⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 15.06.2026
Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum in der Schweiz wächst, während die Bautätigkeit zurückgeht. Investoren zeigen Interesse, doch die Herausforderungen sind groß.
- Günstiger Wohnraum wird zur Mangelware
- Zuwanderung ist nicht der einzige Faktor
- Bautätigkeit muss dringend angekurbelt werden
Die Schweiz steht vor einer wachsenden Herausforderung: Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum übersteigt das Angebot erheblich. Am 14. Juni 2026 stimmte die Bevölkerung über die Zuwanderung ab, ein Thema, das eng mit der Wohnraumsituation verknüpft ist. Die Zuwanderungsinitiative der SVP zielt darauf ab, die Anzahl der Bewohner in der Schweiz auf 10 Millionen zu begrenzen. Ein zentrales Argument der Initiative ist die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, wo die Leerwohnungsziffer vielerorts unter der kritischen Schwelle von 1 Prozent liegt.
Was sind die Ursachen für die Wohnungsnot?

Die Zuwanderung ist nur ein Teil des Problems. Die Gründe für die Wohnungsnot in der Schweiz sind vielfältig. Neben der Zuwanderung haben auch gestiegene Ansprüche an Wohnraum, die demografische Entwicklung und die ungenutzten Baulandreserven einen erheblichen Einfluss. Viele Senioren leben in zu großen Wohnungen, da es an Alternativen mangelt. Gleichzeitig gibt es Baulandreserven, die entweder am falschen Ort liegen oder von Investoren gehortet werden.
Die Bautätigkeit auf unbebautem Land hat sich in den letzten zehn Jahren halbiert. Während 2010 noch fast 70 Prozent der neuen Wohnungen auf der „grünen Wiese“ entstanden, sind es heute weniger als ein Drittel. Diese Entwicklung ist politisch gewollt, um die Zersiedelung zu bremsen. Das Raumplanungsgesetz von 2014 soll sicherstellen, dass mehr dort gebaut wird, wo bereits Siedlungen bestehen. Doch der Preis dafür ist hoch: Neueinzonungen sind stark eingeschränkt, was zu einem Anstieg der Baulandpreise führt.
Die Rolle der Investoren im Wohnungsbau
Investoren zeigen ein wachsendes Interesse an günstigem Wohnraum, da dieser als sichere Geldanlage gilt. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist ungebrochen, und viele Investoren möchten in diesem Bereich aktiv werden. Doch die Herausforderungen sind groß. Die Bautätigkeit muss dringend angekurbelt werden, um den Bedarf zu decken. Schätzungen zufolge könnten durch die Nutzung ungenutzter Baulandreserven Wohnraum für bis zu 1,6 Millionen Personen geschaffen werden.
Die steigenden Preise für Eigentumswohnungen, die laut UBS im Jahr 2026 um 3,5 Prozent steigen werden, machen es für viele Menschen schwierig, Wohneigentum zu erwerben. Die laufenden Kosten für Wohneigentum sind im Schnitt um fast ein Viertel niedriger als die Miete einer vergleichbaren Wohnung, was den Traum vom Eigenheim für viele attraktiv macht. Dennoch bleibt die Frage, wie Investoren und Gemeinden gemeinsam Lösungen finden können, um den Wohnungsmarkt zu entlasten.
Finanzierung und Zinsen: Ein kritischer Faktor
- Leerwohnungsziffer unter 1 Prozent
- Bautätigkeit auf unbebautem Land halbiert
- Preise für Eigentumswohnungen steigen um 3,5 Prozent
Die Zinsentwicklung hat einen direkten Einfluss auf den Immobilienmarkt. Trotz eines unveränderten Leitzinses der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steigen die Zinsen für Festhypotheken. Aktuell kosten zehnjährige Festhypotheken im Durchschnitt 1,86 Prozent. Dies führt zu einer Verteuerung der Finanzierung von Wohneigentum, was potenzielle Käufer abschrecken kann. Die Unsicherheit an den Kapitalmärkten und die steigenden globalen Zinsen tragen zur Verunsicherung bei.
Für Investoren bedeutet dies, dass sie bei der Finanzierung von Neubauprojekten vorsichtiger agieren müssen. Die steigenden Zinsen könnten dazu führen, dass weniger Bauprojekte realisiert werden, was die ohnehin angespannte Wohnraumsituation weiter verschärfen könnte. Die Herausforderung besteht darin, attraktive Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die sowohl für Investoren als auch für Käufer von Vorteil sind.
Die Zukunft des Wohnungsmarktes in der Schweiz
Die UBS prognostiziert, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Dies könnte die Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen, da immer weniger Menschen sich Wohneigentum leisten können. Die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibt hoch, während das Angebot an bezahlbarem Wohnraum weiterhin knapp ist.
Um die Wohnraumsituation nachhaltig zu verbessern, müssen Gemeinden und Investoren zusammenarbeiten. Es gilt, ungenutzte Baulandreserven zu aktivieren und innovative Wohnkonzepte zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht werden. Nur so kann der Wohnungsmarkt in der Schweiz langfristig stabilisiert werden.
Fazit

Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum in der Schweiz ist ungebrochen, während die Bautätigkeit zurückgeht. Investoren zeigen Interesse, doch die Herausforderungen sind groß. Um die Wohnraumsituation nachhaltig zu verbessern, sind innovative Lösungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Investoren erforderlich. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um den Wohnungsmarkt zu entlasten und bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen.
Häufige Fragen
Warum ist günstiger Wohnraum in der Schweiz so rar?
Welche Faktoren beeinflussen die Bautätigkeit?
Wie wirkt sich die Zinsentwicklung auf den Immobilienmarkt aus?
Was sind die Herausforderungen für Investoren im Wohnungsbau?
Wie können Gemeinden die Wohnraumsituation verbessern?
Quellen: Google News
Symbolbild: Investitionen in günstigen Wohnraum · Foto: Magda Ehlers / Pexels


