StartGeldanlage & ETFsWie viel kostet mich die Elternzeit wirklich? Ein finanzieller Überblick

Wie viel kostet mich die Elternzeit wirklich? Ein finanzieller Überblick

⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 04.07.2026

Elternzeit ist eine wertvolle Phase im Leben, kann jedoch erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Elternzeit bis zu 60.000 Euro Rentenverlust bedeuten kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Elternzeit führt zu einem signifikanten Rentenverlust.
  • Staatliche Leistungen decken nicht den gesamten Verlust ab.
  • Teilzeitarbeit nach der Elternzeit verstärkt die Rentenlücke.

Die Elternzeit ist für viele Familien eine entscheidende Phase, in der sich das Leben grundlegend verändert. Während diese Zeit für die Betreuung und Erziehung von Kindern genutzt wird, sind die finanziellen Auswirkungen oft nicht sofort erkennbar. Eine aktuelle Studie der Allianz zeigt, dass Elternzeit bis zu 60.000 Euro Rentenverlust bedeuten kann. Diese Zahl ist alarmierend und wirft die Frage auf: Wie viel kostet mich die Elternzeit wirklich?

Was sind die finanziellen Folgen der Elternzeit?

Elternzeit und ihre finanziellen Auswirkungen
Symbolbild: Elternzeit und ihre finanziellen Auswirkungen · Foto: Alena Darmel / Pexels

Die finanziellen Folgen der Elternzeit sind komplex und betreffen nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern auch die zukünftige Rente. Laut der Studie kann der Verlust an Rentenpunkten durch drei Jahre Elternzeit etwa 9.000 Euro über einen Zeitraum von 20 Jahren ausmachen. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Viele Eltern kehren nach der Elternzeit nicht in Vollzeit zurück, sondern arbeiten in Teilzeit, was den Rentenverlust weiter verstärkt.

Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine Frau, die vor der Elternzeit 3.500 Euro brutto monatlich verdient, sammelt damit rund 1,3 Rentenpunkte pro Jahr. Ohne Elternzeit würde sie über drei Jahre hinweg 3,9 Rentenpunkte sammeln, was einer monatlichen Rente von etwa 159 Euro entspricht. Mit Elternzeit und den staatlich anerkannten Kindererziehungszeiten erhält sie jedoch nur 3 Punkte, was zu einer monatlichen Rente von etwa 122 Euro führt. Über 20 Jahre summiert sich dieser Unterschied auf rund 29.000 Euro.

Wie funktioniert die staatliche Unterstützung?

Während der Elternzeit erhalten Eltern staatliche Kindererziehungszeiten, die pro Kind bis zu drei Jahre anerkannt werden. Diese Zeiten sind jedoch pauschal bewertet und gleichen den Verlust an Rentenpunkten nicht vollständig aus. Besonders für Eltern, die vor der Elternzeit ein überdurchschnittliches Einkommen hatten, ist der Verlust relativ größer, da die staatlich angerechneten Zeiten unabhängig vom früheren Einkommen sind.

Die Anrechnung dieser Zeiten muss aktiv beantragt werden. Eltern sollten das Formular V0800 bei der Deutschen Rentenversicherung einreichen, um sicherzustellen, dass sie die ihnen zustehenden Rentenpunkte erhalten. Ein häufiges Missverständnis ist, dass diese Punkte automatisch gutgeschrieben werden, was jedoch nicht der Fall ist.

Die Rolle der Teilzeitarbeit

Fakten auf einen Blick

  • Elternzeit kann bis zu 60.000 Euro Rentenverlust bedeuten.
  • Drei Jahre Elternzeit führen zu einem Verlust von etwa 9.000 Euro über 20 Jahre.
  • Die staatlichen Kindererziehungszeiten sind nicht ausreichend, um den Verlust auszugleichen.

Ein weiterer Faktor, der den Rentenverlust während und nach der Elternzeit beeinflusst, ist die Teilzeitarbeit. Viele Eltern entscheiden sich, nach der Elternzeit in Teilzeit zu arbeiten, was zu einem weiteren Verlust an Rentenpunkten führt. Diese Teilzeitarbeit kann zwar eine flexible Lösung bieten, hat jedoch langfristige Auswirkungen auf die Rentenansprüche.

