⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 24.06.2026
VIX-ETFs sind ein beliebtes Instrument zur Absicherung gegen Marktvolatilität, doch ihre Struktur birgt Risiken durch Rollverluste, die Anleger systematisch belasten können.
- VIX-ETFs investieren in Futures, nicht direkt in den VIX.
- Contango führt zu kontinuierlichen Rollverlusten.
- Backwardation kann in Krisenzeiten Vorteile bieten.
VIX-ETFs sind ein beliebtes Finanzinstrument, das Anlegern die Möglichkeit bietet, auf die erwartete Schwankungsbreite des Marktes zu setzen. Diese ETFs bilden jedoch nicht direkt den Cboe Volatility Index (VIX) ab, sondern investieren in Futures-Kontrakte, die auf den VIX basieren. Diese Struktur bringt sowohl Chancen als auch Risiken mit sich, insbesondere durch die sogenannten Rollverluste, die Anleger systematisch belasten können.
Was sind VIX-ETFs?

Der Cboe Volatility Index, besser bekannt als VIX, misst die vom Markt erwartete Volatilität des S&P 500 für die nächsten 30 Tage. Er wird aus den Preisen gehandelter S&P 500-Optionen berechnet und ist kein handelbares Instrument. Anleger, die auf steigende Volatilität setzen möchten, benötigen daher VIX-Futures oder entsprechende ETFs, die diese Futures abbilden. VIX-ETFs sind somit ein wichtiges Werkzeug für Investoren, die sich gegen Marktturbulenzen absichern wollen.
Die Terminkurve: Contango und Backwardation
Die Preisstruktur der VIX-Futures wird durch die Terminkurve bestimmt, die die Preise der Futures-Kontrakte über verschiedene Laufzeiten darstellt. In der Regel zeigt diese Kurve einen ansteigenden Verlauf, was als Contango bezeichnet wird. In etwa 82 Prozent der Handelstage notieren VIX-Futures in diesem Zustand. Das bedeutet, dass der nächstfällige Kontrakt günstiger ist als der übernächste, was zu Rollverlusten führt, wenn der ETF seine Positionen regelmäßig anpassen muss.
Im Gegensatz dazu steht die Backwardation, die auftritt, wenn kurzfristige Kontrakte teurer sind als langfristige. Diese Situation ist vor allem in Krisenzeiten zu beobachten, wenn Anleger mit großen Marktschwankungen rechnen. Backwardation kann für VIX-ETFs von Vorteil sein, da sie in solchen Phasen von positiven Rollbeiträgen profitieren können.
Das Rollproblem: Warum Contango die Rendite drückt
- 82% der Handelstage in Contango
- Backwardation tritt bei VIX über 29 auf
- Rolleffekt verursacht kontinuierliche Verluste
Ein ETF, der einen VIX-Futures-Index nachbildet, hält in der Regel kurzlaufende Kontrakte. Wenn ein Kontrakt ausläuft, muss der ETF diesen verkaufen und einen neuen, längerfristigen Kontrakt kaufen. Dieser Vorgang wird als Rollen bezeichnet. In Zeiten von Contango ist dieser Prozess jedoch nachteilig, da der ETF günstig verkauft und teuer kauft. Selbst wenn der VIX selbst unverändert bleibt, summieren sich die kleinen Verluste über die Zeit und belasten die Gesamtrendite erheblich.
Einige Anbieter versuchen, diesen Rollverlust durch optimierte Rollstrategien zu dämpfen. Diese Strategien beinhalten häufig einen Wechsel zwischen kurz- und mittelfristigen VIX-Futures-Portfolios, um die Rollkosten zu minimieren. Dennoch bleibt der Rolleffekt ein strukturelles Problem, das Anleger bei der Nutzung von VIX-ETFs berücksichtigen müssen.
Backwardation: Chancen in Krisenzeiten
In Krisenzeiten, wenn der VIX über 29 steigt oder der S&P 500 an einem Tag um mehr als 1,22 Prozent fällt, kann Backwardation auftreten. In solchen Phasen profitieren VIX-ETFs von der umgekehrten Rollmechanik: Der Fonds verkauft teurer und kauft günstiger. Dies kann zu einer positiven Rendite führen, selbst wenn die allgemeine Marktvolatilität steigt. Anleger, die in diesen Zeiten in VIX-ETFs investieren, können somit von einem zusätzlichen Rückenwind profitieren.
Die Forschung von Bakshi, Crosby, Gao und Xue zeigt, dass Backwardation systematisch in Krisensituationen auftritt. Dies macht VIX-ETFs zu einem potenziell wertvollen Instrument für Anleger, die sich gegen Marktrisiken absichern möchten, insbesondere in Zeiten hoher Unsicherheit.
Strategien zur Minimierung von Rollverlusten
Anleger, die in VIX-ETFs investieren, sollten sich der Risiken bewusst sein, die mit Rollverlusten verbunden sind. Eine Möglichkeit, diese Verluste zu minimieren, besteht darin, VIX-ETFs nur kurzfristig zu halten. Langfristige Investitionen in diese Produkte können zu erheblichen Performance-Einbußen führen, selbst wenn der VIX selbst stabil bleibt.
Ein weiterer Ansatz ist die Auswahl von ETFs, die optimierte Rollstrategien nutzen. Diese Produkte versuchen, die strukturellen Kosten durch eine dynamische Anpassung der gehaltenen Futures zu reduzieren. Anleger sollten sich jedoch bewusst sein, dass solche Strategien nicht alle Risiken eliminieren können und die Grundmechanik der Rollverluste weiterhin bestehen bleibt.
Fazit

VIX-ETFs bieten Anlegern die Möglichkeit, auf die erwartete Volatilität des Marktes zu setzen und sich gegen Marktrisiken abzusichern. Allerdings sind sie nicht ohne Risiken, insbesondere durch die Rollverluste, die in Contango-Phasen entstehen. Anleger sollten sich dieser Herausforderungen bewusst sein und geeignete Strategien entwickeln, um die Auswirkungen auf ihre Rendite zu minimieren. In Krisenzeiten können VIX-ETFs jedoch auch Chancen bieten, wenn Backwardation eintritt und die Rollmechanik umkehrt.
Häufige Fragen
Was sind VIX-ETFs?
Wie entstehen Rollverluste bei VIX-ETFs?
Was ist Contango und wie beeinflusst es VIX-ETFs?
Wann tritt Backwardation auf und welche Vorteile bietet sie?
Wie können Anleger Rollverluste bei VIX-ETFs minimieren?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: VIX-ETFs und Marktvolatilität · Foto: Alex Luna / Pexels


