StartWirtschaft & KonjunkturKohle aus der Reserve: Senkt das den Strompreis wirklich?

Kohle aus der Reserve: Senkt das den Strompreis wirklich?

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⏱ 4 Min. Lesezeit · Stand: 03.09.2026

Das Bundeswirtschaftsministerium untersucht, ob Steinkohlekraftwerke aus der Reserve zur Senkung der Strompreise eingesetzt werden können. Die Auswirkungen auf den Markt sind jedoch noch unklar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unionsfraktionsvize fordert stärkere Nutzung von Kohlekraftwerken.
  • Prüfung der Erzeugungskosten und deren Einfluss auf den Strompreis.
  • Mögliche Einsparungen für industrielle Großverbraucher, jedoch geringe Auswirkungen auf Haushaltskunden.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Prüfung eingeleitet, ob Steinkohlekraftwerke aus der Netzreserve stärker am Strommarkt eingesetzt werden können. Diese Diskussion wurde durch den Vorstoß des stellvertretenden Vorsitzenden der Unions-Fraktion im Bundestag, Sepp Müller, angestoßen. Angesichts der hohen Gaspreise fordert er eine regelmäßige Nutzung dieser Kraftwerke, um die Strompreise zu stabilisieren. Das Ministerium hat jedoch noch keine konkreten Preisprognosen veröffentlicht und betont, dass die Prüfung weiterhin andauert.

Was sind Steinkohlekraftwerke und wie funktionieren sie?

Kohle aus der Reserve und ihre Auswirkungen
Symbolbild: Kohle aus der Reserve und ihre Auswirkungen · Foto: Rafael Minguet Delgado / Pexels

Steinkohlekraftwerke sind Anlagen, die Strom durch die Verbrennung von Steinkohle erzeugen. Diese Kraftwerke sind in der Regel älter und weniger effizient als moderne Gaskraftwerke. Sie werden im Rahmen des Redispatch eingesetzt, um Engpässe im Übertragungsnetz auszugleichen. Die Nutzung dieser Kraftwerke könnte theoretisch den Strompreis senken, wenn sie teurere Kraftwerke aus der Einsatzreihenfolge verdrängen. Dies hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der variablen Kosten der Kraftwerke und der aktuellen Marktlage.

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Die Rolle des Merit-Order-Prinzips

Das Merit-Order-Prinzip ist entscheidend für die Preisbildung auf dem Strommarkt. Es besagt, dass Kraftwerke nach ihren kurzfristigen variablen Kosten eingesetzt werden. Zuerst kommen die Anlagen mit den niedrigsten Kosten zum Zug. Das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, bestimmt in der Regel den Preis in der jeweiligen Gebotszone. Ein zusätzlich eingesetztes Steinkohlekraftwerk könnte den Börsenstrompreis senken, wenn es ein teureres Kraftwerk verdrängt. Die Berechnung ist jedoch komplex und hängt von vielen Faktoren ab, darunter die Kosten für Kohle und Emissionszertifikate.

Potenzielle Auswirkungen auf die Strompreise

Analysen des Analysehauses Montel haben gezeigt, dass die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken mit einer Gesamtleistung von 7,8 Gigawatt den durchschnittlichen Day-ahead-Großhandelspreis bis Ende 2026 um etwa 2,3% senken könnte. Für das Jahr 2027 wird ein Preisrückgang von bis zu 5% prognostiziert. Diese Einsparungen wären jedoch saisonal ungleich verteilt, mit einem stärkeren Effekt in den Wintermonaten, wenn die Nachfrage nach Strom höher ist.

Wer profitiert von den Preisänderungen?

Fakten auf einen Blick

  • Aktuelle Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium zur Nutzung von Kohlekraftwerken.
  • Steinkohlekraftwerke könnten den Strompreis um bis zu 5% senken.
  • Die Prüfung dauert an, konkrete Ergebnisse stehen noch aus.

Die potenziellen Einsparungen durch die Reaktivierung von Kohlekraftwerken würden vor allem industrielle Großverbraucher betreffen. Bei einem angenommenen Großhandelspreis von 10 Cent pro Kilowattstunde könnte eine Senkung um 5% eine Einsparung von 0,5 Cent pro Kilowattstunde bedeuten. Für Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 100 Gigawattstunden könnte dies eine Entlastung von bis zu 500.000 Euro darstellen. Für Haushaltskunden hingegen wären die Auswirkungen gering, da ihr Strompreis auch von Netzentgelten, Steuern und Abgaben beeinflusst wird.

