⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 25.07.2026
Anti-Phishing-Seminare sind in vielen Unternehmen gängige Praxis, doch neue Studien zeigen, dass sie kaum wirksam sind. Die Ergebnisse sind ernüchternd und werfen Fragen zur Effektivität solcher Schulungen auf.
- Phishing bleibt ein gefährlicher Angriffsvektor.
- Studien zeigen minimale Verbesserungen durch Seminare.
- Alternative Ansätze könnten effektiver sein.
Anti-Phishing-Seminare sind in vielen Unternehmen gängige Praxis, um Mitarbeitende vor den Gefahren von Phishing-Angriffen zu schützen. Doch neue Studien zeigen, dass diese Schulungen oft kaum wirksam sind. Die Ergebnisse sind ernüchternd und werfen Fragen zur Effektivität solcher Seminare auf.
Was sind Anti-Phishing-Seminare?

Anti-Phishing-Seminare sind Schulungen, die Mitarbeitende über Phishing-Angriffe aufklären und ihnen beibringen sollen, wie sie solche Angriffe erkennen und vermeiden können. Diese Seminare können in Form von Präsenzveranstaltungen, Online-Kursen oder Workshops angeboten werden. Ziel ist es, das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeitenden zu schärfen und sie in die Lage zu versetzen, potenzielle Bedrohungen zu identifizieren.
In der Theorie klingt dies nach einem sinnvollen Ansatz, um die Sicherheit in Unternehmen zu erhöhen. Doch die Realität sieht anders aus. Studien zeigen, dass die Verbesserung der Sicherheitskompetenz durch solche Seminare minimal ist. In einigen Fällen wurde sogar festgestellt, dass sie das Vertrauen der Mitarbeitenden in ihre Fähigkeiten untergraben.
Ernüchternde Bilanz der Studien
Phishing gilt nach wie vor als einer der einfachsten, aber gefährlichsten Angriffsvektoren. Die logische Reaktion vieler Firmen sind Seminare, Präsentationen oder Online-Module. Doch der große Durchbruch bleibt aus. Eine Studie in einem US-Gesundheitskonzern ergab, dass monatelange Trainings lediglich eine Verbesserung von 1,7 Prozentpunkten brachten. Ein Wert, der in der Praxis kaum Gewicht hat.
Auch an der University of Chicago wurde genauer hingeschaut. Dort testeten Forschende in einem Feldexperiment über mehrere Monate hinweg unterschiedliche Formate, vom klassischen Online-Kurs bis hin zu eingebetteten Lernlektionen. Sie kamen zu dem Ergebnis: „Insgesamt finden wir keine Hinweise darauf, dass jährliche Schulungen zum Sicherheitsbewusstsein mit weniger Phishing-Fehlern korrelieren.“ Diese Ergebnisse sind alarmierend und werfen die Frage auf, ob die Investitionen in solche Seminare gerechtfertigt sind.
Kennzahlen, die in die Irre führen
Viele Programme rühmen sich damit, dass die Klickrate in simulierten Phishing-Mails sinkt. Doch was sagt dieser Wert wirklich aus? Forschende des US-amerikanischen NIST weisen darauf hin, dass er stark vom Schwierigkeitsgrad der Köder-Mails abhängt. Eine plump formulierte Nachricht klickt fast niemand an, unabhängig von Training. Eine sehr überzeugende Fälschung dagegen führt selbst erfahrene Nutzer in die Irre.
Hinzu kommt, dass nicht jeder Klick gleich schwer wiegt. Ein Fehlklick in einer kritischen Abteilung kann weitreichendere Folgen haben als mehrere in einem weniger sensiblen Bereich. Diese Differenzierung wird in vielen Schulungsprogrammen nicht ausreichend berücksichtigt, was die Effektivität weiter in Frage stellt.
Stressfaktor statt Sicherheitskultur
Trainingskampagnen können auch schaden. Eine Untersuchung, die auf der USENIX Security 2024 vorgestellt wurde, dokumentiert, dass Mitarbeitende nach Fehlklicks in simulierten Phishing-Mails mehr Stress empfinden und weniger Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln. Dies untergräbt die Sicherheitskultur statt sie zu stärken. Noch problematischer sind die Befunde einer Studie, die auf der USEC 2025 präsentiert wurde. Dort zeigte sich, dass Teilnehmende, die einmal hereingefallen waren, später eher erneut Opfer wurden.
Simulationen können also nicht nur nutzlos, sondern kontraproduktiv sein. Die psychologischen Auswirkungen solcher Trainings sind nicht zu unterschätzen und sollten bei der Planung von Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt werden.
Alternative Ansätze zur Phishing-Prävention
Angesichts der ernüchternden Ergebnisse von Anti-Phishing-Seminaren sollten Unternehmen alternative Ansätze in Betracht ziehen. Eine Möglichkeit ist die Implementierung von kontinuierlichem Lernen, das in den Arbeitsalltag integriert ist. Anstatt einmal im Jahr ein Seminar abzuhalten, könnten Unternehmen regelmäßige, kurze Schulungen anbieten, die auf aktuelle Bedrohungen eingehen.
Technische Lösungen, die Phishing-Angriffe automatisch erkennen und blockieren, können ebenfalls eine wertvolle Ergänzung sein. Diese Systeme können dazu beitragen, das Risiko von Phishing-Angriffen erheblich zu reduzieren, ohne dass Mitarbeitende ständig geschult werden müssen.
Fazit

Die Ergebnisse der aktuellen Studien zu Anti-Phishing-Seminaren sind ernüchternd. Die minimalen Verbesserungen und die potenziellen negativen Auswirkungen auf das Vertrauen der Mitarbeitenden werfen Fragen zur Effektivität solcher Schulungen auf. Unternehmen sollten daher alternative Ansätze in Betracht ziehen, um ihre Sicherheitskultur zu stärken und das Risiko von Phishing-Angriffen zu minimieren.
Häufige Fragen
Was sind Anti-Phishing-Seminare?
Warum sind diese Seminare oft ineffektiv?
Welche Alternativen gibt es zu Anti-Phishing-Seminaren?
Wie gefährlich sind Phishing-Angriffe?
Was können Unternehmen tun, um sich besser zu schützen?
Quellen: finanzen.net
Symbolbild: Mitarbeitende in einem Anti-Phishing-Seminar · Foto: Anna Shvets / Pexels


