rückgang von knapp 5 Prozent prognostiziert.
Was sind Steinkohlekraftwerke und wie funktionieren sie?

Steinkohlekraftwerke sind Anlagen, die zur Stromerzeugung Steinkohle verbrennen. Diese Kraftwerke sind in Deutschland seit Jahren in der Diskussion, da sie als umweltschädlich gelten und die Bundesregierung sich verpflichtet hat, bis 2038 aus der Kohleverstromung auszusteigen. Dennoch spielen sie in der aktuellen Energieversorgung eine Rolle, insbesondere in Zeiten hoher Gaspreise und drohender Engpässe. Die Reaktivierung dieser Kraftwerke könnte kurzfristig eine Lösung zur Stabilisierung der Strompreise darstellen, birgt jedoch auch erhebliche Umweltprobleme.
Wirtschaftliche Auswirkungen der Reaktivierung
Die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken könnte nicht nur die Strompreise senken, sondern auch den Verbrauch von Erdgas reduzieren. Tobias Federico, Chefanalyst bei Montel, erklärt, dass die zusätzliche Kohleverstromung insbesondere in diesem und im kommenden Winter Strom aus teureren Erdgaskraftwerken verdrängen würde. Dies könnte zu einer Entlastung der Gasspeicher führen und gleichzeitig die Großhandelspreise für Strom dämpfen. Allerdings ist zu beachten, dass die Preisrückgänge nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt sind; im Winter könnten die Einsparungen deutlich höher ausfallen.
CO2-Emissionen und Umweltaspekte
- Reaktivierung von 7,8 GW Steinkohlekraftwerken
- Strompreis könnte bis Ende 2026 um 2,3% sinken
- CO2-Emissionen könnten um bis zu 10% steigen
Ein zentraler Kritikpunkt an der Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken ist der Anstieg der CO2-Emissionen. Laut Montel könnte die zusätzliche Kohleverstromung die Emissionen im Stromsektor um bis zu 10 Prozent erhöhen. Dies steht im Widerspruch zu den Klimazielen der Bundesregierung, die eine Reduzierung der Treibhausgase anstrebt. Die Entscheidung, Kohlekraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, könnte somit nicht nur wirtschaftliche, sondern auch weitreichende ökologische Konsequenzen haben.
Politische Diskussion und zukünftige Perspektiven
Die politische Diskussion über die Reaktivierung von Kohlekraftwerken ist komplex. Während einige Politiker die Maßnahme als notwendig erachten, um die Energieversorgung im Winter zu sichern, warnen andere vor den langfristigen Folgen für das Klima. Das Bundeswirtschaftsministerium hat bereits angekündigt, die Möglichkeiten zur Nutzung der Kohlereserve zu prüfen, jedoch ohne konkrete Ergebnisse zu präsentieren. Die Frage bleibt, ob die kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteile die langfristigen ökologischen Kosten rechtfertigen können.
Marktmechanismen und die Rolle der Merit-Order
Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Diskussion um die Strompreise ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Dieses Prinzip besagt, dass Kraftwerke nach ihren variablen Kosten eingesetzt werden. Das teuerste Kraftwerk, das benötigt wird, bestimmt in der Regel den Preis in der jeweiligen Gebotszone. Ein zusätzlich eingesetztes Steinkohlekraftwerk könnte den Börsenpreis senken, wenn es ein teureres Kraftwerk aus der Einsatzreihenfolge verdrängt. Die tatsächliche Auswirkung auf die Strompreise hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Kosten für Kohle und Emissionszertifikate sowie die technische Verfügbarkeit der Anlagen.
Fazit: Ein zweischneidiges Schwert

Die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken in Deutschland könnte kurzfristig zu einer Senkung der Strompreise führen und die Versorgungssicherheit im Winter erhöhen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr eines Anstiegs der CO2-Emissionen, was die Klimaziele der Bundesregierung gefährden könnte. Die politische Diskussion ist noch nicht abgeschlossen, und es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen getroffen werden, um die Balance zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und ökologischer Verantwortung zu finden.
Häufige Fragen
Wie beeinflussen Steinkohlekraftwerke die Strompreise?
Was sind die Umweltauswirkungen der Kohleverstromung?
Warum wird die Reaktivierung von Kohlekraftwerken diskutiert?
Wie lange könnten die Steinkohlekraftwerke betrieben werden?
Welche Rolle spielt die Merit-Order bei der Strompreissetzung?
Quellen: Google News
Symbolbild: Steinkohlekraftwerke und ihre Auswirkungen auf die Energiepreise · Foto: Tom Fisk / Pexels