Umweltaspekte und CO2-Emissionen

Ein wichtiger Aspekt der Diskussion ist die Umweltverträglichkeit der Kohleverstromung. Die Reaktivierung von Kohlekraftwerken könnte die CO2-Emissionen im deutschen Stromsektor um bis zu 10% erhöhen. Kohle emittiert pro erzeugter Kilowattstunde deutlich mehr CO2 als Erdgas. Dies könnte die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten erhöhen und die Emissionsbudgets anderer Sektoren belasten. Deutschland hat sich im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems verbindliche Emissionsziele gesetzt, die durch eine erhöhte Kohleverstromung gefährdet werden könnten.

Die nächsten Schritte der Bundesregierung

Das Bundeswirtschaftsministerium steht vor der Herausforderung, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es muss klären, welche Steinkohlekraftwerke am Markt eingesetzt werden können und ob deren Erzeugungskosten niedrig genug sind, um den Strompreis tatsächlich zu beeinflussen. Diese Prüfungen sind Teil eines umfassenderen Plans zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit und zur Vorbereitung auf die Ausschreibung neuer steuerbarer Kraftwerkskapazitäten, die am 8. September 2026 beginnen soll.

Fazit

Kohle aus der Reserve und ihre Auswirkungen
Symbolbild: Kohle aus der Reserve und ihre Auswirkungen · Foto: Mariana M Caceres / Pexels

Die Diskussion um die Nutzung von Kohlekraftwerken aus der Reserve ist komplex und vielschichtig. Während eine mögliche Senkung der Strompreise für industrielle Verbraucher von Vorteil wäre, stehen Umweltaspekte und die langfristige Energiepolitik Deutschlands im Vordergrund. Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um zu klären, ob und wie Steinkohlekraftwerke zur Stabilisierung der Strompreise beitragen können.

Häufige Fragen

Was wird aktuell im Bundeswirtschaftsministerium geprüft?
Das Bundeswirtschaftsministerium prüft, ob Steinkohlekraftwerke aus der Netzreserve stärker am Strommarkt eingesetzt werden können, um die hohen Strompreise zu senken.
Wie viel könnte der Strompreis durch Kohlekraftwerke sinken?
Analysen deuten darauf hin, dass die Reaktivierung von Steinkohlekraftwerken den Strompreis um bis zu 5% senken könnte, insbesondere in den Wintermonaten.
Welche Rolle spielt das Merit-Order-Prinzip bei der Preisbildung?
Das Merit-Order-Prinzip bestimmt, dass Kraftwerke nach ihren variablen Kosten eingesetzt werden. Ein zusätzliches Kohlekraftwerk könnte teurere Anlagen verdrängen und somit den Preis senken.
Wie beeinflusst die Nutzung von Kohlekraftwerken die CO2-Emissionen?
Die Reaktivierung von Kohlekraftwerken könnte die CO2-Emissionen im deutschen Stromsektor um bis zu 10% erhöhen, da Kohle pro erzeugter Kilowattstunde mehr CO2 emittiert als Erdgas.
Was sind die nächsten Schritte des Bundeswirtschaftsministeriums?
Das Ministerium muss klären, welche Steinkohlekraftwerke am Markt eingesetzt werden können und ob deren Erzeugungskosten niedrig genug sind, um den Strompreis tatsächlich zu beeinflussen.

Quellen: Google News

Symbolbild: Kohle aus der Reserve und ihre Auswirkungen · Foto: Tom Fisk / Pexels

Sebastian Stehle
Sebastian Stehlehttps://finanz-echo.de
Sebastian Stehle beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den Aktien- und Kapitalmärkten. Bei Finanz-Echo schreibt er über Börsentrends, Unternehmenszahlen und wirtschaftliche Entwicklungen und legt dabei Wert darauf, komplexe Zusammenhänge verständlich aufzubereiten. Sein Ziel ist es, Leserinnen und Lesern eine solide Grundlage für eigene Entscheidungen zu geben – ohne reißerische Versprechen.
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