⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 08.08.2026
Die Illusion, dass sinkende Gaspreise die Stromrechnung entlasten, wird durch komplexe Marktmechanismen widerlegt. Ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen zeigt, warum Verbraucher weiterhin mit hohen Stromkosten rechnen müssen.
- Strompreise steigen trotz günstiger Gaspreise
- Merit-Order-Effekt beeinflusst die Preisbildung
- Staatliche Abgaben machen einen großen Teil des Strompreises aus
Die aktuellen Entwicklungen auf dem Energiemarkt zeigen, dass die Illusion, sinkende Gaspreise würden die Stromrechnung entlasten, weit verbreitet ist. Trotz der Tatsache, dass die Preise für Erdgas in den letzten Monaten gesunken sind, bleibt der Strompreis für Verbraucher hoch. Dies ist vor allem auf den sogenannten Merit-Order-Effekt zurückzuführen, der die Preisbildung im Strommarkt maßgeblich beeinflusst.
Was ist der Merit-Order-Effekt?

Der Merit-Order-Effekt beschreibt die Reihenfolge, in der Kraftwerke zur Stromerzeugung eingesetzt werden, basierend auf ihren Grenzkosten. In einem Markt, in dem die Preise durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, setzen die teuersten Kraftwerke den Preis für alle Strommengen. Dies bedeutet, dass selbst wenn ein großer Teil des Stroms aus günstigen erneuerbaren Quellen stammt, die Kosten der letzten benötigten Kilowattstunde, oft von Gaskraftwerken, den Marktpreis bestimmen.
In Deutschland sind die Erzeugungskosten für erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie mittlerweile sehr niedrig, was sie zu einer der günstigsten Stromerzeugungsformen macht. Dennoch bleibt der Einfluss von Gaskraftwerken auf die Preisbildung bestehen, da diese oft die teuersten Anbieter im Markt sind. Dies führt dazu, dass die Verbraucher trotz sinkender Gaspreise weiterhin hohe Stromkosten tragen müssen.
Strompreise und staatliche Abgaben
Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Strompreise beeinflusst, sind die staatlichen Abgaben. Laut dem Monitoringbericht 2025 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt machen diese Abgaben etwa 31,7% des Strompreises aus. Dazu gehören Steuern, Umlagen und Netzentgelte, die für die Finanzierung der Energiewende und den Ausbau der Infrastruktur notwendig sind. Diese Abgaben sind im Vergleich zu den Kosten für Gas deutlich höher, was den Preisunterschied zwischen Strom und Gas erklärt.
Die Netzentgelte, die für die Nutzung der Stromnetze erhoben werden, machen ebenfalls einen erheblichen Teil des Strompreises aus. Diese Entgelte variieren je nach Region und hängen von den Kosten des jeweiligen Netzgebiets ab. Seit dem 1. Januar 2023 sind die Übertragungsnetzentgelte bundesweit einheitlich, was jedoch nicht zu einer signifikanten Senkung der Strompreise geführt hat.
Die Rolle der erneuerbaren Energien
- Strompreise steigen trotz sinkender Gaspreise
- Staatliche Abgaben machen 31,7% des Strompreises aus
- Gaspreise liegen zwischen 9 und 12 Cent pro kWh
Erneuerbare Energien spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der deutschen Energieversorgung. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme aus dem Jahr 2024 erzeugen Onshore-Wind und Freiflächen-Photovoltaik Strom zu Gestehungskosten von 4,1 bis 9,2 Cent pro Kilowattstunde. Diese Preise machen sie nicht nur zur günstigsten erneuerbaren Energie, sondern auch zur günstigsten Stromerzeugungsform insgesamt.
Trotz dieser günstigen Erzeugungskosten bleibt der Einfluss von Gaskraftwerken auf die Strompreise bestehen. Wenn die Nachfrage nach Strom steigt, werden häufig Gaskraftwerke aktiviert, um die Versorgung sicherzustellen. Diese Kraftwerke haben jedoch höhere variable Erzeugungskosten, was den Strompreis in die Höhe treibt.
Die Auswirkungen auf Verbraucher
Für Verbraucher bedeutet dies, dass sie trotz der positiven Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien und der sinkenden Gaspreise weiterhin mit hohen Stromkosten rechnen müssen. Die Preisbildung im Strommarkt ist komplex und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, die oft nicht unmittelbar miteinander in Verbindung stehen.
Die Bundesregierung hat zwar Maßnahmen ergriffen, um die Bürgerinnen und Bürger mit gezielten Entlastungen zu unterstützen, wie die Abschaffung der Gasspeicherumlage und die Senkung der Netzentgelte, jedoch bleibt die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um die hohen Strompreise zu senken.
Marktentwicklungen und Ausblick
Die Entwicklungen auf dem Energiemarkt sind dynamisch und unterliegen ständigen Veränderungen. Während die Preise für Erdgas in den letzten Monaten gesunken sind, bleibt der Strompreis aufgrund der genannten Faktoren weiterhin hoch. Die Marktmechanismen, die die Preisbildung beeinflussen, sind komplex und erfordern ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge.
Für Investoren und Verbraucher ist es wichtig, die Entwicklungen auf dem Energiemarkt genau zu beobachten. Die Wechselwirkungen zwischen Gas- und Strompreisen sowie die Rolle der erneuerbaren Energien werden entscheidend sein für die zukünftige Preisgestaltung und die wirtschaftliche Stabilität in Deutschland.
Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Illusion, sinkende Gaspreise würden die Stromrechnung entlasten, durch die komplexen Marktmechanismen des Strommarktes widerlegt wird. Der Merit-Order-Effekt und die hohen staatlichen Abgaben tragen maßgeblich dazu bei, dass Verbraucher weiterhin mit hohen Stromkosten rechnen müssen. Die Entwicklungen im Energiemarkt sind dynamisch und erfordern ein genaues Verständnis der Zusammenhänge, um die Auswirkungen auf die eigene Stromrechnung besser einschätzen zu können.
Häufige Fragen
Warum steigen die Strompreise trotz günstiger Gaspreise?
Was ist der Merit-Order-Effekt?
Wie setzen sich die Strompreise zusammen?
Welche Rolle spielen erneuerbare Energien bei den Strompreisen?
Wie wirken sich staatliche Abgaben auf die Strompreise aus?
Quellen: Google News
Symbolbild: Strompreise und Gaspreise im Vergleich · Foto: Connor Scott McManus / Pexels


