⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 03.09.2026
Das Bundeswirtschaftsministerium untersucht, ob Steinkohlekraftwerke aus der Reserve zur Senkung der Strompreise eingesetzt werden können. Die Auswirkungen auf den Markt sind jedoch noch unklar.
- Unionsfraktionsvize fordert stärkere Nutzung von Kohlekraftwerken.
- Prüfung der Erzeugungskosten und deren Einfluss auf den Strompreis.
- Mögliche Einsparungen für industrielle Großverbraucher, jedoch geringe Auswirkungen auf Haushaltskunden.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Prüfung eingeleitet, ob Steinkohlekraftwerke aus der Netzreserve stärker am Strommarkt eingesetzt werden können. Diese Diskussion wurde durch den Vorstoß des stellvertretenden Vorsitzenden der Unions-Fraktion im Bundestag, Sepp Müller, angestoßen. Angesichts der hohen Gaspreise fordert er eine regelmäßige Nutzung dieser Kraftwerke, um die Strompreise zu stabilisieren. Das Ministerium hat jedoch noch keine konkreten Preisprognosen veröffentlicht und betont, dass die Prüfung weiterhin andauert.
Was sind Steinkohlekraftwerke und wie funktionieren sie?

Steinkohlekraftwerke sind Anlagen, die Strom durch die Verbrennung von Steinkohle erzeugen. Diese Kraftwerke sind in der Regel älter und weniger effizient als moderne Gaskraftwerke. Sie werden im Rahmen des Redispatch eingesetzt, um Engpässe im Übertragungsnetz auszugleichen. Die Nutzung dieser Kraftwerke könnte theoretisch den Strompreis senken, wenn sie teurere Kraftwerke aus der Einsatzreihenfolge verdrängen. Dies hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der variablen Kosten der Kraftwerke und der aktuellen Marktlage.
Die Rolle des Merit-Order-Prinzips
Das Merit-Order-Prinzip ist entscheidend für die Preisbildung auf dem Strommarkt. Es besagt, dass Kraftwerke nach ihren kurzfristigen variablen Kosten eingesetzt werden. Zuerst kommen die Anlagen mit den niedrigsten Kosten zum Zug. Das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, bestimmt in der Regel den Preis in der jeweiligen Gebotszone. Ein zusätzlich eingesetztes Steinkohlekraftwerk könnte den Börsenstrompreis senken, wenn es ein teureres Kraftwerk verdrängt. Die Berechnung ist jedoch komplex und hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Kosten für Kohle und Emissionszertifikate.
Potenzielle Auswirkungen auf die Strompreise
Analysen des Analysehauses Montel haben gezeigt, dass die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken mit einer Gesamtleistung von 7,8 Gigawatt den durchschnittlichen Day-ahead-Großhandelspreis bis Ende 2026 um etwa 2,3% senken könnte. Für das Jahr 2027 wird ein Preisrückgang von bis zu 5% prognostiziert. Diese Einsparungen wären jedoch saisonal ungleich verteilt, mit einem stärkeren Effekt in den Wintermonaten, wenn die Nachfrage nach Strom höher ist.
Wer profitiert von den Preisänderungen?
- Aktuelle Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium zur Nutzung von Kohlekraftwerken.
- Steinkohlekraftwerke könnten den Strompreis um bis zu 5% senken.
- Die Prüfung dauert an, konkrete Ergebnisse stehen noch aus.
Die potenziellen Einsparungen durch die Reaktivierung von Kohlekraftwerken würden vor allem industrielle Großverbraucher betreffen. Bei einem angenommenen Großhandelspreis von 10 Cent pro Kilowattstunde könnte eine Senkung um 5% eine Einsparung von 0,5 Cent pro Kilowattstunde bedeuten. Für Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 100 Gigawattstunden könnte dies eine Entlastung von bis zu 500.000 Euro darstellen. Für Haushaltskunden hingegen wären die Auswirkungen gering, da ihr Strompreis auch von Netzentgelten, Steuern und Abgaben beeinflusst wird.
Umweltaspekte und CO2-Emissionen
Ein wichtiger Aspekt der Diskussion ist die Umweltverträglichkeit der Kohleverstromung. Die Reaktivierung von Kohlekraftwerken könnte die CO2-Emissionen im deutschen Stromsektor um bis zu 10% erhöhen. Kohle emittiert pro erzeugter Kilowattstunde deutlich mehr CO2 als Erdgas. Dies könnte die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten erhöhen und die Emissionsbudgets anderer Sektoren belasten. Deutschland hat sich im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems verbindliche Emissionsziele gesetzt, die durch eine erhöhte Kohleverstromung gefährdet werden könnten.
Die nächsten Schritte der Bundesregierung
Das Bundeswirtschaftsministerium steht vor der Herausforderung, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es muss klären, welche Steinkohlekraftwerke am Markt eingesetzt werden können und ob deren Erzeugungskosten niedrig genug sind, um den Strompreis tatsächlich zu beeinflussen. Diese Prüfungen sind Teil eines umfassenderen Plans zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit und zur Vorbereitung auf die Ausschreibung neuer steuerbarer Kraftwerkskapazitäten, die am 8. September 2026 beginnen soll.
Fazit

Die Diskussion um die Nutzung von Kohlekraftwerken aus der Reserve ist komplex und vielschichtig. Während eine mögliche Senkung der Strompreise für industrielle Verbraucher von Vorteil wäre, stehen Umweltaspekte und die langfristige Energiepolitik Deutschlands im Vordergrund. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu klären, ob und wie Steinkohlekraftwerke zur Stabilisierung der Strompreise beitragen können.
Häufige Fragen
Was wird aktuell im Bundeswirtschaftsministerium geprüft?
Wie viel könnte der Strompreis durch Kohlekraftwerke sinken?
Welche Rolle spielt das Merit-Order-Prinzip bei der Preisbildung?
Wie beeinflusst die Nutzung von Kohlekraftwerken die CO2-Emissionen?
Was sind die nächsten Schritte des Bundeswirtschaftsministeriums?
Quellen: Google News
Symbolbild: Kohle aus der Reserve und ihre Auswirkungen · Foto: Tom Fisk / Pexels