Die Rentenversicherung wertet das Gehalt in Teilzeit auf, jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Dies bedeutet, dass Eltern, die in Teilzeit arbeiten, nicht die vollen Rentenansprüche erwerben, die sie in einer Vollzeitbeschäftigung erhalten würden. Dies kann über ein Jahrzehnt hinweg zu einem erheblichen Verlust an Rentenpunkten führen.

Strategien zur Minimierung des Rentenverlusts

Es gibt verschiedene Strategien, um den Rentenverlust während der Elternzeit zu minimieren. Eine Möglichkeit ist, während der Elternzeit in einen ETF-Sparplan zu investieren. Selbst kleine Beträge können über die Jahre hinweg ein erhebliches Kapital aufbauen, das dazu beiträgt, die Rentenlücke zu schließen.

Ein weiterer Ansatz ist, einen finanziellen Ausgleich innerhalb der Partnerschaft zu vereinbaren. Wenn ein Partner beruflich zurücksteckt, um die Care-Arbeit zu übernehmen, sollte der andere Partner in die Rentenversicherung des betreuenden Elternteils einzahlen oder ein gemeinsames Depot aufbauen, das beiden zugutekommt. Dies kann helfen, die finanziellen Auswirkungen der Elternzeit auszugleichen.

Fazit

Elternzeit und ihre finanziellen Auswirkungen
Symbolbild: Elternzeit und ihre finanziellen Auswirkungen · Foto: Helena Lopes / Pexels

Die Elternzeit ist eine der wertvollsten Entscheidungen, die Familien treffen können, bringt jedoch auch erhebliche finanzielle Herausforderungen mit sich. Der Verlust an Rentenpunkten kann sich über Jahre hinweg summieren und zu einem Rentenverlust von bis zu 60.000 Euro führen. Es ist entscheidend, sich frühzeitig mit den finanziellen Aspekten der Elternzeit auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um diesen Verlust zu minimieren. Durch aktive Planung und die Nutzung staatlicher Angebote können Eltern sicherstellen, dass sie auch in der Zukunft finanziell abgesichert sind.

Häufige Fragen

Wie viel Rente verliere ich durch Elternzeit?
Durch drei Jahre Elternzeit kann der Rentenverlust bis zu 9.000 Euro über 20 Jahre betragen. Bei Teilzeitarbeit nach der Elternzeit kann sich dieser Verlust auf bis zu 60.000 Euro summieren.
Was sind Kindererziehungszeiten?
Kindererziehungszeiten sind staatlich anerkannte Zeiten, in denen Eltern für die Erziehung ihrer Kinder Rentenpunkte sammeln können. Pro Kind können bis zu drei Jahre angerechnet werden.
Wie kann ich den Rentenverlust während der Elternzeit ausgleichen?
Eine Möglichkeit ist, während der Elternzeit in einen ETF-Sparplan zu investieren. Auch ein Ausgleich durch den Partner kann helfen, die Rentenlücke zu schließen.
Wann muss ich Kindererziehungszeiten beantragen?
Kindererziehungszeiten müssen aktiv beantragt werden, in der Regel über das Formular V0800 bei der Deutschen Rentenversicherung. Es ist wichtig, dies nicht zu vergessen, um Rentenpunkte zu sichern.
Wie wirkt sich Teilzeitarbeit nach der Elternzeit auf die Rente aus?
Teilzeitarbeit nach der Elternzeit führt zu einem weiteren Verlust an Rentenpunkten, da weniger in die Rentenversicherung eingezahlt wird. Dies kann die Rentenlücke erheblich vergrößern.

Quellen: Google News

Symbolbild: Elternzeit und ihre finanziellen Auswirkungen · Foto: Laura Garcia / Pexels

Stefan Wagner
Stefan Wagner
Stefan Wagner widmet sich den Themen Altersvorsorge und Versicherungen. Er erklärt verständlich, welche Vorsorgemodelle es gibt und worauf man bei langfristigen Entscheidungen achten sollte. Bei Finanz-Echo möchte er dazu beitragen, dass auch trockene Themen wie Renten- und Absicherungsfragen greifbar werden.
RELATED ARTICLES

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Most Popular